
Volkswagen erwägt Verdopplung des Stellenabbaus auf 100.000 und Schließung von vier deutschen Werken
Europas größter Autobauer erwägt, seinen Personalabbau auf 100.000 Stellen fast zu verdoppeln und vier Fabriken in Deutschland zu schließen, da er mit hohen Kosten, US-Zöllen und chinesischer Konkurrenz bei Elektroautos zu kämpfen hat.
Der Plan: Verdopplung des Stellenabbaus und Werksschließungen
Der Vorstand von Volkswagen hat laut einem Bericht des deutschen Wirtschaftsmagazins Manager Magazin vom Freitag einen Vorschlag diskutiert, den geplanten Stellenabbau auf weltweit 100.000 zu verdoppeln. Der bestehende, mit den Gewerkschaften Ende 2024 vereinbarte Abbaupian sieht bereits 50.000 Stellenstreichungen bis 2030 bei den Marken VW, Audi, Porsche und Cariad vor. Im neuen Szenario sollen weitere 50.000 Stellen wegfallen.
Vier deutsche Standorte sind mittelfristig von einer Schließung bedroht: die VW-Werke in Hannover, Zwickau und Emden sowie das Audi-Werk in Neckarsulm. Zusammen beschäftigen diese Werke mehr als 45.000 Menschen, was den Druck auf die Belegschaft erhöht. Ein VW-Sprecher wollte vertrauliche Angelegenheiten nicht kommentieren, betonte aber, der Konzern müsse seine Wettbewerbsfähigkeit verbessern.
Der Vorstand hat wiederholt betont, dass unser aktuelles Geschäftsmodell in seiner jetzigen Form nicht mehr für alle unsere Marken funktioniert. Der gesamte Konzern muss seine Wettbewerbsfähigkeit deutlich verbessern. Dies erfordert eine stärkere Fokussierung und eine noch strengere Kosten- und Investitionsdisziplin.
Warum Volkswagen handelt
Der Autobauer kämpft mit hohen Produktionskosten, neuen US-Zöllen und einem harten Wettbewerb durch chinesische Elektroautohersteller, die seinen Marktanteil geschmälert haben. Der Konzern will seine Gesamtkosten bis 2030 um 11 Milliarden Euro senken und die Investitionsausgaben in den nächsten fünf Jahren um 15 % auf knapp über 130 Milliarden Euro reduzieren, so das Manager Magazin.
Ein Sprecher bekräftigte, dass das Unternehmen seine finanzielle Position stärken müsse. Der mögliche Stellenabbau wäre der größte in der westlichen Autoindustrie seit General Motors in den 1990er Jahren 74.000 Stellen strich und IBM 1993 60.000 Stellen abbaute, wie il Giornale anmerkt.
Gewerkschaftlicher und politischer Widerstand
Die IG Metall und der Volkswagen-Betriebsrat haben angekündigt, sich gegen die Schließungen zu wehren. Christiane Benner, Vorsitzende der IG Metall, und Betriebsratschefin Daniela Cavallo erklärten in einer gemeinsamen Stellungnahme, sie würden die Pläne „mit aller Macht“ blockieren. Sie argumentierten, der Vorstand solle sich auf die Lieferung wettbewerbsfähiger Produkte konzentrieren.
Sollten diese Pläne Wirklichkeit werden, würden wir sie mit aller Macht stoppen. Der Vorstand sollte seinen Job machen und sich auf seine Kernaufgabe konzentrieren: wettbewerbsfähige Produkte.
Die aktuellen Tarifverträge schließen betriebsbedingte Kündigungen bei VW bis 2030 und bei Audi bis 2033 aus, was den Handlungsspielraum des Unternehmens einschränkt. Der Aufsichtsrat, in dem die Arbeitnehmervertreter die Hälfte der Sitze innehaben, soll voraussichtlich am 9. Juli über den Vorschlag abstimmen.
Ein Blick auf die bedrohten Werke
- Emden
- 7700
- Hannover
- 14000
- Neckarsulm
- 15509
- Zwickau
- 8000
Das VW-Werk in Emden, das Ende 2024 komplett auf die Produktion von Elektrofahrzeugen umgestellt wurde, beschäftigt mehr als 7.700 Mitarbeiter und produzierte 2025 rund 147.000 Fahrzeuge. In Hannover, wo die ikonische Baureihe des 'Bulli' gebaut wird, sind rund 14.000 Mitarbeiter beschäftigt. Zwickau, nach einer 1,2 Milliarden Euro teuren Umstellung das erste reine Elektroauto-Werk des Konzerns, beschäftigt 8.000 Mitarbeiter und fertigt Modelle für mehrere Marken. Der Audi-Standort Neckarsulm mit 15.509 Mitarbeitern baut Verbrenner-, Hybrid- und Elektrofahrzeuge, darunter den e-tron GT.
Zeitplan und nächste Schritte
- VW vereinbart mit Gewerkschaften den Abbau von 50.000 Stellen bis 2030
- Vorstand diskutiert neuen Plan für bis zu 100.000 Stellenstreichungen und vier Werksschließungen
- Nachrichtenberichte über die möglichen Schließungen und Stellenstreichungen
- Aufsichtsrat soll voraussichtlich über den Vorschlag abstimmen
- Bestehende Beschäftigungssicherung für VW läuft aus (betriebsbedingte Kündigungen bis 2030 ausgeschlossen)
Die neuen Sparpläne wurden am Mittwoch, dem 24. Juni, im Vorstand diskutiert, wie die italienische Nachrichtenagentur ANSA berichtet. Nach der Sitzung des Aufsichtsrats am 9. Juli könnte die endgültige Form der Umstrukturierung klarer werden. Die Beschäftigungsgarantien bedeuten jedoch, dass Zwangsentlassungen frühestens 2030 für die deutschen VW-Werke und 2033 für Audi beginnen würden.


