
Whistleblower in Warschau trotz Schutzes des Bürgermeisters entlassen, Staatsanwaltschaft eingeschaltet
Ein Mitarbeiter der Warschauer Straßenverwaltung, der von Bürgermeister Rafał Trzaskowski den Whistleblower-Status erhalten hatte, wurde später entlassen. Sein Anwalt hat nun eine Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft eingereicht.
Die Vorwürfe des Whistleblowers
Piotr, ein Mitarbeiter der Warschauer Straßenverwaltung (ZDM), stellte gemeinsam mit zwei Kollegen im April 2025 eine Anweisung in Frage, Fahrzeuge zu versichern, die aufgrund nicht rechtskräftiger Gerichtsbeschlüsse beschlagnahmt worden waren. Das Trio hielt die Ausgaben für verschwenderisch und verlangte die Anweisung schriftlich. Als keine schriftliche Anweisung kam, reichte Piotr am 30. April 2025 eine interne Whistleblower-Meldung beim ZDM-Direktor Łukasz Puchalski ein, in der er argumentierte, dass öffentliche Gelder zweckentfremdet würden.
Vergeltungsmaßnahmen und Entlassung
Nach der Meldung erlitt Piotr nach eigenen Angaben Vergeltungsmaßnahmen: Sein Leistungsbonus wurde gekürzt, der Zugang zu zuvor genutzter Software blockiert und seine Leistungsbewertung herabgestuft. Trotz dieser Maßnahmen eskalierte er die Angelegenheit. Im Oktober 2025 schrieb er direkt an Bürgermeister Rafał Trzaskowski und zwei Tage später, am 22. Oktober, reichte er eine formelle Whistleblower-Meldung bei der Stadt ein. Am 17. November 2025 gewährte ihm Trzaskowski den offiziellen Whistleblower-Status, der gesetzlich vor Entlassung und Repressalien schützen soll.
Dennoch kündigte der ZDM-Direktor am 16. Januar 2026 das Arbeitsverhältnis mit Piotr. Als Gründe wurden unter anderem Vertrauensverlust und Handlungen, die das Image des Arbeitgebers schädigten, angeführt, wobei auf die E-Mail Bezug genommen wurde, die Piotr an das Büro des Bürgermeisters gesendet hatte. Kollegen sollen diese Korrespondenz zurück an die ZDM weitergeleitet haben, und Piotr behauptet, die Vorwürfe seien genau den Personen mitgeteilt worden, über die er sich beschwert hatte.
- Piotr reicht interne Whistleblower-Meldung bei ZDM-Direktor ein
- ZDM antwortet, dass keine Unregelmäßigkeiten aufgetreten seien
- Piotr beschwert sich über Vergeltungsmaßnahmen, darunter Bonuskürzung und Softwaresperre
- Piotr schreibt direkt an Bürgermeister Trzaskowski und bittet um Hilfe
- Piotr reicht formelle Whistleblower-Meldung bei der Stadt ein
- Bürgermeister Trzaskowski gewährt Piotr offiziellen Whistleblower-Status
- ZDM-Direktor entlässt Piotr mit Verweis auf Vertrauensverlust
- Trzaskowski stellt sich Stadtrat wegen Südkrankenhaus-Skandal; Whistleblower-Fall wird bekannt
- Rechtsanwalt Bartosz Lewandowski reicht Anzeige bei Staatsanwaltschaft wegen möglicher Vergeltung ein
Reaktion des Rathauses
Das Warschauer Rathaus gab am 26. Juni 2026 eine Erklärung ab, wonach alle von Piotr vorgebrachten Umstände untersucht und nicht bestätigt worden seien. In der Erklärung wurde darauf hingewiesen, dass die Differenzen die Auslegung der Vorschriften zur Versicherung beschlagnahmter Fahrzeugwracks beträfen. Es wurde betont, dass der Whistleblower-Schutz nicht absolut sei, und hinzugefügt, dass Mitarbeiter den Status manchmal missbrauchten, um sich vor einer Kündigung zu schützen. Die ZDM listete acht Unregelmäßigkeiten auf Seiten Piotrs auf, die nach eigenen Angaben nichts mit seiner Whistleblower-Tätigkeit zu tun hatten.
Politische Folgen
Der Fall brach nur einen Tag aus, nachdem Trzaskowski sich wegen eines separaten Skandals im Südkrankenhaus dem Warschauer Stadtrat stellen musste. Oppositionspolitiker nutzten die Entlassung. Der PiS-Abgeordnete Marek Wesoły forderte Trzaskowski zum Rücktritt auf und schrieb: „In Warschau folgt ein Skandal dem nächsten. Ein weiterer Whistleblower entlassen.“ Die PiS-Kollegen Janusz Cieszyński und Radosław Fogiel griffen den Bürgermeister ebenfalls an. Łukasz Rzepecki von der Konfederacja sagte, die Transparenz in Warschau „höre dort auf, wo die Interessen der Mächtigen beginnen.“ Die linke Partei Razem schloss sich der Kritik an; Aktivist Adam Kościelak nannte die Behandlung von Whistleblowern „eine der liebsten Beschäftigungen der Regierungskoalition.“
Wenn Bürgermeister Trzaskowski sagt, dass Whistleblower in Warschau offizielle Kanäle für die Meldung von Unregelmäßigkeiten haben, dann zeigt dieses Beispiel, wie das in der Praxis funktioniert. Oder vielmehr, was für eine Fiktion es ist.
Rechtliche Schritte
Rechtsanwalt Bartosz Lewandowski, der Piotr vertritt, gab am 26. Juni 2026 bekannt, dass er eine Anzeige bei der Staatsanwaltschaft eingereicht habe, wegen eines möglichen Verstoßes gegen Artikel 55 des Whistleblower-Schutzgesetzes vom 14. Juni 2024, der Vergeltungsmaßnahmen betrifft. Er betonte, dass Belästigung und Einschüchterung von Whistleblowern aufhören müssten, und nannte es eine „kranke Praxis.“ Piotr hat bereits gegen seine Entlassung beim Arbeitsgericht Berufung eingelegt.


