
Belgiens Doku bereit, für die Geburt seines ersten Kindes auf WM-Spiel zu verzichten – entfacht Vaterschaftsdebatte
Der belgische Flügelspieler Jérémy Doku ist bereit, die WM 2026 zu verlassen, um bei der Geburt seines ersten Kindes dabei zu sein. Das stieß auf scharfe Kritik einer französischen Journalistin und eröffnet eine Debatte über Arbeit, Vaterschaft und Spitzensport.
Die Situation
Jérémy Doku, der 24-jährige Flügelspieler von Belgien und Manchester City, erklärte vor dem WM-Auftaktspiel gegen Ägypten gegenüber Reportern, dass er bei der Geburt seines ersten Kindes dabei sein will, selbst wenn das bedeutet, das Turnier zu verlassen. Seine Frau Shireen Erin Lyannda Raymond hat in der zweiten Juliwoche ihren errechneten Termin, der in die K.o.-Phase fällt.
Kein Vater würde das verpassen wollen. Ich weiß, dass der Verband informiert ist, und wir werden sehen, was wir tun können.
Belgische Medien berichten, der Verband sei bereit, einen Privatjet für eine transatlantische Reise bereitzustellen, falls das Baby kommt, während Doku zudem mit einer Lungeninfektion kämpft, die ihn für das Gruppenspiel gegen den Iran in Los Angeles ausfallen lässt. Er hat Antibiotika eingenommen, in der Hoffnung, für das letzte Gruppenspiel gegen Neuseeland am 27. Juni zurückzukehren.
Die Kontroverse
Am 19. Juni verurteilte France Pierron, eine Moderatorin des französischen Senders L'Équipe, Dokus Haltung in einer On-Air-Rede, die von mehreren Medien aufgegriffen wurde. Sie argumentierte, dass eine WM eine einmalige Gelegenheit sei und die Anwesenheit eines Vaters bei einer Geburt nebensächlich.
Wenn man das Glück hat, bei einer Weltmeisterschaft dabei zu sein, gibt es Hunderte von Fußballern, die dafür töten würden. Es tut mir leid, der Vater hat keine Funktion. Er ist ein Beiwerk. Er hält nur deine Hand und macht ein Foto.
Ihre Worte lösten eine Welle der Kritik in den sozialen Medien aus, wobei viele Nutzer Dokus Wunsch, die Familie zu priorisieren, verteidigten. Belgische Kommentatoren hatten sich bereits eingeschaltet; der frühere Nationalspieler Gert Verheyen scherzte, Doku sei bei der Geburt ein „Ersatzrad“, während einer von Dokus ehemaligen Jugendtrainern, Peter Janssens, sagte, dass, wenn ein Spieler sich für die WM entscheide, das Baby „immer noch da sein werde“.
Entschuldigung und Gegenreaktion
Pierron gab am Samstag, den 20. Juni, eine Erklärung auf Instagram ab, in der sie klarstellte, dass ihr Ausbruch eine persönliche Meinung darstelle, und entschuldigte sich für etwaige Verstimmungen.
Diese Äußerungen sind meine eigenen und spiegeln in keiner Weise eine kollektive Position wider. Ich verstehe, dass sie einige von Ihnen schockiert, verärgert oder verletzt haben könnten, und ich entschuldige mich.
Sie fügte hinzu, dass es nie ihre Absicht gewesen sei, die Rolle der Väter zu schmälern. Im Set von „L'Équipe de choc“ widersprachen andere Diskussionsteilnehmer, darunter der olympische Boxchampion Brahim Asloum und der Kommentator Yoann Riou, ihrer Charakterisierung und argumentierten, dass die Geburt eines Kindes der wichtigste Moment im Leben eines Paares sei.
Team- und Turnierkontext
Doku ist mit diesem Dilemma nicht allein. Teamkollege Brandon Mechele erwartet ebenfalls ein Kind im Juli und hat gesagt, dass das Verlassen des Camps für die Geburt eine Option sei. Belgien eröffnete die Gruppe G mit einem 1:1-Unentschieden gegen Ägypten und spielt am 21. Juni gegen den Iran, bevor es auf Neuseeland trifft. Es braucht Ergebnisse, um den Einzug zu sichern.
- Belgien eröffnet Gruppe G mit einem 1:1-Unentschieden gegen Ägypten; Doku spielt.
- France Pierron kritisiert Dokus Absicht, die WM zu verlassen, auf L'Équipe.
- Pierron entschuldigt sich auf Instagram; Dokus Lungeninfektion bestätigt, setzt ihn für das Iran-Spiel außer Gefecht.
- Belgien gegen Iran in Los Angeles (21:00 Ortszeit). Doku verpasst das Spiel.
- Letztes Gruppenspiel gegen Neuseeland (05:00). Doku strebt Rückkehr an, wenn Antibiotika wirken.
- Voraussichtlicher Geburtstermin für Dokus erstes Kind. Belgien könnte im Achtel- oder Viertelfinale sein.
Eine breitere Diskussion
Die Episode hat den Sport weit hinter sich gelassen. Die belgische Zeitung De Morgen titelte auf der ersten Seite „Generationen streiten über Dokus Dilemma“, und die Debatte legte eine Bruchlinie zwischen älteren, karriereorientierten Erwartungen und dem Beharren einer jüngeren Generation auf die Anwesenheit bei familiären Meilensteinen offen. Die New York Times kommentierte, dass Dokus Wunsch „das Ende der Debatte“ sein sollte, während belgische und französische Kommentatoren weiterhin darüber stritten, ob die Anforderungen der WM das Persönlichste überhaupt zulassen können.

