Kurz gefasst
Die Volkswagen-Führung und die IG Metall treffen sich am 23. Oktober 2026 in Hannover, um zu prüfen, welche Teile der Vereinbarung vom Dezember 2024 noch Bestand haben.
Volkswagen hat Ende September zehn Tarifverträge mit Wirkung zum 31. Dezember 2026 gekündigt; die Beschäftigungsgarantie bis 2030 gehört nicht dazu.
Der Zukunftsplan 2030 sieht weltweit 50.000 Stellenstreichungen vor, die Hälfte davon möglicherweise in Deutschland, sowie eine operative Marge von neun Euro je 100 Euro Umsatz bis 2030.
Betriebsratsvorsitzende Daniela Cavallo beschrieb große Unruhe, und IG-Metall-Bezirksleiter Thorsten Gröger sagte, die Gewerkschaft sei nach der ersten Sitzung enttäuscht und wütend.
Die Zukunft der Werke Emden, Hannover und Zwickau sowie des Audi-Standorts Neckarsulm über 2031 bis 2034 hinaus bleibt nach Darstellung der Gewerkschaft offen.
- 30.09.Erstes Überprüfungstreffen, bei dem VW Zweifel an der Umsetzung der Investitionszusagen von 2024 äußert
- 23.10.Zweites Überprüfungstreffen in Hannover angesetzt
- 31.12.Zehn gekündigte Tarifverträge treten ganz oder teilweise in Kraft
Zweite Überprüfungsrunde in Hannover
Die Volkswagen-Führung und die IG Metall wollen sich am Freitag, 23. Oktober 2026, in Hannover zu einer zweiten Überprüfungsrunde des Zukunftstarifvertrags von 2024 treffen. Es handelt sich nicht um eine Tarifrunde: Beide Seiten können die Klausel anrufen, wenn sie die zentralen Grundlagen der Vereinbarung für verändert halten, was die jeweils andere Seite zu Gesprächen verpflichtet. Die Gewerkschaft hatte sie Mitte September angerufen und Klarheit über die neuen Kostensparbeschlüsse des Aufsichtsrats verlangt. Die Unternehmensführung hatte von sich aus eine Sitzung beantragt und argumentiert, die 2024 vereinbarten Einsparungen reichten nicht mehr aus. Das Treffen soll klären, welche Zusagen aus der Vereinbarung vom Dezember 2024 noch gelten.
Die erste Runde und zehn gekündigte Tarifverträge
Die erste Sitzung am 30. September 2026 wurde von der Kündigung von zehn Tarifverträgen durch Volkswagen überschattet. Die Kündigungen betreffen die Entgelt- und Rahmenverträge sowie Regelungen zu Eingruppierung, Zulagen und Qualifizierung und gelten zum 31. Dezember 2026. Die Beschäftigungsgarantie bis Ende 2030 gehört nicht zu den gekündigten Verträgen. Nach Angaben der Gewerkschaft hat das Unternehmen seither keine konkrete Forderungsliste vorgelegt und offene Fragen nicht ausreichend beantwortet. Bei diesem Treffen soll VW erhebliche Zweifel daran geäußert haben, die 2024 zugesagten Investitionen in neue Modelle und Werke zu liefern. Thorsten Gröger, IG-Metall-Bezirksleiter für Niedersachsen, sagte anschließend, die Gewerkschaft sei enttäuscht und wütend und erwarte nun Antworten auf eine Fragenliste.
Sparplan und die Argumente der Unternehmensführung
Der Aufsichtsrat hatte Anfang September einen Zukunftsplan 2030 beschlossen, um den Konzern deutlich profitabler zu machen, und der Unternehmensführung damit den Auftrag erteilt, zu restrukturieren und Milliarden einzusparen. Ziel ist, dass bis 2030 von jedem 100 Euro Umsatz neun Euro operativer Gewinn übrig bleiben, zuletzt waren es 3,80 Euro. Die Unternehmensführung plant weltweit 50.000 Stellenstreichungen zusätzlich zu früheren Programmen, die Hälfte davon könnte in Deutschland anfallen. Die Zukunft der Werke Emden, Hannover und Zwickau sowie des Audi-Standorts Neckarsulm über 2031 bis 2034 hinaus bleibt offen. VW verweist auf unzureichend ausgelastete Werke, schwache Autoabsätze, relativ hohe Produktionskosten in Deutschland, US-Zölle und wachsende Konkurrenz aus China.
Arne Meiswinkel, Personalvorstand der Kernmarke VW, wies die Vorwürfe der Gewerkschaft damals zurück.
„Volkswagen hält sich an seine Vereinbarungen.“
Nach Angaben des Unternehmens geht es darum, die bisher vereinbarten Maßnahmen konsequent umzusetzen und alle verbleibenden Möglichkeiten für einen sozialverträglichen Stellenabbau zu nutzen.
- Zuletzt berichtet
- 3.8 Euro je 100 Euro Umsatz
- Ziel 2030
- 9 Euro je 100 Euro Umsatz
Daten aus dem Artikeltext
Forderungen der Gewerkschaft und Unruhe in der Belegschaft
Die IG Metall will die Gespräche in den betroffenen Werken führen und nicht in der Vorstandsetage des Markenhauses in Wolfsburg, wo die Führung um Oliver Blume sitzt. Thorsten Gröger formulierte es deutlich:
„Wer mit der Existenz von Zehntausenden Beschäftigten spielt, muss sich auch der Reaktion dieser Belegschaften stellen.“
Daniela Cavallo, Vorsitzende des Konzernbetriebsrats, beschrieb große Unruhe in den Werken; die Beschäftigten empfänden die Kündigungen nach ihren Zugeständnissen von 2024 als Affront und als Herausforderung. Im Rahmen der Vereinbarung von 2024 hatten die Beschäftigten Kürzungen bei Sonderzahlungen und Zulagen, ausgesetzte Entgeltsteigerungen und den vereinbarten Abbau von mehr als 35.000 Stellen in Deutschland bis 2030 akzeptiert – im Gegenzug für betriebsbedingte Kündigungen bis Ende 2030. Vor der Sitzung erklärte die IG Metall:
„Der Vorstand steuert Volkswagen mit offenen Augen in eine harte Konfrontation.“
Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) argumentierte in einem Newsletter, Entgelt, Urlaubstage und andere Errungenschaften seien nicht die Ursache der Krise.
Wie es weitergeht
Die Sitzung am 23. Oktober ist eine Überprüfung und keine Tarifverhandlung. Formale Tarifgespräche dürften in wenigen Wochen beginnen, wenn der Streit konkret wird. Auf dem Tisch liegt zudem ein Plan, nach dem VW-Beschäftigte weltweit mehrere Jahre auf Entgeltsteigerungen verzichten sollen. Die IG Metall erwartet Antworten auf ihre Fragenliste und will die Gewerkschaftsmitglieder über ein etwaiges Ergebnis entscheiden lassen.