
Libanon zwischen US-Iran-Abkommen und israelischer Besatzung: Waffenruhe wackelt
Ein US-Iran-Abkommen zur Beendigung der Kämpfe im Nahen Osten lässt den Libanon in der Schwebe: Der Beschuss geht weiter, Israel kündigt den Verbleib seiner Truppen an und vertriebene Zivilisten kehren in die Trümmer zurück.
Ein Abkommen ohne volle Transparenz
Die am 15. Juni bekannt gegebene nächtliche Vereinbarung zwischen Washington und Teheran beinhaltet ein sofortiges Ende des Krieges an allen Fronten, einschließlich des Libanons. Der iranische Vizeaußenminister Kasem Gharibabadi bestätigte, dass das Abkommen „das sofortige und endgültige Ende des Krieges und der militärischen Operationen an den verschiedenen Fronten, einschließlich im Libanon“, vorsieht. Libanons Präsident Joseph Aoun begrüßte das Abkommen als einen Schritt in Richtung Entspannung.
Dieses Abkommen ist ein positiver Schritt zur Senkung der Spannungen und ebnet den Weg für diplomatische Lösungen.
Dennoch räumten libanesische Beamte ein, nicht über die Bedingungen informiert worden zu sein. Der vollständige Text bleibt geheim, und US-Präsident Donald Trump hat nicht öffentlich bestätigt, dass sich die Waffenruhe auf die Front zwischen Israel und der Hisbollah erstreckt. Libanons Parlamentssprecher Nabih Berri, ein wichtiger Vermittler, sagte, er habe einen Anruf des iranischen Außenministers Abbas Araghchi erhalten, der darauf bestand, dass die Klausel zur Beendigung des Krieges sofort und für den gesamten 60-tägigen Verhandlungszeitraum angewendet werden müsse.
Israelischer Widerstand
Israel, das nicht an den Gesprächen beteiligt war, reagierte trotzig. Der rechtsextreme Minister Itamar Ben-Gvir erklärte: „Trumps Abkommen bindet uns nicht.“
Wir dürfen keinen einzigen Zentimeter von dem Gebiet zurückweichen, das unsere Soldaten erobert und von terroristischer Infrastruktur gesäubert haben.
Verteidigungsminister Israel Katz fügte hinzu, das Militär werde Sicherheitszonen im Libanon auf unbestimmte Zeit halten – eine Politik, die Premierminister Benjamin Netanjahu laut Katz an Trump übermittelt habe. Die Rhetorik hat die Hoffnungen zerschlagen, dass der am 2. März aus Solidarität mit dem Iran ausgebrochene Krieg zwischen Israel und der Hisbollah abklingen würde.
Die Lage vor Ort
Die Kämpfe ließen am 15. Juni nach, hörten aber nie ganz auf. Die libanesische Armee und Hisbollah-Kader forderten Hunderttausende Vertriebene auf, nicht zurückzukehren. Diejenigen, die sich dennoch in den Süden wagten, trafen in ihren Dörfern auf israelische Truppen und kehrten um. Israelische Drohnen kreisten über Beirut, Artillerie beschoss das Gebiet um Nabatiye, und bei einem Angriff auf ein Fahrzeug wurde eine Person getötet. In Khiam wurden Häuser gesprengt. „Der Krieg ist nicht vorbei“, so das Gefühl vieler Libanesen.
- Hisbollah eröffnet Front mit Israel aus Solidarität mit dem Iran (Quellen widersprechen sich, Ende Februar oder 2. März)
- USA und Iran kündigen über Nacht Waffenstillstandsabkommen an, inklusive Libanon-Klausel
- Libanesische Beamte begrüßen Abkommen, sagen aber, sie seien nicht über Bedingungen informiert worden
- Israelische Minister lehnen Rückzug ab, Verteidigungsminister sagt, Truppen bleiben
- Vorsichtige Rückkehr von Vertriebenen inmitten anhaltenden Artilleriebeschusses; eine Person getötet
- Unterzeichnungszeremonie in Genf geplant
Politische Folgen
Die Hisbollah dankte dem Iran für die Einbeziehung des Libanons und stellte das Abkommen als Sieg dar. Ihr inoffizieller Sprecher, Mufti Ahmad Kabalan, forderte eine neue Regierung. Die Anhänger der schiitischen Bewegung hätten „großes Leid im Stillen ertragen“, so die Gruppe. Doch der Ausschluss des Staates von den Verhandlungen unterstreicht die Zerbrechlichkeit jedes Waffenstillstands. Beirut führt seit April unter US-Vermittlung separate Gespräche mit Israel, die jedoch nie die Gewalt beendeten. Die Zahl der Todesopfer liegt nach offiziellen Angaben bei 3.798.
Wie geht es weiter?
Eine Unterzeichnungszeremonie ist für Freitag in Genf geplant, doch ohne die Zustimmung Israels ist die Umsetzung des Abkommens zweifelhaft. Analysten warnen, dass die Libanon-Front den regionalen Prozess zum Scheitern bringen könnte. Die größte Frage bleibt vorerst, was mit den israelischen Truppen geschieht, die weiterhin libanesisches Territorium besetzt halten, und ob die Waffen schweigen oder erneut sprechen werden.


