
Erdbeben in Venezuela: Zahl der Toten steigt auf 1.450, Zehntausende vermisst, Rettungsarbeiten am fünften Tag
Fünf Tage nach den beiden Erdbeben der Stärke 7,2 und 7,5 im venezolanischen Bundesstaat La Guaira ist die offizielle Zahl der Toten auf 1.450 gestiegen, über 47.000 Menschen werden noch vermisst und die Rettungsteams arbeiten gegen die Zeit.
Rettungsarbeiten trotz schwindender Hoffnung fortgesetzt
Die Rettungsarbeiten in Venezuela sind am Montag in ihren fünften Tag gegangen. 30.000 nationale Einsatzkräfte und 2.700 internationale Experten aus 24 Ländern suchen weiterhin nach Überlebenden. Das kritische 72-Stunden-Fenster, um Menschen lebend unter Trümmern zu finden, ist verstrichen, aber die Teams ziehen weiterhin Überlebende aus eingestürzten Gebäuden. Eine 60-jährige Frau wurde nach 86 Stunden in Caraballeda gerettet, wie El Salvadors Präsident Nayib Bukele mitteilte. Ein 11-jähriger Junge wurde von einem kolumbianischen Team nach einer sechsstündigen Operation befreit, und ein 18 Tage altes Baby wurde nach 32 Stunden unverletzt gefunden.
Heute haben wir Überlebende gerettet, deshalb werden die Rettungsarbeiten nicht eingestellt.
Trotz dieser Erfolge breitet sich in La Guaira der Gestank verwesender Leichen aus. Die Menschenrechtsorganisation Provea schrieb auf X, der Geruch sei ein Zeichen dafür, dass noch Leichen unter den Trümmern liegen. Die offizielle Zahl der Toten liegt bei 1.450, so der Präsident der Nationalversammlung Jorge Rodríguez, mit rund 3.200 Verletzten.
Humanitäre Krise verschärft sich
Mehr als 70.000 Familien benötigen humanitäre Hilfe. Viele schlafen im Freien oder in Notunterkünften. Die UNO schätzt, dass bis zu 6,7 Millionen Menschen betroffen sein könnten, wobei 680.000 Kinder keinen zuverlässigen Zugang zu sauberem Trinkwasser haben und viele Schulen beschädigt sind. Der Venezuela-Chef von UNICEF, Rodríguez Pumarol, sagte, allein im Hauptstadtbezirk seien 432 Schulen beschädigt worden, etwa jede dritte. Die UNO beziffert den materiellen Schaden auf 6,7 Milliarden US-Dollar, etwa sechs Prozent des venezolanischen BIP.
Mehr als 50.000 Menschen werden noch vermisst.
Eine inoffizielle Plattform für Vermisste hat fast 79.000 Meldungen erhalten, von denen über 47.000 weiterhin als vermisst geführt werden. In einigen Gebieten sind Strom- und Mobilfunknetze noch ausgefallen, was die Zusammenführung von Familien erschwert.
- Erstes Erdbeben der Stärke 7,2 erschüttert den Bundesstaat La Guaira am frühen Abend.
- Zweites, stärkeres Erdbeben der Stärke 7,5 folgt nur 39 Sekunden später.
- Mindestens 430 Nachbeben beginnen und setzen sich in den folgenden Tagen fort.
- Ein 18 Tage altes Baby wird nach 32 Stunden unter Trümmern lebend gerettet.
- Ein 11-jähriger Junge wird nach einer sechsstündigen Operation von einem kolumbianischen Rettungsteam lebend geborgen.
- Eine 60-jährige Frau wird nach 86 Stunden in Caraballeda gerettet.
- Rettungsarbeiten gehen in den fünften Tag; offizielle Zahl der Toten erreicht 1.450, über 47.000 werden noch vermisst.
Regierung sieht sich wachsender Kritik ausgesetzt
Die Wut auf die Behörden wächst. Die amtierende Präsidentin Delcy Rodríguez wurde bei einem Besuch in einem erdbebengeschädigten Viertel ausgebuht. Bürger beklagen mangelnde staatliche Koordination, viele Freiwillige graben mit bloßen Händen in den Trümmern. Die Regierung hat den Zugang zum Bundesstaat La Guaira eingeschränkt und das Militär eingesetzt; Freiwillige müssen einen Sicherheitsausweis beantragen, aber die Registrierungsstellen sind oft geschlossen, wie aus Videos in sozialen Medien hervorgeht.
Jede Sekunde zählt. Jede Sekunde. Doch die Regierung von Delcy Rodríguez hält die Rettungskräfte für einen politischen Akt von ihrer Arbeit ab.
Die Oppositionsführerin María Corina Machado kündigte an, dass sie wegen des Erdbebens nach Venezuela zurückkehren wolle, aber die US-Regierung halte einen solchen Schritt derzeit für unangemessen, berichtete die New York Times.
Internationale Reaktion und Schadensbewertung
Die beiden Beben, die nur 39 Sekunden auseinander lagen, ereigneten sich am frühen Mittwochabend Ortszeit. Mindestens 430 Nachbeben wurden registriert. Rund 780 Häuser und 38 Krankenhäuser wurden zerstört oder schwer beschädigt, insgesamt sind 2.500 Gebäude und Einrichtungen eingestürzt. Die Präsidentschaft hat eine Sonderkommission zur Bewertung der Schäden und der Bewohnbarkeit von Bauwerken eingesetzt.
Internationale Teams aus El Salvador, Ecuador, Spanien, Kolumbien und dem deutschen THW gehören zu den Helfern. Die UNO und Hilfsorganisationen fordern Notschutz, sauberes Wasser, sanitäre Einrichtungen, Gesundheitsversorgung und Schutz für die betroffene Bevölkerung.
Politischer Hintergrund
Venezuela befand sich bereits vor dem Erdbeben in einem fragilen Zustand, litt unter jahrelangem wirtschaftlichem Niedergang und politischen Spannungen. Im Januar nahm eine US-Militäroperation den ehemaligen autoritären Führer Nicolás Maduro fest. Delcy Rodríguez, damals Vizepräsidentin, wurde amtierende Präsidentin. Die Katastrophe hat ein Land, in dem die öffentlichen Dienstleistungen bereits ausgehöhlt waren, weiter belastet.


