
Deutschland verzögert ‚humanitäre Geste‘ für polnische NS-Opfer – 1.000 sterben monatlich
Berlin hat noch keinen konkreten polnischen Vorschlag für eine jährliche Entschädigung von rund 50.000 überlebenden NS-Opfern genehmigt, trotz einer Zusage von Kanzler Friedrich Merz im Dezember, seiner historischen Verantwortung nachzukommen. Kritiker nennen die Untätigkeit eine ‚Schande‘, während etwa 1.000 ältere Opfer pro Monat sterben, während der Plan in interministeriellen Gesprächen feststeckt.
Merz‘ Dezember-Versprechen und das Warten
Im Dezember 2025 versicherte Bundeskanzler Friedrich Merz, seine Regierung sei sich ‚ihrer historischen Verantwortung‘ gegenüber Polen bewusst. Für die rund 50.000 polnischen Staatsbürger, die die NS-Besatzung und Konzentrationslager überlebt haben, weckte die Erklärung die Hoffnung, dass eine lange diskutierte ‚humanitäre Geste‘ in Form von finanziellen Entschädigungen endlich Wirklichkeit werden würde. Sechs Monate später warten die Opfer immer noch.
Unsere historische Verantwortung bewusst.
Laut Süddeutscher Zeitung hat die polnische Seite einen ‚sehr konkreten Plan‘ nach Berlin übermittelt, der jedoch in mehreren deutschen Ministerien ‚endlos diskutiert‘ werde. Die Verzögerung wird zunehmend unhaltbar: Etwa 1.000 der alternden Überlebenden sterben jeden Monat, was das Warten zu einer moralischen und politischen Belastung macht.
Polens konkreter Vorschlag
Polnische Vertreter haben signalisiert, dass sie eine jährliche Zahlung von 10.000 Złoty pro Opfer akzeptieren würden, die über die Stiftung für deutsch-polnische Aussöhnung verteilt werden soll. Die Gesamtkosten liegen nach ‚sehr vorsichtigen Schätzungen‘ bei etwa 300 Millionen Euro. Der Plan sieht einen degressiven Zeitplan vor: Die erste Tranche im Jahr 2027 würde 100 Millionen Euro betragen, wobei der Betrag in den Folgejahren mit sinkender Zahl der Anspruchsberechtigten abnimmt.
- Kanzler Olaf Scholz bietet 200 Millionen Euro an; Ministerpräsident Tusk lehnt als zu gering ab.
- Friedrich Merz versichert, seine Regierung sei sich ihrer historischen Verantwortung gegenüber polnischen Opfern bewusst.
- Spitzenminister treffen sich: Reparationen als abgeschlossen bestätigt, nur eine humanitäre Geste möglich.
- Süddeutsche Zeitung berichtet, der Plan bleibe festgefahren; Kritiker nennen die Verzögerung eine 'Schande', da 1.000 Opfer monatlich sterben.
- Geplante erste Tranche von 100 Millionen Euro nach polnischem Vorschlag, falls genehmigt.
Der Plan vermeidet eine sofortige Einmalzahlung, was dem angespannten deutschen Haushalt entgegenkommt. Dennoch haben die internen deutschen Diskussionen noch keine Entscheidung gebracht, da rechtliche Bedenken, die Furcht vor Forderungen anderer Länder und die schwierige Haushaltslage den Fortschritt weiterhin blockieren.
Ministertreffen und die ‚geschlossene‘ Reparationsfrage
Vor etwa zwei Monaten trafen sich Außenminister Johann Wadephul, Kanzleramtschef Thorsten Frei, Innenminister Alexander Dobrindt und Finanzminister Lars Klingbeil zu einem Gespräch über das Dossier. In diesem Treffen bekräftigte die deutsche Seite, dass die Frage der Kriegsreparationen völkerrechtlich ‚abgeschlossen‘ sei und nur eine freiwillige humanitäre Geste möglich bleibe. Weitere konkrete Schritte folgten nicht.
Je länger Deutschland polnische NS-Opfer hinzögert, desto größer die Schande.
Politisches Minenfeld in Warschau
Die Regierung von Ministerpräsident Donald Tusk ist sich bewusst, dass jede Zahlung im Inland nicht als Almosen wahrgenommen werden darf – eine Wahrnehmung, die ‚Wasser auf die Mühlen rechter Populisten und Nationalisten‘ wäre, wie die Süddeutsche Zeitung anmerkt. Der Schatten der früheren Forderung der Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS) von 1,3 Billionen Euro an Reparationen lastet schwer auf dem Thema, was jede Summe im Vergleich dürftig erscheinen lässt. Diese politische Rechnung veranlasste Tusk, ein früheres Angebot von 200 Millionen Euro des damaligen Kanzlers Olaf Scholz im Jahr 2024 abzulehnen.
- PiS-Reparationsforderung
- 1300 Mrd. €
- Scholz-Angebot 2024
- 0.2 Mrd. €
- Vorgeschlagene Geste Kosten
- 0.3 Mrd. €
Vorwurf der Zeitverschwendung
Der Kommentator Daniel Broessler von der Süddeutschen Zeitung argumentiert, es gebe ‚keine Entschuldigung für die Verzögerung‘, und merkt an, dass selbst in einem angespannten Haushaltsumfeld die Summen bewältigbar seien, wenn die Koalitionspartner guten Willen zeigten. Er warnt, dass der langwierige Prozess die Bundesregierung dem Verdacht aussetze, dass ‚je länger Deutschland zögert, desto mehr Geld es spart‘, angesichts der monatlichen Todesrate.
Es gibt keine Entschuldigung für die Verzögerung.
Außenminister Wadephul hat sich für das Projekt ausgesprochen, doch Broessler betont, dass nun eine schnelle Umsetzung nötig sei, um Reputationsschäden zu vermeiden und den verbleibenden Überlebenden eine Form der Anerkennung zu gewähren, solange es noch zählt.

