
Münchner Staatsanwaltschaft identifiziert verstorbenen Neonazi-Verdächtigen bei tödlichem Brandanschlag auf jüdisches Altenheim 1970
Die Behörden in München haben den Brand von 1970 aufgeklärt, bei dem sieben Holocaust-Überlebende ums Leben kamen, nachdem neue Zeugenaussagen einen 2020 verstorbenen Neonazi belasteten.
Verdächtiger nach 56 Jahren identifiziert
Am 20. August 2026 gaben die Münchner Staatsanwaltschaft und die Münchner Polizei bekannt, dass sie den Verdächtigen des Brandanschlags vom 13. Februar 1970 auf ein jüdisches Gemeindezentrum und Altenheim identifiziert hätten. Der vom Spiegel als Bernd V. identifizierte Verdächtige war zum Zeitpunkt des Brandes 25 Jahre alt und starb 2020. Die ursprünglichen Ermittlungen zu den Tötungen waren 2017 mangels eindeutiger Beweise eingestellt worden. Die Behörden nahmen den Fall im April 2025 wieder auf, nachdem eine Zeugin nach dem Tod eines nahen Verwandten, der in den 1970er Jahren engen Kontakt zum Verdächtigen gehabt hatte, ausgesagt hatte.
- Brandanschlag auf das jüdische Gemeindezentrum und Altenheim in München tötet sieben Holocaust-Überlebende
- Deutsche Ermittler schließen die ursprünglichen Ermittlungen ohne Identifizierung eines Täters
- Verdächtiger Bernd V. stirbt, bevor Ermittler neue Zeugenaussagen erhalten
- Münchner Staatsanwaltschaft nimmt Ermittlungen nach neuen Zeugenaussagen wieder auf
- Staatsanwaltschaft gibt Identifizierung des Verdächtigen bekannt und schließt die Akte formell
Der Brandanschlag in der Reichenbachstraße
Der Brand brach gegen 20:40 Uhr am 13. Februar 1970 im Gebäude der Israelitischen Kultusgemeinde in der Reichenbachstraße in München aus. Die Ermittler stellten fest, dass der Täter an mehreren Stellen des hölzernen Treppenhauses, das den einzigen Zugang zu den oberen Wohngeschossen darstellte, ein Benzingemisch ausgegossen hatte. Die Konstruktion erzeugte einen Kamineffekt, der Rauch und Flammen schnell durch alle vier Stockwerke bis zum Dach trieb. Sieben Bewohner, allesamt Holocaust-Überlebende im Alter von 59 bis 71 Jahren, starben bei dem Anschlag: Max Blum sprang aus einem Fenster, Leopold Gimpel wurde tot in der Nähe von Flurtoiletten aufgefunden, Siegfried Offenbacher bemerkte das Feuer aufgrund einer Hörbeeinträchtigung nicht rechtzeitig, und Georg Pfau, Rosa Drucker, David Jakubowicz und Regina Becher starben im Treppenhaus auf der Flucht. Weitere 15 Personen erlitten Verletzungen, vier davon schwer, während andere auf das Dach flüchteten oder über Leitern gerettet wurden.
Radikalisierung und Zeugenaussagen
Zeugenbefragungen und historische Aufzeichnungen, die vom Münchner Staatsschutz ausgewertet wurden, ergaben, dass der Verdächtige extreme antisemitische Ansichten und eine Besessenheit von Adolf Hitler hatte. Er wurde hauptsächlich von einem Onkel aufgezogen, der in der SS-Leibstandarte Adolf Hitler gedient hatte, und erhielt zu seinem zwölften Geburtstag eine Pistole und einen Hitler-Jugend-Dolch. Ein ehemaliger Schulleiter berichtete, dass er später den Dolch bei einer Auseinandersetzung im Internat gezogen habe, und beschrieb ihn als berechnend und aufmerksamkeitssuchend. In seiner Jugend hörte er Hitlerreden auf Schallplatten, übte Schießen am Obersalzberg und erhielt eine Jugendstrafe wegen der Zündung von Sprengstoff in zwei Telefonzellen. Der Spiegel berichtete, dass der Verdächtige und ein Angehöriger der Zeugin an einem gescheiterten Einbruch in ein Juweliergeschäft am nahegelegenen Gärtnerplatz teilgenommen hatten. Etwa 15 Minuten vor dem Brand stand der Verdächtige in der Nähe des Altenheims und sagte zu dem Bekannten, dass die Juden alles hätten und er sie anzünden wolle.
Reaktionen und endgültiger Abschluss
Da der Verdächtige 2020 verstorben ist, können die deutschen Behörden keine posthumen Strafverfahren durchführen, und es gilt die Unschuldsvermutung. Der bayerische Antisemitismus-Beauftragte der Justiz, Andreas Franck, würdigte die Bedeutung der Erkenntnisse während der Bekanntgabe.
Wir sprechen hier von einem der schlimmsten Angriffe auf jüdisches Leben seit dem Zweiten Weltkrieg.
Die ehemalige Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, äußerte Trauer über das Fehlen eines formellen Prozesses für die überlebende Gemeinschaft.
Es schmerzt mich sehr, dass der Verdächtige nicht mehr zur Rechenschaft gezogen werden kann.
Da es keine Hinweise auf überlebende Mittäter gibt, bestätigten die Staatsanwälte, dass die Akte nun offiziell geschlossen ist.


