
Prozessauftakt in Wuppertal um eines der größten illegalen Waffenlager Deutschlands mit 300 Schusswaffen und 100.000 Schuss Munition
Drei Männer müssen sich vor Gericht verantworten, nachdem die Polizei in einem Remscheider Wohnhaus hinter Geheimtüren 300 Schusswaffen, Handgranaten und Panzerabwehrwaffen entdeckt hatte. Der Prozess begann am Montag mit einem Geständnis eines Angeklagten.
Die Entdeckung
Im Oktober 2025 wurden verdeckten Ermittlern illegale Waffen zum Kauf angeboten, was eine Untersuchung auslöste, die zu einem 60-jährigen Automechaniker und Büchsenmacher in Remscheid führte. Am 26. Oktober stoppten Spezialkräfte sein Auto auf der Autobahn A1 und nahmen ihn fest. In den folgenden Tagen durchsuchten 200 Beamte der örtlichen Polizei und des Landeskriminalamts Nordrhein-Westfalen sein zweistöckiges Gebäude im Stadtzentrum.
Hinter der Fassade eines privaten Museums mit legalen, stillgelegten Waffen aus dem Zweiten Weltkrieg und Militaria fanden die Ermittler versteckte Räume. Geheimtüren, verdeckte Verschlussmechanismen und falsche Wände verbargen scharfe Schusswaffen und Sprengstoff. Sogar ein hohler Türrahmen enthielt Munition.
Das Arsenal
Staatsanwalt Daniel Müller brauchte fast eine Stunde, um die Liste der beschlagnahmten Gegenstände zu verlesen. Insgesamt stellte die Polizei 300 scharfe Schusswaffen sicher: 125 Maschinengewehre, 67 Maschinenpistolen, 51 Pistolen, 32 Langwaffen (darunter Präzisionsgewehre), 11 Revolver und 13 Panzerabwehrwaffen. Außerdem fanden sie 38 Handgranaten und fast 100.000 Schuss Munition. Zu den Marken gehörten Walther, Mauser, Luger, Beretta, Browning, Sig Sauer, Ceska, Rheinmetall, Colt, Kalaschnikow, Heckler & Koch und Smith & Wesson. Einige Waffen waren unvollständig oder unbrauchbar.
- Maschinengewehre
- 125 Stück
- Maschinenpistolen
- 67 Stück
- Pistolen
- 51 Stück
- Langwaffen
- 32 Stück
- Revolver
- 11 Stück
- Panzerabwehrwaffen
- 13 Stück
- Handgranaten
- 38 Stück
Mit den sichergestellten Handgranaten und Sprengstoffen hätte man eine große Anzahl von Menschen töten und verletzen können. Das reicht von einem Amoklauf oder Terroranschlag bis hin zur Führung kriegerischer Auseinandersetzungen.
Der Prozess
Am Montag begann der Prozess gegen die drei Angeklagten vor dem Landgericht Wuppertal. Der 35-jährige türkische Staatsangehörige Yunus K. gestand durch seinen Anwalt. „Mein Mandant räumt die Vorwürfe ein. Die Anklage ist insoweit zutreffend“, sagte sein Verteidiger. Der 38-jährige Mitangeklagte Ilhan A. signalisierte Aussagebereitschaft. Die Anwälte des Hauptangeklagten Konstantin I. beantragten eine nichtöffentliche Rechtsaussprache, bevor sie entscheiden, ob er sich äußern wird.
Der Vorsitzende Richter Alexander Schräder deutete nach dieser Aussprache mögliche Strafen an: sieben bis acht Jahre für den Hauptangeklagten, wenn er ein umfassendes Geständnis ablegt, und zwei bis vier Jahre für die Mitangeklagten. Der Prozess ist auf zehn Verhandlungstage bis zum 23. September angesetzt.
So etwas habe ich noch nie gesehen.
Der angebliche Handel
Laut Anklage beschloss Konstantin I. zu einem unbekannten Zeitpunkt, Waffen aus seiner umfangreichen Sammlung zu verkaufen. Er wandte sich an Ilhan A., mit dem er offenbar ein enges Verhältnis hatte; die beiden umarmten sich am Montag im Gerichtssaal. Ilhan A., teilweise unterstützt von Yunus K., soll Käufer für sechs schussbereite Maschinenpistolen, einen Revolver und Munition gefunden haben. Zwei Maschinenpistolen gingen an einen Mann in Hamm, der nun separat ermittelt wird. Der Rest wurde an verdeckte Polizeibeamte verkauft, was letztlich die Quelle aufdeckte.
Ein Kiosk im Zentrum Remscheids diente als Treffpunkt für die Geschäfte. Dessen Inhaber wurde bereits wegen bewaffneten Kokainhandels zu sieben Jahren und neun Monaten verurteilt. Ein Zeuge in Polen bestätigte ebenfalls den umfangreichen Handel mit Kriegswaffen, so Staatsanwalt Wolf-Tilman Baumert.
Zeitstrahl der Ermittlungen
- Hauptverdächtiger auf der A1 festgenommen; mehrtägige Durchsuchung seines Anwesens beginnt.
- Versteckte Räume hinter Geheimtüren entdeckt; 300 Schusswaffen und Sprengstoff beschlagnahmt.
- Prozessauftakt am Landgericht Wuppertal; 35-jähriger Angeklagter gesteht.
- Geplanter Abschluss des Prozesses nach zehn Verhandlungstagen.
Der Hauptangeklagte gab gegenüber den Ermittlern an, dass die meisten Waffen Teil seiner Privatsammlung und nicht zum Verkauf bestimmt gewesen seien. Er räumte nur den Verkauf einiger weniger Einzelstücke ein. In seiner Werkstatt befanden sich Werkzeuge, mit denen alte, demilitarisierte Waffen hätten reaktiviert werden können. Die beschlagnahmten Gegenstände werden nun an einem geheimen Ort aufbewahrt; Sammler haben bereits Interesse bekundet.


