
Mordprozess Fabian: Vater verdächtigte zunächst Partnerin, langjähriger Freund sagt vor Gericht in Rostock aus
Am 16. Verhandlungstag im Mordprozess um den achtjährigen Fabian aus Güstrow hat ein langjähriger Freund des Vaters ausgesagt, dass Matthias R. ihm am Tag des Leichenfundes erzählt habe, er verdächtige seine Partnerin, die Angeklagte Gina H., der Tat. R. ließ diesen Verdacht später fallen.
Vaters wechselnde Haltung durch engen Freund offengelegt
Ein 38-jähriger Mann, der sich als langjähriger Freund von Matthias R., dem Vater des getöteten Kindes, bezeichnete, sagte am Mittwoch als Zeuge vor dem Landgericht Rostock aus. Er erklärte, dass R. ihm am 14. Oktober 2025, dem Tag, an dem Fabians Leiche an einem Teich bei Klein Upahl entdeckt wurde, „klipp und klar“ gesagt habe, dass er seine Partnerin Gina H. verdächtige. Nun sitzt die Angeklagte Gina H. auf der Anklagebank, während R. von der Zuschauertribüne aus zusieht. R. war jahrelang mit H. liiert. Nach einer vorübergehenden Trennung im August 2025 kehrte er zu ihr zurück und ist nun wieder ihr Partner.
Der Zeuge fügte hinzu, dass R. Anfang 2026 seine Position revidierte und sagte, er glaube nicht mehr, dass H. beteiligt sei, es sei denn, es gebe einen Beweis für ihre Schuld. R., der an der Anhörung teilnahm, hatte diese Behauptungen zuvor während polizeilicher Vernehmungen am zweiten und dritten Verhandlungstag zurückgewiesen.
Wie sich die Angeklagte verhielt: Gegensätzliche Schilderungen
Eine Tierärztin, die seit 2021 die fünf Pferde von H. versorgte, sagte aus, dass H. völlig aufgelöst und weinend gewesen sei, als ihr Lieblingspferd im Sommer 2024 starb. Nachdem Fabian im Oktober 2025 verschwunden war, sei dieselbe Frau jedoch „unangemessen“ gefasst gewesen, erklärte die Tierärztin der 3. Strafkammer. Die Tierärztin fügte hinzu, dass H. selbst während der noch laufenden Suche nach dem Jungen unerschütterlich gewirkt habe. In einer WhatsApp-Sprachnachricht wenige Tage nach dem Leichenfund teilte H. der Tierärztin mit, sie habe nichts mit der Tat zu tun und Fabian lediglich gefunden.
Eine Gerichtshelferin, die H. im Januar in Untersuchungshaft befragte, sagte, H. sei „emotional wie abgeschnitten“ gewesen. H. erzählte ihr, man unterstelle ihr, etwas getan zu haben, was sie nicht getan habe. Die Helferin stellte fest, dass H.s Bindung zu ihren Pferden intensiver wirkte als jede menschliche Beziehung.Sie wirkte, als wären ihre Emotionen abgeschnitten.
Was die Staatsanwaltschaft vorwirft
Die Staatsanwaltschaft beschuldigt Gina H., Fabian am 10. Oktober 2025 aus der Wohnung seiner Mutter in Güstrow gelockt, ihn an einem Teich bei Klein Upahl sechsmal erstochen und seine Leiche anschließend angezündet zu haben. Die Ermittler glauben, dass H. das Kind als Hindernis ansah, um den Vater nach der Trennung im August 2025 zurückzugewinnen. H. sagt, sie habe die Leiche am 14. Oktober bei einem Spaziergang zufällig entdeckt und die Polizei alarmiert. Andere Zeugen gaben jedoch an, sie sei bereits am 13. Oktober mit zwei Bekannten am Tatort gewesen.
Die 30-Jährige hat im gesamten Prozess, der im April begann und bis zum 10. September dauern soll, von ihrem Schweigerecht Gebrauch gemacht. Ihre Verteidigung hat angedeutet, dass sie im August sprechen wird. Fabians Mutter nimmt als Nebenklägerin teil.
Wie es weitergeht
Am Donnerstag, dem 17. Verhandlungstag, lud das Gericht fünf weitere Zeugen: Bekannte und Nachbarn der Angeklagten. Es werden weitere Aussagen erwartet, um das Indizienbild zu vervollständigen, da der Prozess fast ausschließlich auf mittelbaren Beweisen beruht. Ein Urteil wird nicht vor September erwartet.
- Fabian wird an einem Teich bei Klein Upahl getötet
- Leiche gefunden; Vater verdächtigt zunächst Angeklagte Gina H.
- Vater teilt Freund mit, er glaube nicht mehr an Schuld der Angeklagten
- Prozess beginnt am Landgericht Rostock
- 16. Verhandlungstag: Freund, Tierärztin und Gerichtshelferin sagen aus
- 17. Verhandlungstag: Nachbarn und Bekannte geladen
- Angeklagte soll erstmals sprechen
- Prozess soll enden

