Volkswagen-Gewinn bricht um 30,7 % ein – China-Verkäufe kollabieren, Restrukturierungskosten belasten
Der deutsche Autobauer wies für das erste Halbjahr 2026 einen Nettogewinn von 3,1 Mrd. € aus, nach 4,5 Mrd. € im Vorjahr, während die spanische Tochter Seat ihren Betriebsgewinn auf 122 Mio. € verdreifachte.
Gewinneinbruch durch China-Schwäche und ID.4-Stopp
Der Nettogewinn des Volkswagen-Konzerns fiel im ersten Halbjahr 2026 um 30,7 % auf 3.103 Mio. €, nach 4.476 Mio. € im Vorjahr. Der Umsatz blieb mit 158.102 Mio. € nahezu stabil (−0,2 %). Der Betriebsgewinn sank um 11,6 % auf 5.931 Mio. €, wodurch die operative Marge von 4,2 % auf 3,8 % fiel. Allein im zweiten Quartal brach der Nettogewinn um 32,9 % auf 1.538 Mio. € ein, während der Umsatz um 2 % auf 82.444 Mio. € leicht zulegte. Das Unternehmen führt rund 500 Mio. € des Rückgangs auf die Unterbrechung der ID.4-Produktion und einen ungünstigeren Verkaufsmix zurück.
- Nettogewinn H1 2025
- 4476 Mio. €
- Nettogewinn H1 2026
- 3103 Mio. €
- Betriebsgewinn H1 2025
- 6710 Mio. €
- Betriebsgewinn H1 2026
- 5931 Mio. €
China-Absatzeinbruch überlagert Zugewinne anderswo
Die Fahrzeugverkäufe des Konzerns gingen um 8,4 % auf knapp vier Millionen Einheiten zurück, belastet durch einen Einbruch von 31,6 % in China (laut einem Bericht; eine andere Quelle beziffert den Rückgang auf 26 %). Der zunehmende lokale Wettbewerb traf den asiatischen Riesen hart. Dagegen legten Südamerika um 5,2 %, Mittel- und Osteuropa um 9,6 %, Westeuropa um 1,3 % und Nordamerika um 0,9 % zu. Der Umsatz in Nordamerika fiel dennoch um 2,5 %, was teilweise auf die von der Trump-Administration verhängten Zölle zurückzuführen ist, und der Umsatz im asiatisch-pazifischen Raum sank um 23 %.
Restrukturierung vertieft sich – bis zu 100.000 Stellenstreichungen
Volkswagen treibt einen umfassenden Umbau voran. Ein 2025 vorgelegter Plan zielte bereits auf 50.000 Stellenreduzierungen ab, hauptsächlich bei der Marke VW (35.000) und der Rest bei Audi und Porsche. Letzte Woche teilte CEO Oliver Blume einer internen Publikation mit, dass das Unternehmen tiefere Einschnitte erwägt, die weltweit bis zu 100.000 Stellen erreichen könnten. Der Konzern beabsichtigt zudem, seine Modellpalette zu halbieren und die Teilevielfalt um 75 % zu reduzieren, während die jährliche Produktionskapazität von 12 Millionen auf 9 Millionen Fahrzeuge gesenkt wird.
Das Umfeld bleibt für die Automobilindustrie äußerst herausfordernd, mit geopolitischen Krisen, Handelskriegen, hohen Regulierungsanforderungen und zunehmendem Wettbewerb.
Seat trotzt dem Trend mit Gewinnverdreifachung
Während der Mutterkonzern kämpfte, verbuchte die spanische Tochter Seat eine deutliche Verbesserung. Ihr Betriebsgewinn schnellte um 222 % auf 122 Mio. € nach oben, nach 38 Mio. € im Vorjahr, bei einem Umsatz von 7.700 Mio. € (+1,3 %). Die Trendwende wurde durch eine neue Unternehmensstrategie, ein Kostendisziplinprogramm und den Wegfall der zusätzlichen EU-Zölle auf den Cupra Tavascan erzielt. Die operative Marge von Seat erreichte 1,6 %, ein Plus von 1,1 Prozentpunkten. Die Cupra-Auslieferungen erreichten mit 170.100 Einheiten einen Rekord für das erste Halbjahr (+1,5 %), und der kürzlich eingeführte Cupra Raval, der in Martorell zusammen mit dem Volkswagen ID.Polo gebaut wird, generierte 70.000 Bestellungen – eine Verdoppelung der ursprünglichen Prognosen. Insgesamt stiegen die Seat-Auslieferungen um 2 % auf 329.000 Einheiten.
Seat & Cupra setzt seinen guten Kurs fort und zeigt seine Widerstandsfähigkeit in einem anspruchsvollen Umfeld. Die von uns ergriffenen Maßnahmen zeigen greifbare Ergebnisse.
Ausblick für das Gesamtjahr trübt sich ein
Volkswagen senkte seine Prognose für 2026 und erwartet nun für das Gesamtjahr stabile bis um 3 % rückläufige Fahrzeugverkäufe. Die operative Marge des Konzerns wird bei 3,8 % prognostiziert, nach zuvor 4,2 %. Trotz eines sprunghaften Anstiegs der Bestellungen für Elektrofahrzeuge um 50 % rechnet das Unternehmen für den Rest des Jahres nicht mit einem Gewinnwachstum.
- Umstrukturierungsplan angekündigt, Ziel: 50.000 Stellenstreichungen
- Produktion des ID.4 eingestellt, Kosten von rund 500 Mio. €
- Cupra Raval Elektroauto in Martorell auf den Markt gebracht
- CEO Oliver Blume deutet mögliche bis zu 100.000 Stellenstreichungen an
- H1 2026 Ergebnisse veröffentlicht: Gewinn um 30,7 % gesunken


