
Deutschland kauft US-Marschflugkörper Tomahawk nach NATO-Gipfel – strategische Lücke in der europäischen Verteidigung wird geschlossen
Bundeskanzler Friedrich Merz gab den Kauf am 9. Juli bekannt, einen Tag nach dem NATO-Gipfel in Ankara, während Washington die Europäer drängt, für ihre eigene Sicherheit zu zahlen.
Der Deal am Rande des Gipfels
Deutschland hat einen Kaufvertrag für amerikanische Tomahawk-Marschflugkörper abgeschlossen, die auf eigenem Boden stationiert werden sollen, teilte Bundeskanzler Friedrich Merz am Donnerstag dem Bundestag mit. Die Einigung wurde während des NATO-Gipfels in Ankara Anfang dieser Woche erzielt und überraschte viele, nachdem die deutsche Delegation erklärt hatte, es seien keine konkreten Ergebnisse zu erwarten. Eine von den beiden Verteidigungsministern unterzeichnete Absichtserklärung verpflichtet die USA, die Übernahme im August zu genehmigen, obwohl die Anzahl der Raketen und Typhoon-Bodenstarter geheim bleibt.
Wir schließen eine kritische strategische Lücke in unserer Verteidigung, während wir gleichzeitig daran arbeiten, eigene europäische Systeme zu entwickeln und in Europa zu stationieren.
Eine Fähigkeit, die Europa fehlt
Die Tomahawk ist ein subsonischer Marschflugkörper großer Reichweite mit einer Reichweite von bis zu 1.600 Kilometern und hoher Präzision, so der Hersteller Raytheon. Sie kann konventionelle oder nukleare Sprengköpfe tragen, obwohl die derzeit verwendeten Versionen konventionell sind. Die europäischen NATO-Mitglieder verfügen derzeit über keine vergleichbare Waffe, und die deutsche Taurus-Rakete hat eine Reichweite von nur etwa 500 Kilometern. Experten zufolge wird eine europäische Alternative nicht vor Mitte der 2030er Jahre fertig sein, was die Tomahawk zu einer Zwischenabschreckung gegen Russland macht.
Die Lieferung von Tomahawk-Systemen erhöht das Abschreckungspotenzial Deutschlands und damit der NATO gegenüber Russland enorm. Eine bislang bestehende Fähigkeitslücke wird geschlossen.
Trumps Vorstoß und Bidens verworfenes Vorhaben
Der Kauf ersetzt einen Plan von 2024 des damaligen Präsidenten Joe Biden und des früheren Bundeskanzlers Olaf Scholz, ab 2026 ein US-Bataillon mit Tomahawks in Deutschland zu stationieren. Präsident Donald Trump setzte diesen Plan im Mai aus und kündigte den Abzug von 5.000 US-Soldaten aus dem Land an. Die neue Regelung entspricht Trumps Forderung, dass die Europäer für ihre eigene Verteidigung zahlen: Anstatt dass die USA die Kosten der Stationierung tragen, kauft Deutschland die Raketen zu einem gemeldeten Preis von bis zu 2,1 Millionen Euro pro Stück.
Die Vereinigten Staaten verfügen über wesentliche Fähigkeiten, auf die wir in Europa nicht verzichten können. Die weitere Beschaffung aus den USA ist der einzige Weg, um die Fähigkeiten zu entwickeln, die wir der NATO versprochen haben.
Ein Signal an Moskau und eine transatlantische Annäherung
Der Deal wird auch als Versöhnung nach monatelangen Spannungen über die Verteidigungsausgaben gesehen. Deutschland hat sein Militärbudget in den letzten Jahren mehr als verdoppelt und strebt nun an, das neue NATO-Ziel von 3,5 Prozent des BIP vor 2030 zu erreichen, früher als die Frist 2035. Verteidigungsminister Boris Pistorius nannte die Vereinbarung „ein starkes Zeichen transatlantischer Freundschaft“. Analysten merken an, dass die Raketen eine klare Botschaft an Moskau senden, dessen Iskander-Raketen nur wenige Minuten von Berlin und Warschau entfernt stationiert sind.
- Biden und Scholz vereinbaren, ab 2026 ein US-Bataillon mit Tomahawk-Raketen in Deutschland zu stationieren.
- Trump setzt den Stationierungsplan aus und kündigt den Abzug von 5.000 US-Soldaten aus Deutschland an.
- NATO-Gipfel beginnt in Ankara; deutsche Delegation sagt, es seien keine konkreten Ergebnisse von den US-Gesprächen zu erwarten.
- Verteidigungsminister Pistorius und sein US-Amtskollege unterzeichnen am Rande des Gipfels eine Absichtserklärung für den Tomahawk-Verkauf.
- Bundeskanzler Merz gibt den Kauf in einer Regierungserklärung vor dem Bundestag bekannt.
- Erwartete US-Genehmigung für die Übernahme von Tomahawk-Raketen und Typhoon-Bodenstartern.
Europäische Projekte werden fortgesetzt
Merz betonte, dass Berlin gemeinsame europäische Waffenprogramme vorantreiben werde, darunter ein Dutzend Verbündete, die gemeinsam in Langstreckenangriffsfähigkeiten investieren. Großbritannien hatte am Mittwoch angekündigt, dass eine Gruppe europäischer NATO-Mitglieder, darunter Deutschland, solche Systeme gemeinsam entwickeln werde. Vorerst schließt die Tomahawk jedoch eine Lücke, die die improvisierten Tiefschlagdrohnen der Ukraine als entscheidend in der modernen Kriegsführung gezeigt haben.

