
WDR verteidigt Journalisten Georg Restle nach Ceuta-Zitat mit Antisemitismusvorwürfen
Der WDR hat seinen Nairobi-Studioleiter Georg Restle verteidigt, nachdem er auf X ein Zitat aus The Nation geteilt hatte, das auf ein US-israelisch-marokkanisches Bündnis hinter der Ceuta-Migrationskrise hindeutete und Antisemitismusvorwürfe von Politikern sowie eine Beschwerde eines Rundfunkratsmitglieds auslöste.
Der Beitrag und sein Inhalt
Georg Restle, Leiter des ARD-Studios in Nairobi und langjähriger Moderator des ARD-Magazins „Monitor“, teilte am Donnerstag auf der Plattform X einen Beitrag über die Migrationskrise in der spanischen Exklave Ceuta. Er postete einen englischsprachigen Auszug aus einem Artikel des US-Magazins The Nation, in dem zitiert wurde, dass die Ereignisse in Ceuta „weder eine echte humanitäre Krise noch Teil eines antikolonialen Kampfes seien, sondern Teil der Bemühungen der wachsenden US-israelisch-marokkanischen Allianz, eine progressive europäische Regierung zu schwächen, Europa zu spalten und das Völkerrecht zu untergraben.“ Restle postete das Zitat ohne weiteren Kommentar oder Erklärung.
Politische und institutionelle Reaktionen
Der Beitrag zog rasch Kritik mehrerer öffentlicher Persönlichkeiten nach sich. Serap Güler (CDU), Staatsministerin im Auswärtigen Amt, schrieb am Freitag auf X: „Antisemitism & Antiamerikanismus at its best. Dass sich ein Journalist des ÖRR nicht schämt, Verschwörungstheorien zu verbreiten, ist dabei der Gipfel.“ Weitere Kritiker waren die FDP-Politikerin Karoline Preisler und Volker Beck, Präsident der Deutsch-Israelischen Gesellschaft. Felix Schotland, Mitglied des WDR-Rundfunkrats und Vorstandsmitglied der Synagogengemeinde Köln, sandte ein Beschwerdeschreiben an WDR-Programmdirektorin Andrea Schafarczyk. Laut der Jüdischen Allgemeinen, die den Brief vollständig veröffentlichte, schrieb Schotland, er sei „besonders irritiert, dass ein führender WDR-Journalist einen Beitrag mit einer derart pointierten Darstellung veröffentlicht, die den Eindruck erweckt, geopolitische Entwicklungen würden von einem verschwörerischen Netzwerk gesteuert.“
- Restle teilt auf X ein Zitat aus The Nation über die Ceuta-Migrationskrise
- Staatsministerin Serap Güler beschuldigt Restle auf X, antisemitische Verschwörungstheorien zu verbreiten
- Restle räumt Fehler beim Posten des Zitats ohne Kommentar ein, weist aber Antisemitismusvorwürfe zurück
- WDR verteidigt Restles persönliche Integrität und weist Antisemitismusvorwürfe zurück
Restles Reaktion
Restle wehrte sich zunächst am Samstag gegen seine Kritiker und schrieb, aus einem Zitat einer geopolitischen Analyse eines US-amerikanischen Hochschulprofessors einen Antisemitismusvorwurf zu konstruieren, sei „so grotesk wie leider vorhersehbar.“ Er fragte: „Wer zündelt hier eigentlich?“ Einige Stunden später schwenkte er jedoch um. Er schrieb, er habe das Zitat weder zu eigen gemacht noch hätte er es selbst so formuliert. „Es ist nicht meine Aussage“, schrieb er. Dann räumte er ein: „Deshalb war es ein Fehler, dieses Zitat so unkommentiert wiederzugeben, weil mir hätte klar sein müssen, dass mir dieses Zitat zugeschrieben wird.“ Er wies ausdrücklich die von ihm so genannten „haltlosen Vorwürfe“ zurück, er verbreite Antisemitismus.
WDRs Verteidigung
Am Sonntag gab der WDR eine formelle Verteidigung seines Mitarbeiters ab. Auf Anfragen von ZEIT und Evangelischem Pressedienst erklärte der Sender: „Für den WDR besteht nicht der geringste Zweifel an der persönlichen Integrität von Georg Restle.“ Der Sender sagte, ihn aufgrund dieses Beitrags mit Antisemitismus in Verbindung zu bringen, sei „keinesfalls gerechtfertigt“ und er „nimmt Georg Restle ausdrücklich in Schutz gegen die persönlichen und zum Teil verleumderischen Angriffe in der Öffentlichkeit.“ Der WDR teilte zudem mit, dass er Restles Einschätzung teile, dass das Posten des Zitats ohne Kommentar ein Fehler war, und kündigte an, in der kommenden Woche auf Schotlands Beschwerdebrief zu antworten. Der Sender erklärte weiter, er werde seine Mitarbeiter erneut für ihre Verantwortung in den sozialen Medien sensibilisieren.

