Trump-Regierung fordert Immunität für Venezuelas Interimspräsidentin Delcy Rodríguez in Folterklage
Das Außenministerium bat das Justizministerium, eine Immunitätserklärung für Delcy Rodríguez einzureichen, die seit März als Staatsoberhaupt Venezuelas anerkannt ist, in einem Zivilverfahren in Florida, das von drei Amerikanern angestrengt wurde, die gefoltert wurden und 314 Millionen Dollar zugesprochen bekamen.
Hintergrund der Klage
Drei US-Bürger – Jerrel Kenemore, Jason Saad und Edgar José Marval – wurden 2022 unter der Regierung des damaligen Präsidenten Nicolás Maduro in Venezuela festgenommen. Ein Bundesgericht stellte fest, dass sie als Geiseln festgehalten wurden, um Washington zur Freilassung des kolumbianischen Geschäftsmanns Alex Saab zu drängen, eines Maduro-Vertrauten, der als wichtiger Finanzakteur des Chavista-Regimes gilt. Die Männer wurden von venezolanischen Agenten gefoltert, bevor sie 2023 im Rahmen eines Gefangenenaustauschs gegen Saab freigelassen wurden. Am 15. Juli ordnete ein Bundesrichter in Miami Schadensersatz in Höhe von 314 Millionen Dollar für die drei Amerikaner an. Delcy Rodríguez war ursprünglich unter den Angeklagten aufgeführt, wurde aber vom endgültigen Urteil ausgenommen. Die Klage wirft Entführungen, Folter und terroristische Handlungen im Zusammenhang mit dem Chavismo vor.
US-Anerkennung Rodríguez' als Staatsoberhaupt
Nach der Festnahme von Nicolás Maduro durch US-Streitkräfte am 3. Januar übernahm Delcy Rodríguez, die zuvor Vizepräsidentin war, interimistisch die Macht. Die Trump-Regierung erkannte sie am 5. März offiziell als Staatsoberhaupt Venezuelas an. Diese Anerkennung ist der Eckpfeiler des Immunitätsarguments: Als amtierendes Staatsoberhaupt eines fremden Staates genießt Rodríguez grundsätzlich Immunität vor der Gerichtsbarkeit US-amerikanischer Gerichte. Der Rechtsberater des Außenministeriums, Reed Rubinstein, übermittelte diese Position in einem Schreiben an den stellvertretenden Generalstaatsanwalt Brett Shumate.
Das Außenministerium drängt auf Immunität
Am 11. Juni bat das Außenministerium das Justizministerium, eine formelle Immunitätserklärung bei Gericht einzureichen, und erläuterte, dass Washington Rodríguez als Staatsoberhaupt anerkennt. Ein zweites Schreiben vom 11. Juli von Rubinstein an Shumate wiederholte die Bitte und betonte die „besondere Bedeutung“ einer Abweisung des Falles unter Hinweis auf „erhebliche außenpolitische Auswirkungen“. Auch die venezolanische Botschaft in Washington hatte das Außenministerium gebeten, Rodríguez' Immunität zu bescheinigen. Die Associated Press berichtete, dass Rodríguez' Anwälte bereits im April eine Abweisung des Falles aus Immunitätsgründen beantragt hatten.
Das Außenministerium bittet das Justizministerium, so bald wie möglich eine Immunitätserklärung bei dem Bezirksgericht einzureichen und es bei erstbester Gelegenheit über das Vorstehende zu informieren.
Justizministerium reicht formellen Antrag ein
Am 20. Juli reichte das Justizministerium einen Antrag beim Gericht des Südbezirks von Florida ein und forderte förmlich, Rodríguez Immunität zu gewähren. Der Antrag argumentiert, dass die US-Verfassung dem Präsidenten die Autorität über auswärtige Angelegenheiten überträgt und die Exekutive „Präsidentin Rodríguez als das aktive Staatsoberhaupt Venezuelas“ bestimmt hat. Das Gericht hat noch nicht über den Antrag entschieden. In der Stellungnahme des Justizministeriums heißt es, Rodríguez genieße als amtierendes Staatsoberhaupt „Immunität, solange sie im Amt ist, vor der Gerichtsbarkeit des Bezirksgerichts der Vereinigten Staaten in diesem Fall.“
Politischer Kontext
Seit Maduros Festnahme hat die Trump-Regierung die Beziehungen zu Rodríguez' Übergangsregierung gestärkt. Die Oppositionsführerin María Corina Machado hat unterdessen ihre Absicht bekräftigt, nach Venezuela zurückzukehren, um auf einen Übergang zu drängen. Der Immunitätsantrag kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die USA eine heikle diplomatische Beziehung zu Caracas navigieren und dabei die rechtliche Rechenschaftspflicht für Menschenrechtsverletzungen mit der Anerkennung eines amtierenden ausländischen Führers abwägen.
- US-Streitkräfte nehmen Nicolás Maduro fest; Delcy Rodríguez übernimmt die Interimspräsidentschaft.
- USA erkennen Rodríguez offiziell als Staatsoberhaupt Venezuelas an.
- Außenministerium bittet Justizministerium um Einreichung einer Immunitätserklärung.
- Rechtsberater des Außenministeriums Reed Rubinstein sendet zweites Schreiben mit erneuter Immunitätsforderung.
- Bundesrichter ordnet 314 Millionen Dollar Schadensersatz an; Rodríguez vom Urteil ausgenommen.
- Justizministerium reicht formellen Immunitätsantrag vor Gericht in Florida ein.


