
Warschauer Stadtrat lehnt Antrag auf Abberufung des Straßenamtschefs nach Whistleblower-Entlassung ab – durchgesickertes Notiz widerspricht offizieller Darstellung
Der Warschauer Stadtrat lehnte einen Antrag auf Abberufung des Leiters der städtischen Straßenbehörde, Łukasz Puchalski, nach einer hitzigen Sitzung über die Entlassung eines Mitarbeiters ab, dem Bürgermeister Rafał Trzaskowski Whistleblower-Schutz gewährt hatte.
Der Bericht des Whistleblowers
Piotr, ein Fachmann bei der Städtischen Straßenbehörde (ZDM), weigerte sich, eine mündliche Anordnung zu befolgen, von der Stadt beschlagnahmte Fahrzeuge zu versichern, mit der Begründung, die Stadt besitze sie noch nicht, und bat um eine schriftliche Anweisung. Die schriftliche Anordnung kam nie, und Piotr sagt, er und zwei Kollegen hätten daraufhin Vergeltungsmaßnahmen erlitten: reduzierte Boni, unmögliche Aufgaben und eingeschränkter Zugang zu Werkzeugen. Er meldete die Angelegenheit dem ZDM-Direktor Łukasz Puchalski und später dem Rathaus und erhielt im November 2025 den offiziellen Whistleblower-Status. Bürgermeister Rafał Trzaskowski versprach ihm persönlich Schutz.
Der Präsident Warschaus sicherte ihm Schutz durch einen autorisierten Direktor zu.
Trotzdem erhielt Piotr im Januar 2026 eine Kündigung. Das Kündigungsschreiben führte unter anderem einen Brief an, den er an Trzaskowski geschickt hatte. Piotr hat beim Arbeitsgericht Berufung eingelegt, vertreten durch Rechtsanwalt Bartosz Lewandowski.
Umstrittene Kenntnis des Whistleblower-Status
Die ZDM hat darauf bestanden, dass sie nicht wusste, dass Piotr ein geschützter Whistleblower war, als sie sich zur Kündigung entschloss. In einer öffentlichen Erklärung erklärte die Behörde, die Entscheidung beruhe ausschließlich auf schlechter Leistung, und listete über eineinhalb Seiten angebliche Mängel auf. Ein Dienstvermerk vom 26. Januar 2026, veröffentlicht von der investigativen Plattform Zero.pl, zeigt jedoch, dass Piotr während des Kündigungsgesprächs ein Dokument des Bürgermeisters vorlegte, das jegliche Maßnahmen gegen ihn untersagte.
Herr [Name des Whistleblowers] weigerte sich nach dem Lesen des Inhalts, die Dokumente zu unterschreiben, und erklärte, er besitze ein Dokument des Bürgermeisters von Warschau, das jegliche Maßnahmen gegen ihn untersage. Auf Verlangen von Frau Godlewska zeigte der Mitarbeiter das Dokument.
Zero.pl berichtet zudem, dass das Rathaus vor der Kündigung Korrespondenz über Piotrs Fall mit der ZDM ausgetauscht habe, was die Behauptung, die Straßenbehörde habe nichts von seinem Status gewusst, weiter untergräbt.
Konfrontation im Stadtrat und Abstimmung
Eine außerordentliche Sitzung des Warschauer Stadtrats am 6. Juli 2026 sah einen Antrag von Stadträten der Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS) auf Abberufung Puchalskis. Die Debatte war scharf, wobei Puchalski die Kündigung verteidigte und Bemerkungen über die Ehefrau des ehemaligen Mitarbeiters machte, die parteiübergreifend Kritik hervorriefen. Der Antrag wurde abgelehnt: Stadträte der Bürgerkoalition (KO) stimmten dagegen, die Linke und Miasto Jest Nasze enthielten sich, die PiS stimmte dafür.
Der Arbeitsvertrag mit Herrn Piotr wurde aus sehr gewichtigen Gründen gekündigt, die nichts mit seiner Meldung zu tun haben. Es handelt sich um über eineinhalb Seiten Vorwürfe, zusammen mit der Information, dass der Arbeitnehmer das Recht hat, beim Arbeitsgericht Berufung einzulegen.
Arbeitsinspektion und rechtliche Folgen
Die Staatliche Arbeitsinspektion (PIP) führte eine viermonatige Prüfung bei der ZDM durch. Sie stellte nur einen geringfügigen Verstoß fest: Die Behörde hatte Piotrs Urlaubsanspruch falsch berechnet und seinen Urlaubsersatz zu niedrig gezahlt. Die ZDM gibt an, dies sofort korrigiert zu haben. Die Inspektion untersuchte den Whistleblower-Aspekt nicht. Die ZDM hat eine Richtigstellung von Zero.pl verlangt und erklärt, sie werde ihren Standpunkt vor Gericht beweisen. Piotrs Klage ist anhängig.
- Piotr erhält offiziellen Whistleblower-Status und Schutz von Bürgermeister Trzaskowski.
- ZDM unterzeichnet die Kündigung.
- Kündigung zugestellt; Piotr zeigt Dokument des Bürgermeisters, das Maßnahmen gegen ihn untersagt.
- Warschauer Stadtrat lehnt Antrag auf Abberufung des ZDM-Direktors Puchalski ab.
Politische Dimension
Der Fall ist zu einem politischen Brennpunkt in der Hauptstadt geworden. Oppositionspolitiker werfen Trzaskowski vor, einen Whistleblower verraten zu haben, den er zu schützen geschworen hatte, während das Büro des Bürgermeisters darauf beharrt, dass der Fall abgeschlossen sei. Zero.pl stellt fest, dass keine abschließende Bewertung des Whistleblower-Berichts vorgenommen wurde, was bedeutet, dass die Angelegenheit offen bleibt. Die Kontroverse erhöht den Druck auf Trzaskowski, der bereits wegen Unregelmäßigkeiten im Südkrankenhaus mit Rücktrittsforderungen konfrontiert war.


