Dürre belastet Trinkwasserversorgung in Baden-Württemberg – Gemeinden im Schwarzwald fürchten Engpässe
Anhaltende Hitze und Trockenheit haben die Trinkwasserversorgung in Teilen Baden-Württembergs an ihre Grenzen gebracht. Gemeinden im Schwarzwald drohen Engpässe, während die großen Städte vorerst sicher versorgt sind.
Regionale Unterschiede bei der Wasserversorgung
Anhaltende Hitze und sinkende Grundwasserstände machen die Trinkwasserversorgung in Baden-Württemberg zu einem drängenden Thema. Mehrere Versorger erklären, die Lage sei weitgehend gesichert, doch die regionalen Unterschiede sind groß. In Großstädten wie Stuttgart und Karlsruhe ist die Situation entspannt, während Versorger in höheren Lagen von möglichen Engpässen berichten.
Badenova, der Versorger für weite Teile Südbadens, meldete stark rückläufige Quellschüttungen. Besonders betroffen seien Gemeinden im Schwarzwald, die überwiegend oder ausschließlich auf Quellwasser angewiesen sind, so das Unternehmen. Der tägliche Trinkwasserverbrauch sei anhaltend hoch – eine Kombination, die Badenova als „angespannte Versorgungslage“ bezeichnet.
- Bodensee-Wasserversorgung
- 4000000 Menschen
- Landeswasserversorgung
- 3000000 Menschen
Vorbereitungen im Schwarzwald
Badenova teilte mit, man bereite sich auf mögliche Versorgungsengpässe vor, unter anderem durch die organisatorische Vorbereitung von Wassertransporten per Lkw. Wie sich die Lage entwickle, hänge von den weiteren Witterungsbedingungen und dem Wasserverbrauch der Bevölkerung ab. Badenova hat bereits zu sparsamem Wasserverbrauch aufgerufen und die Bürger gebeten, auf die Bewässerung von Gärten, das Befüllen von Pools und die Autowäsche zu verzichten.
Einige Gemeinden haben bereits konkrete Sparappelle veröffentlicht, darunter Großerlach und Spiegelberg (beide im Rems-Murr-Kreis) sowie die Stadt Aichtal im Landkreis Esslingen.
Städte setzen auf stabile Reserven
In Karlsruhe ist die Lage entspannt. Dank großer Grundwasservorkommen im Oberrheingraben sei Karlsruhe auch bei längeren Hitzeperioden gut aufgestellt, so die Stadtwerke. Die Grundwasservorräte hätten sich in den vergangenen Wintermonaten wieder aufgefüllt, daher bestehe derzeit kein Grund zur Sorge. Die aktuell hohen Verbrauchswerte seien weder ungewöhnlich noch kritisch.
Auch Stuttgart sieht sich sicher versorgt. Die Netze BW Wasser verwies auf die Bodensee-Wasserversorgung und die Landeswasserversorgung als leistungsfähige Lieferanten. Ein allgemeiner Aufruf zum Wassersparen sei derzeit technisch nicht erforderlich, selbst bei anhaltender Hitze. Netze BW empfiehlt jedoch einen vernünftigen Umgang mit der Ressource und weist darauf hin, dass Rasenflächen bei Hitze nicht bewässert werden müssten und sich im Herbst erholten.
Die Bodensee-Wasserversorgung, die rund vier Millionen Menschen im Land versorgt, gab ebenfalls Entwarnung. Der See sei im Vergleich zu regionalen Grundwasservorkommen ein besonders stabiler Speicher: Die Entnahmemenge entspreche nur einem Prozent des Zuflusses und liege deutlich unter der natürlichen Verdunstung. Auch der Zweckverband Landeswasserversorgung, der rund drei Millionen Menschen in Baden-Württemberg und einige Gemeinden in Bayern versorgt, erklärte, die Lage sei nicht angespannt. Die Grundwasserstände seien niedrig, aber vergleichbar mit den Trockenjahren 2022 und 2023 und sollten sich über den Winter erholen.
Langfristige Aussichten weniger beruhigend
Das langfristige Bild ist weniger entspannt. Bereits heute weisen 21 Prozent der Gemeinden im Land bei Spitzenbedarf ein großes Defizit auf, so das Umweltministerium. Bis 2050 könnte dieser Anteil auf 53 Prozent steigen.
- 21 % der Gemeinden weisen ein großes Defizit bei Spitzenbedarf auf
- Anteil könnte auf 53 % steigen
Umweltministerin Thekla Walker (Grüne) warnte, dass das Grundwasser in einigen Gebieten aufgrund der anhaltenden Dürre auf einem historischen Tiefstand sei. Das Land arbeite daher an einer „Strategie Sichere Wasserversorgung BW 2050“, um das wachsende Defizit zu bewältigen.


