
USA leiten Pharma-Preisermittlung gegen Deutschland ein – neue Zölle drohen
Der US-Handelsbeauftragte hat eine Section-301-Untersuchung zur deutschen Arzneimittelpreispolitik eingeleitet. Er argumentiert, dass anhaltende Unterzahlungen amerikanische Patienten dazu zwingen, einen unverhältnismäßigen Anteil der globalen Pharma-F&E-Kosten zu tragen.
Die Untersuchung
Der US-Handelsbeauftragte gab am Donnerstag bekannt, dass er eine Untersuchung eingeleitet hat, ob die Preisgestaltung Deutschlands für innovative Arzneimittel unangemessen oder diskriminierend ist und den US-Handel belastet. Die Untersuchung wurde nach Section 301 des Trade Act von 1974 eröffnet, einem Handelsgesetz, das die Trump-Regierung seit ihrer Rückkehr an die Macht wiederholt gegen Praktiken von Zwangsarbeit bis hin zu industriellen Überkapazitäten eingesetzt hat.
Der US-Handelsbeauftragte Jamieson Greer sagte, der Schritt folge auf „monatelange sinnvolle Gespräche mit unseren deutschen Partnern, um dieses Problem zu lösen.“ Greer äußerte besondere Besorgnis darüber, dass Deutschland Gesetze auf den Weg bringt, die seine Ausgaben für innovative Arzneimittel weiter senken würden. Die Untersuchung wird die rechtlichen Mechanismen prüfen, mit denen Deutschland die Arzneimittelpreise festlegt; schriftliche Stellungnahmen werden ab dem 25. Juni entgegengenommen, und eine öffentliche Anhörung ist für September geplant.
US-Vorwürfe ungleicher Lastenverteilung
Präsident Trump hat klar gemacht, dass amerikanische Patienten keinen unverhältnismäßigen Anteil der globalen pharmazeutischen Forschung und Entwicklung tragen sollten.
In der Mitteilung des US-Handelsbeauftragten wird argumentiert, dass Deutschlands Preispolitik die Einnahmen innovativer Arzneimittelhersteller drücke und zu geringeren F&E-Investitionen beitrage. Da die US-Listenpreise zu den höchsten der Welt gehören, behauptet die Regierung, dass Amerikaner effektiv die Innovation für andere wohlhabende Länder subventionieren. Ein Bericht der RAND Corporation aus dem Jahr 2024 ergab, dass die US-Preise für verschreibungspflichtige Arzneimittel im Durchschnitt das 2,78-Fache der Preise in 33 anderen Nationen betrugen, mit einer noch größeren Lücke bei Markenarzneimitteln.
US-Gesundheitsminister Robert Kennedy Jr. unterstrich diese Botschaft.
Die Vereinigten Staaten bitten Deutschland, seinen fairen Anteil für die innovativen Behandlungen zu zahlen, von denen seine Bevölkerung profitiert.
Deutsche Reformpläne und Gegenwehr
Im April billigte das Kabinett von Bundeskanzler Friedrich Merz einen Gesundheitsreformgesetzentwurf, den Merz als historisch bezeichnete, der darauf abzielt, mehr als 16 Milliarden Euro einzusparen und ein prognostiziertes Defizit von 20 Milliarden Euro in der gesetzlichen Krankenversicherung zu schließen. Das Paket enthält Maßnahmen, die die Ausgaben für Arzneimittel kürzen, was in Washington und bei Pharmaunternehmen Alarm auslöste. Eli Lilly kündigte Anfang Juni an, seine geplante Investition von 2,3 Milliarden Euro in eine Anlage in Alzey (Rheinland-Pfalz) zu halbieren, und verwies dabei ausdrücklich auf die Reformen der Regierung.
Die deutschen Krankenkassen warnen jedoch, dass die Arzneimittelpreise unhaltbar steigen.
Arzneimittel sind nach den Krankenhäusern der zweitgrößte Kostenblock, und die Pharmaindustrie verdient sich daran eine goldene Nase.
Mögliche nächste Schritte
Die Untersuchung könnte letztlich zu Zöllen führen, aber Greer deutete an, dass eine Einigung auf dem Verhandlungsweg weiterhin möglich sei. Anfang April erzielten die USA ein Abkommen mit dem Vereinigten Königreich, in dem sich Großbritannien bereit erklärte, seine Arzneimittelpreise zu erhöhen, im Gegenzug für den Verzicht auf Zölle auf Pharmaexporte. Greer stellte dieses Abkommen als Modell dar und sagte, Deutschland solle diesem Beispiel folgen. Die Behörde wird am 25. Juni ein Dossier für schriftliche Eingaben eröffnen, und der Section-301-Ausschuss wird im September eine öffentliche Anhörung abhalten. Ein endgültiger Beschluss wurde noch nicht bekannt gegeben.
- USA und UK vereinbaren Arzneimittelpreisabkommen mit höheren UK-Preisen im Austausch gegen den Verzicht auf Zölle.
- Deutsches Kabinett billigt Gesundheitsreformgesetz, das die Ausgaben für innovative Arzneimittel senkt.
- Der US-Handelsbeauftragte leitet Section-301-Untersuchung der deutschen Arzneimittelpreise ein.
- Frist für schriftliche Stellungnahmen zur Untersuchung beginnt.
- Der Section-301-Ausschuss hält eine öffentliche Anhörung zur Untersuchung ab.


