
USA blockieren Anthropics KI-Modelle Fable 5 und Mythos 5 – Europa schlägt Alarm wegen Souveränität
Die US-Regierung hat Nicht-US-Bürgern den Zugang zu den neuesten KI-Modellen von Anthropic verboten und das Unternehmen gezwungen, sie offline zu nehmen. Europäische Vertreter warnen, der Schritt offenbare eine gefährliche Abhängigkeit von amerikanischer Technologie.
Der US-Schritt
Die US-Regierung ordnete Anthropic an, ausländischen Staatsangehörigen den Zugang zu seinen neuesten Spitzenmodellen Claude Fable 5 und Mythos 5 zu verwehren, und berief sich dabei auf die nationale Sicherheit. Anthropic erklärte, es sei am Freitag angewiesen worden, den Zugang zu beschränken, und habe die Anordnung technisch nicht rechtzeitig umsetzen können, weshalb es am Samstag beide Systeme weltweit offline nahm.
Regierungsbehörden wiesen uns an, den Zugang für alle Nicht-US-Personen unter Berufung auf die nationale Sicherheit zu sperren.
Fable 5 war erst wenige Tage zuvor als öffentliche Version des leistungsstärkeren Mythos 5 veröffentlicht worden, der aufgrund seiner fortgeschrittenen Fähigkeiten bei der Suche nach Software-Sicherheitslücken und der Unterstützung komplexer Programmieraufgaben bereits auf ausgewählte Partner beschränkt war.
Europäische Besorgnis
Deutsche Sicherheits- und Digitalpolitiker reagierten scharf. Marc Henrichmann, Vorsitzender des parlamentarischen Kontrollgremiums des Bundestags, bezeichnete den Schritt als Sicherheitsabhängigkeit.
Wenn ein einziger Verwaltungsakt in Washington über Nacht entscheidet, welche KI-Werkzeuge europäischen Behörden, Unternehmen und Forschern zur Verfügung stehen, ist das kein technisches Detail, sondern eine sicherheitspolitische Abhängigkeit.
Konstantin von Notz, stellvertretender Vorsitzender der Grünen-Bundestagsfraktion, nannte die Entscheidung äußerst kurzsichtig und sagte massive negative Auswirkungen auf die Nachfrage nach US-Anbietern voraus. Innenminister Alexander Dobrindt warnte, Europa müsse rasch eigene KI-Fähigkeiten entwickeln, um nicht Opfer eines KI-Wettrüstens zu werden.
Wirtschaftliche Folgen und Börsengang
Die Sperre gefährdet auch Anthropics angeblich geplanten Börsengang. Harrison Rolfes von der US-Forschungsfirma Pitchbook merkte an, dass der Wert eines Unternehmens bei einem Börsengang einbrechen könne, wenn die Regierung dessen Kernprodukt faktisch abschalten könne.
Wenn die Regierung führende KI-Modelle abschalten kann, wie soll ein Unternehmen dann an die Börse gehen? Es könnte praktisch sofort einen großen Teil seines Wertes verlieren.
Anthropics rascher Aufstieg hatte bereits Aufmerksamkeit erregt, und die Trump-Administration war zuvor mit dem Unternehmen über den militärischen Zugang zu seinen Systemen aneinandergeraten.
- US-Regierung erlässt Exportkontrollanordnung, die den Zugang für Nicht-US-Staatsangehörige sperrt
- Anthropic nimmt Fable 5 und Mythos 5 weltweit offline
Forderungen nach digitaler Unabhängigkeit
Die EU-Kommission, die seit Wochen mit Anthropic Gespräche führte, um den Zugang für die EU-Cybersicherheitsagentur ENISA zu sichern, erklärte, diese Gespräche würden fortgesetzt. Ein Sprecher betonte, Technologie sei zunehmend ein strategischer Wert und Europa müsse nach seinen eigenen Prinzipien handeln können.
Deutsche Vertreter und Medienkommentatoren nutzten den Vorfall gleichermaßen, um ein europäisches digitales „Apollo-Programm“ zu fordern – den Aufbau eigener KI-Modelle, Recheninfrastruktur und Rechenzentren, um die Abhängigkeit von US-Anbietern zu verringern.
Unklare Motive
Während der offizielle Grund die nationale Sicherheit ist, wurde die genaue Bedrohung nicht öffentlich gemacht. Anthropic spricht von einem Missverständnis. US-Medien berichteten, dass Amazon, ein Rivale und Investor von Anthropic, die Regierung möglicherweise informiert habe. Der Vorfall verschärft die Spannungen zwischen der Trump-Administration und einem Unternehmen, das sich dagegen gewehrt hatte, dem Militär Zugang zu seiner KI zu gewähren.


