
VW-Aufsichtsrat erwägt Plan zur Schließung von vier deutschen Werken und Streichung von bis zu 100.000 Arbeitsplätzen angesichts landesweiter Proteste
Der Aufsichtsrat von Volkswagen trifft sich heute in Wolfsburg, um einen Restrukturierungsplan zu prüfen, der vier deutsche Werke schließen und bis zu 100.000 Arbeitsplätze streichen könnte, während die IG Metall an 18 Standorten im ganzen Land protestiert.
Der Restrukturierungsplan
Der Aufsichtsrat von Volkswagen kommt heute in Wolfsburg zusammen, um einen weitreichenden Restrukturierungsvorschlag zu prüfen, der vier deutsche Werke schließen und weltweit bis zu 100.000 Arbeitsplätze streichen könnte. Der Plan, der zuerst vom Manager Magazin berichtet und dem Team von CEO Oliver Blume zugeschrieben wird, zielt auf die Standorte Emden, Hannover, Zwickau und Audis Neckarsulm ab, die zusammen etwa 40.000 Menschen beschäftigen. Laut Spiegel sollen Zwickau und Emden innerhalb von fünf Jahren schließen, Hannover im Jahr 2032 und Neckarsulm im Jahr 2034. Die Stellenreduzierungen könnten bis 2030 50.000 erreichen, obwohl Reuters und andere Quellen die Gesamtzahl auf 100.000 beziffern. Das Unternehmen erwägt auch die Ausgliederung seiner Kernmarke VW und des Komponentengeschäfts, um die Struktur des Konzerns zu vereinfachen.
Proteste in ganz Deutschland
Die IG Metall, die mächtige Metallarbeitergewerkschaft, hat zu einem bundesweiten Aktionstag an allen 18 VW-Standorten aufgerufen, mit Demonstrationen zwischen 11:20 und 14:00 Uhr. Eine Kundgebung ist direkt vor dem Vorstandsgebäude in Wolfsburg geplant, wo der Aufsichtsrat heute Nachmittag tagt. Christiane Benner, die Vorsitzende der Gewerkschaft, sagte, die Proteste sendeten "ein klares Signal an den Vorstand." Sie warnte Blume, er könne "die Verantwortung für die Fehler der letzten Jahre nicht auf die Belegschaft abwälzen." Die Gewerkschaft betonte, dass keine Arbeitsniederlegungen geplant seien, und beschrieb die Veranstaltungen als Informations- und Protestversammlungen.
Das sendet ein klares Signal an den Vorstand.
Widerstand im Aufsichtsrat
Es ist unwahrscheinlich, dass der Aufsichtsrat den Plan ohne Widerstand genehmigt. Arbeitnehmervertreter, die die Hälfte der Sitze innehaben, haben bereits Ablehnung geäußert. Auch das Land Niedersachsen, das zwei Sitze hält, lehnt die Werksschließungen ab, wie deutsche Medien berichten. Die Kapitalseite ist derzeit um ein Mitglied kürzer, nachdem Susanne Wiegand im Juni unerwartet zurückgetreten ist, sodass neun statt zehn Vertreter übrig sind. Ein VW-Sprecher sagte, das Treffen werde sich mit "Komplexitätsreduzierung, Straffung der Beteiligung, Regionalisierung von Entwicklung und Produktion sowie dem Abbau von Überkapazitäten" befassen. Das Unternehmen plant, die Öffentlichkeit nach der Sitzung zeitnah über etwaige Entscheidungen zu informieren.
Branche unter Druck
Die Restrukturierung erfolgt zu einer Zeit, in der die deutsche Automobilbranche starkem Druck durch chinesische Konkurrenz, die kostspielige Umstellung auf Elektrofahrzeuge und US-Importzölle ausgesetzt ist. Der VDA, der Autolobbyverband, warnte kürzlich vor einem möglichen Beschäftigungszusammenbruch, falls nicht "mutige Entscheidungen" getroffen werden, einschließlich des Verkaufs unrentabler Werke an ausländische Hersteller. VW beschäftigt mehr als 650.000 Menschen in seinen Marken, und etwa 3 Millionen Arbeitsplätze in Deutschland hängen direkt oder indirekt von der Automobilindustrie ab. Bis Ende dieses Jahres wird VW seinen Personalbestand bereits um 19.000 reduziert haben, weitere 9.000 Abgänge sind im Rahmen bestehender Kostensenkungsmaßnahmen vereinbart.
- Aufsichtsrat prüft Restrukturierungsplan
- VW-Personalbestand um 19.000 reduziert
- Bis zu 50.000 Stellenstreichungen angestrebt
- Werke Zwickau und Emden schließen
- Werk Hannover schließt
- Werk Neckarsulm schließt
Was als Nächstes kommt
Wenn der Vorstand die Vorschläge annimmt, werden monatelange Verhandlungen mit den Gewerkschaften folgen. Der Ausgang wird als Gradmesser für die Zukunft der deutschen Fertigungsindustrie angesehen. Die Vorstandssitzung, die in deutschen Medien als "Woche der Wahrheit" bezeichnet wird, wird heute möglicherweise keine endgültige Entscheidung hervorbringen, aber sie markiert die erste formelle Prüfung eines Plans, der die radikalste Umstrukturierung in der Geschichte der deutschen Automobilindustrie wäre.

