
Wegovy-Abnehmtablette erreicht am 1. September deutsche Apotheken
Novo Nordisk wird am 1. September 2026 Wegovy-Semaglutid-Tabletten in deutschen Apotheken einführen, die erste orale GLP-1-Gewichtsreduktionsbehandlung auf dem europäischen Markt. Patienten müssen die Kosten selbst tragen, wobei die Kosten voraussichtlich denen der Injektion von 173 bis 278 Euro pro vier Wochen entsprechen.
Markteinführung und Verfügbarkeit
Novo Nordisk plant, Wegovy-Tabletten am 1. September 2026 in deutschen Apotheken einzuführen, wie ein Unternehmenssprecher der Deutschen Presse-Agentur mitteilte. Es sei ausreichend Bestand vorhanden, um die erwartete Nachfrage zu decken. Die Europäische Kommission hatte die Tablettenformulierung im Juli 2026 zugelassen, womit sie die erste orale GLP-1-Behandlung zur Gewichtsreduktion auf dem europäischen Markt ist. Die Pillenversion ist bereits in den Vereinigten Staaten, dem Vereinigten Königreich und den Vereinigten Arabischen Emiraten erhältlich. Das Konkurrenzprodukt Foundayo von Eli Lilly befindet sich noch im EU-Zulassungsverfahren, erhielt aber Anfang dieser Woche eine Zulassung im Vereinigten Königreich.
- EU-Kommission genehmigt Wegovy-Tablette für Erwachsene mit Adipositas oder Übergewicht mit Begleiterkrankung
- Vereinigtes Königreich genehmigt Eli Lillys Konkurrenzprodukt Foundayo
- Wegovy-Tabletten-Einführung in deutschen Apotheken durch Novo Nordisk geplant
Wirkweise der Tablette
Wie die bestehende Wegovy-Injektion enthalten die Tabletten Semaglutid, einen GLP-1-Rezeptoragonisten, der dem Gehirn signalisiert, dass Nahrung aufgenommen wurde, und so ein Sättigungsgefühl erzeugt. Der Wirkstoff verlangsamt zudem die Magenentleerung und verlängert das Völlegefühl, sodass Patienten insgesamt weniger essen. Die Tabletten sind für Erwachsene mit Adipositas oder Übergewicht in Verbindung mit mindestens einer gewichtsbedingten Begleiterkrankung zugelassen und erfordern ein Rezept. Anders als die Injektion, die ab einem Alter von 12 Jahren zugelassen ist, ist die Tablette nur für Erwachsene zugelassen und benötigt keine Kühlung. Nina Meyer von der Charité Berlin erklärte, die Indikation bleibe unverändert: Adipositas oder Übergewicht mit Begleiterkrankung.
Dosierung und Wirksamkeitsunterschiede
Die Injektion wird einmal wöchentlich verabreicht, während die Tablette jeden Morgen auf nüchternen Magen eingenommen werden muss, mindestens acht Stunden nach der letzten Mahlzeit, und danach 30 Minuten lang keine Nahrung, Getränke oder andere Medikamente eingenommen werden dürfen, so der Bundesverband Deutscher Apothekerverbände (ABDA). Da Magen und Dünndarm oral nur einen kleinen Teil des Wirkstoffs aufnehmen, ist bei der Tablette eine weitaus höhere Dosis erforderlich.
Man braucht 70-mal so viel vom gleichen Wirkstoff, wenn man ihn in Tablettenform gibt, wie wenn man ihn spritzt.
Meyer merkte an, dass die Injektion auf maximal 2,4 Milligramm titriert werden kann, während die Tablette in einer Höchstdosis von 25 Milligramm erhältlich sein wird. Laut Hauner zeigten klinische Studiendaten für die Injektion einen durchschnittlichen Gewichtsverlust von 11 bis 17 Prozent, also etwa 10 bis 12 Kilogramm. Meyer betonte, dass das Medikament allein für eine langfristige Gewichtskontrolle nicht ausreiche.
- Injektion (wöchentlich)
- 2.4 mg
- Tablette (täglich)
- 25 mg
Es ist keine alleinige Therapie.
Kosten und Erstattung
Der Preis der Tablette wurde noch nicht bekannt gegeben, aber Emil Larsen, verantwortlich für Novo Nordisks Geschäft außerhalb der Vereinigten Staaten, sagte der Wirtschaftswoche, dass er sich an den Kosten der Injektion orientieren werde, die je nach Dosierung zwischen 173 und 278 Euro pro vier Wochen liegen. Die gesetzlichen Krankenkassen in Deutschland übernehmen keine Kosten für Abnehmmedikamente, die als Lifestyle-Medikamente eingestuft werden. Patienten müssen die Kosten selbst tragen. Für Patienten mit Typ-2-Diabetes wird Semaglutid jedoch unter dem Markennamen Ozempic erstattet. Der Rechtswissenschaftler Stefan Huster unterschied zwischen der behördlichen Zulassung, die erteilt wurde, und den Erstattungsentscheidungen, die davon getrennt seien.
Bedenken und politischer Druck
Mediziner warnen davor, dass die Bequemlichkeit der Tablette den Missbrauch durch dubiose Online-Anbieter fördern könnte, bei denen das Fehlen ärztlicher Aufsicht ein besonderes Risiko darstellt. Die Versorgung aller rund 15 Millionen übergewichtigen Deutschen würde das Gesundheitssystem überfordern, so Hauner. Gleichzeitig wächst der politische Druck, den Versicherungsschutz auf stark gefährdete Patientengruppen auszuweiten.


