
Wagenknecht lehnt Höckes Angebot ab, sie zur Ministerpräsidentin Thüringens zu machen
Thüringens AfD-Landeschef Björn Höcke schlug BSW-Gründerin Sahra Wagenknecht per konstruktivem Misstrauensvotum als Ministerpräsidentin vor. Wagenknecht lehnte das Angebot als „weder ehrlich noch ernsthaft“ ab und forderte ihre eigene Partei auf, dem amtierenden Mario Voigt die Unterstützung zu entziehen.
Höckes Video-Provokation
Thüringens AfD-Landes- und Fraktionschef Björn Höcke veröffentlichte am 13. August 2026 ein etwa zweiminütiges Video auf X, das sich direkt an BSW-Gründerin Sahra Wagenknecht richtete. Er bezog sich auf ihre jüngste Aussage, dass die Brandmauer-Politik gegen die AfD gescheitert sei, und forderte sie auf, danach zu handeln. Höcke sagte, die BSW in Thüringen fungiere als „neueste Kartellpartei“, indem sie den CDU-Ministerpräsidenten Mario Voigt stütze, der „jedes letzte Quäntchen Glaubwürdigkeit verloren“ habe. Er forderte Wagenknecht auf, Ministerpräsidentin des Freistaats Thüringen zu werden, und fügte hinzu: „Ich biete Ihnen meine Hand.“ Der Vorschlag kam kurz vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am 6. September, bei der Wagenknecht zuvor signalisiert hatte, dass ihre Partei durch Enthaltung im entscheidenden dritten Wahlgang einem AfD-Ministerpräsidenten in Magdeburg ins Amt verhelfen könnte.
- TU Chemnitz entzieht Mario Voigt den Doktortitel
- Erstes konstruktives Misstrauensvotum der AfD scheitert; Höcke war der Kandidat
- Höcke veröffentlicht Video auf X und schlägt Wagenknecht als Ministerpräsidentin vor
- Wagenknecht lehnt Angebot als 'weder ehrlich noch ernsthaft' ab
- Landtagswahl in Sachsen-Anhalt, auf die Höcke in seinem Video Bezug nahm
Wagenknechts schnelle Ablehnung
Wagenknecht ließ nicht lange auf sich warten und lehnte das Angebot noch am selben Tag in einer Stellungnahme gegenüber der Deutschen Presse-Agentur ab. Sie nannte Höckes Vorschlag „weder ehrlich noch ernsthaft“ und sagte, das Amt des Thüringer Ministerpräsidenten sei „kein Wanderpokal, den Herr Höcke nach Belieben vergeben kann.“ Sie warf Höcke vor, „Politik wie die alten Parteien“ zu machen, und sagte, „parteipolitische Taktiererei und Selbstdarstellung haben Vorrang vor Problemlösung.“ Sie merkte auch an, dass eine echte Lösung für Thüringen nur von einem Ministerpräsidenten kommen könne, der im Land verwurzelt sei, während sie selbst nur ihre Kindheit dort verbracht habe.
Die Arithmetik und die Hürden
Die Thüringer Landesverfassung erlaubt ein konstruktives Misstrauensvotum, das heißt, das Parlament kann einen Ministerpräsidenten abwählen, indem es einen Nachfolger wählt. AfD und BSW kommen zusammen auf 47 der 88 Sitze im Erfurter Landtag, über der Mehrheitsschwelle von 45 Sitzen. Die Verfassung erlaubt auch die Wahl einer Person, die wie Wagenknecht nicht Mitglied des Parlaments ist.
- AfD
- 32 Sitze
- BSW
- 15 Sitze
- AfD+BSW zusammen
- 47 Sitze
- Mehrheitsschwelle
- 45 Sitze
Allerdings ist die Skepsis auf beiden Seiten groß. Das Büro der AfD-Bundesvorsitzenden Alice Weidel bezeichnete den Schritt als „rein taktisches Angebot“ und fügte das Motto hinzu: „Legen Sie Ihr Geld dahin, wo Ihr Mund ist, Frau Wagenknecht.“ Wagenknecht selbst wies darauf hin, dass Höcke wisse, „die Mehrheit derer, die im Thüringer Landtag auf einem BSW-Ticket sitzen, stehen in Opposition zum Bundesvorstand und würden nicht für mich stimmen.“ Sie liegt seit langem mit dem Thüringer BSW-Landesverband unter der Leitung von Katja Wolf über dessen Beteiligung an der Regierungskoalition im Streit.
Druck auf Voigt und die Brombeer-Koalition
Ministerpräsident Mario Voigt führt die sogenannte Brombeer-Koalition aus CDU, BSW und SPD. Er steht seit Januar 2026 unter politischem Druck, nachdem die TU Chemnitz ihm wegen angeblicher Unregelmäßigkeiten in seiner Dissertation von 2008 den Doktortitel entzogen hatte; sein Einspruch gegen die Entscheidung ist nun gescheitert. Höckes AfD kämpft seit Monaten gegen Voigt. Die AfD hatte bereits im Februar 2026 ein konstruktives Misstrauensvotum versucht, mit Höcke selbst als Kandidaten, aber das Manöver scheiterte wie erwartet.
Wagenknecht wendet sich gegen die eigene Partei
Während sie Höckes Angebot ablehnte, wiederholte Wagenknecht dessen Kritik an Voigt. Sie sagte, es sei richtig, dass „Mario Voigt als Ministerpräsident das Vertrauen verloren hat und die BSW Thüringen ihm die Unterstützung entziehen muss.“ Damit stellte sie sich direkt gegen den Kurs des Thüringer BSW-Landesverbandes, der eine Zusammenarbeit mit der AfD zuvor ausgeschlossen hatte und weiterhin die Koalition mit CDU und SPD unterstützt. Der interne Konflikt zwischen der Bundesparteiführung und dem Thüringer Landesverband, der schon länger schwelte, wurde damit vollständig offengelegt.


