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Regierung·vor 3 Std.

EU-Parlament verbietet „veganes Steak“-Etiketten, erlaubt Veggie-Burger und -Würstchen

Das Europäische Parlament stimmte am 16. Juni dafür, fleischspezifische Begriffe wie „Steak“ und „Bacon“ tierischen Produkten vorzubehalten, während „Burger“ und „Würstchen“ auf pflanzlichen Speisekarten erhalten bleiben.

Die Abstimmung

Die Abgeordneten in Straßburg verabschiedeten die neuen Regeln mit 560 Stimmen dafür, 75 dagegen und 25 Enthaltungen. Der Text definiert Fleisch als „genießbare Teile von Tieren“ und verbietet die Verwendung von Etiketten, die sich auf eine bestimmte Tierart oder ein bestimmtes Fleischstück beziehen, bei pflanzlichen und zellkultivierten Produkten. Das Verbot bedarf noch der formellen Zustimmung der EU-Mitgliedstaaten, bevor es in Kraft treten kann.

Das ist ein Sieg für unsere Erzeuger, für ihre Fachkenntnis und für die Klarheit, die wir den Verbrauchern schulden.

Die Entscheidung ist ein Erfolg für Viehzüchter, die argumentierten, dass pflanzliche Lebensmittel, die Fleisch nachahmen, die Verbraucher in die Irre führen und ihrer Branche schaden könnten. Die Maßnahme ist Teil eines größeren Pakets, das darauf abzielt, die Position der Landwirtschaft in der Lebensmittelversorgungskette zu stärken.

Was bleibt, was fällt

Begriffe, die an ein bestimmtes Tier oder einen Schlachtkörperteil gebunden sind – darunter „Schwein“, „Huhn“, „Pute“, „Ente“, „Lamm“, „Kalb“, „Steak“, „Bacon“, „Rippchen“, „Kotelett“, „Schulter“ und „Leber“ – sind nun Fleisch von geschlachteten Tieren vorbehalten. Die gleiche Einschränkung gilt für Laborfleisch und zellbasierte Produkte.

Beschreibende Namen, die sich auf eine Zubereitungsart beziehen, bleiben unberührt. Verbraucher können weiterhin „Tofu-Würstchen“, „Sellerieschnitzel“, „Veggie-Gyros“ und vor allem „Veggie-Burger“ in den Supermarktregalen und auf Restaurantkarten finden. Ein im März zwischen Parlament und Rat ausgehandelter Kompromiss stoppte eine umfassendere Verschärfung, die auch allgemeine Begriffe wie „Burger“ und „Würstchen“ erfasst hätte.

Reaktionen

Deutschland, der größte Markt Europas für pflanzliche Alternativen, wehrte sich entschieden. Lebensmittelhändler und die Branche für alternative Proteine warnten davor, dass eine erzwungene Umbenennung unnötige Kosten verursachen und das Marketing erschweren würde. Der deutsche Landwirtschaftsminister Alois Rainer sagte, die Verbraucher seien bereits aufgeklärt genug, um zu wissen, dass ein vegetarisches Schnitzel kein Fleisch enthält.

Wir hätten uns gewünscht, dass überhaupt keine neue Verordnung eingeführt worden wäre.

Die Kennzeichnungsdebatte zog Persönlichkeiten über den Bauernverband hinaus an. Der ehemalige Beatle und langjährige Vegetarier Paul McCartney meldete sich zu Wort und verteidigte Soja-Steaks und Tofu-Würstchen. Der österreichische Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig begrüßte den endgültigen Kompromiss und fasste das Prinzip hinter der neuen Regel zusammen.

Wo Fleisch draufsteht, muss auch Fleisch drin sein. Vegetarische Hähnchenkeulen gibt es nicht.

Zeitplan und Ausblick

Die Verordnung hat ihre Wurzeln in einem Kommissionsvorschlag vom Dezember 2024, der auf großflächige Bauernproteste in Brüssel und mehreren Mitgliedstaaten reagierte. Abgeordnete und Ratsvertreter erzielten im März 2026 eine politische Einigung, und die Plenarabstimmung am 16. Juni gab dem Paket parlamentarisches grünes Licht. Sobald der Rat die formelle Zustimmung erteilt, haben Lebensmittelunternehmen bis zu drei Jahre Zeit, ihre Verpackungen und Vermarktung anzupassen. Die Regeln selbst sollen Ende 2027 auslaufen, zeitgleich mit der nächsten Überprüfung der Gemeinsamen Agrarpolitik der EU, sodass weitere Verhandlungen bereits im Gange sind.

Meilensteine der EU-Kennzeichnungsverordnung
  1. Kommission schlägt Agrar- und Lebensmittelpaket mit Fleischdefinitionsregeln vor
  2. Parlament und Rat erzielen Kompromiss, lassen Burger-/Würstchenverbot fallen
  3. Europäisches Parlament stimmt mit 560-75-25 für Annahme der Verordnung
  4. Formelle Zustimmung der EU-Mitgliedstaaten erwartet
  5. Aktuelle Regeln laufen aus; verbunden mit nächster GAP-Reform

Der Verbrauch pflanzlicher Fleischalternativen in der EU ist seit 2011 laut der Verbraucherorganisation BEUC um das Fünffache gestiegen, angetrieben von Bedenken hinsichtlich Tierwohl, Klimaemissionen und Gesundheit. Der Kennzeichnungskampf ist daher noch lange nicht vorbei, da der Markt weiter wächst.

Straßburg

8 Quellen

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