Im Naturhistorischen Museum Mainz: Fossilien von 20.000 bis 400 Millionen Jahren kuratiert
Mitarbeiter des Naturhistorischen Museums Mainz kuratieren Fossilien, die Hunderte Millionen Jahre umspannen – von eiszeitlichen Säugetierknochen bis zu uralten Hairesten – und ziehen Forscher aus aller Welt in die unterirdischen Lagerräume von Rheinland-Pfalz.
Ein Fenster in die Eiszeit
Manuel Stenger steht umgeben von den Überresten einer Zeit, als Mammuts, Rentiere und sogar Flusspferde in der Region um Mainz lebten. Er arbeitet in der Eiszeitsammlung des Naturhistorischen Museums, wo er die Naturgeschichte von Rheinland-Pfalz sammelt, bewahrt, bestimmt und vermittelt. Die Stücke dieser Sammlung sind zwischen 20.000 und 400.000 Jahre alt, erklärte Stenger. Temperaturschwankungen ermöglichten es Flusspferden, zeitweise in das Gebiet einzuwandern, während dort im gleichen Zeitraum Mammuts lebten.
Der Großteil der Sammlung wurde nach dem Zweiten Weltkrieg zusammengetragen, als im Rhein-Main-Gebiet zahlreiche Kiesgruben entstanden, weil Material für den Wiederaufbau benötigt wurde. Bei den Ausgrabungen kamen Knochen zum Vorschein, die der Rhein über Hunderttausende von Jahren in seinen Ablagerungen eingeschlossen hatte. Heute sind es vor allem private Sammler, die dem Museum neue Stücke liefern.
Knochenbestimmung ohne Funddaten
Das Museum erhielt kürzlich eine Hobbysammlung eines Geisteswissenschaftlers, aber die genauen Funddaten fehlten und die Knochen konnten nicht mehr eindeutig einem bestimmten Tier zugeordnet werden. Hier setzt Stengers Arbeit an: Er packt die Knochen aus, untersucht ihre Formen und vergleicht sie mit Knochenatlanten, Referenzwerken zur Skelettbestimmung. Schritt für Schritt grenzt er die Antwort ein: Handelt es sich um ein Rind? Ein Nashorn? Oder gehört der Knochen zu einer anderen Tiergattung? Ist ein Stück beschädigt, wird es sorgfältig behandelt und konserviert.
Meistens endet der Prozess bei dieser vorläufigen Bestimmung. Die genaue Artbestimmung überlässt man den Experten. Forscher aus aller Welt nutzen die Schätze, die im Untergrund der Mainzer Innenstadt lagern.
Wir hatten chinesische Sammlungsgäste, wir hatten schwedische Sammlungsgäste, die dann einzelne Tiergruppen erforschen und unser Material sehen wollen. Dafür ist diese Lagerung hier da.
400 Millionen Jahre in Rollregalen
Einige Stadtteile weiter, am anderen Ende von Mainz, stapeln sich in einer zweigeschossigen Halle Kisten. Versteckt zwischen Rollregalen öffnet sich der Weg in eine Zeit, als Haie und Seekühe noch durch das Mainzer Becken schwammen. Kai Nungesser, gelernter Biologe, pflegt und katalogisiert dort für das Naturhistorische Museum Schätze, die bis zu 400 Millionen Jahre alt sind. Rätsel zu lösen und aus diesen Einzelstücken ganze Welten zu rekonstruieren, reizt ihn an seiner Arbeit.
Bei der Rekonstruktion vergangener Tierwelten verlässt sich Nungesser vor allem auf Fossilfunde und Vergleiche mit verwandten Arten. Dies zeigt sich beispielsweise bei Haien, bei denen selbst einige verwandte Arten bereits ausgestorben sind. Wissenschaftler streiten seit Jahrzehnten darüber, wie groß einige dieser Arten genau waren.
Landesweite Zusammenarbeit
Nach Angaben der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (GDKE) treten in nahezu allen Regionen des Landes Gesteine und Fossilien aus verschiedenen Erdzeitaltern zutage. Sie werden durch Bauarbeiten, Rohstoffgewinnung oder natürliche Erosion freigelegt und geben Einblick in die milliarden Jahre alte Geschichte von Rheinland-Pfalz. Die GDKE arbeitet eng mit dem Museum in Mainz zusammen.


