VW-Beschäftigte protestieren gegen Sparpläne im Werk Baunatal – Gewerkschaft warnt vor ‚Kahlschlag‘ in Deutschland
Tausende VW-Mitarbeiter versammelten sich am Donnerstag im Werk Kassel-Baunatal und forderten eine kohärente Zukunftsperspektive statt neuer Sparmaßnahmen, die weltweit bis zu 100.000 Stellenstreichungen und die Schließung von vier deutschen Fabriken vorsehen könnten.
Protest am größten VW-Komponentenwerk Deutschlands
Rund 200 Betriebsräte, Vertreter der IG Metall und Beschäftigte versammelten sich am Donnerstag vor dem VW-Werk in Kassel-Baunatal, nachdem Berichte über verschärfte Sparpläne des VW-Vorstands bekannt geworden waren. Die IG Metall hatte zu einem bundesweiten Aktionstag an allen VW-Standorten aufgerufen und bezeichnete die Veranstaltungen als Informations- und Protestkundgebungen, nicht als Arbeitskampf.
Die Stimmung im Werk ist sehr angespannt. Viele sind besorgt und jetzt wütend auf dieses Management, auf diesen Vorstand, weil es keine ordentliche Information gibt.
Der Standort Baunatal mit rund 15.000 Beschäftigten ist das größte Komponentenwerk des Volkswagen-Konzerns weltweit und produziert wesentliche Teile des elektrischen Antriebsstrangs.
Gewerkschaft fordert Zukunftskonzept statt Spardiktat
Betriebsratschef Carsten Büchling sagte vor der Menge, die Kommunikation des Vorstands sei eine Katastrophe gewesen und Standorte würden erneut gegeneinander ausgespielt. Er rief zu Solidarität und einem gemeinsamen Kampf für die Zukunft auf.
Wir erwarten vom Konzernvorstand ein schlüssiges Zukunftskonzept statt eines Sparprogramms. Und wir erwarten auch, dass dieses Zukunftskonzept zuallererst uns als Betroffenen und den Belegschaften erklärt wird und nicht wieder alles nur durch die Medien durchgestochen und dann weder dementiert noch bestätigt wird.
Der zweite Bevollmächtigte der IG Metall Nordhessen, Dennis Schindehütte, forderte ein Ende dessen, was er als Kahlschlag in Deutschland bezeichnete, und plädierte für langfristiges Denken statt kurzfristiger Gewinne.
Wir fordern Respekt für unsere Arbeit. Wir fordern Respekt für die Beschäftigten. Wir fordern Respekt für die Familien, deren Zukunft von diesen Arbeitsplätzen hier abhängt.
Stellenabbau und Werksschließungen auf dem Tisch
Aktuelle Medienberichte, auf die sich die Gewerkschaft bezieht, deuten darauf hin, dass VW seinen Sparkurs deutlich verschärfen will. Laut Manager Magazin könnten weltweit bis zu 100.000 Arbeitsplätze gestrichen werden – doppelt so viele wie ursprünglich geplant. Vier deutsche Werke sind Berichten zufolge von Schließung bedroht: Hannover, Emden, Zwickau und Neckarsulm.
Ausgliederungsängste verstärken Unsicherheit
Büchling verwies zudem auf Berichte, wonach der VW-Vorstand plane, die konzerneigene Komponententochter in ein eigenständiges Unternehmen auszugliedern – ein Schritt, der das Werk Baunatal direkt betreffen würde. Er warnte, dass ein solcher Schritt die Durchsetzungsfähigkeit der Belegschaft schwächen und zu einem drastischen Stellenabbau am Standort führen könnte.


