
Deutschland lehnt UniCredits Commerzbank-Übernahmeangebot förmlich ab – niedrige Prämie und aggressive Taktik kritisiert
Berlin hat das Aktientausch-Angebot der italienischen Bank für die Commerzbank offiziell abgelehnt, den Preis als unzureichend bezeichnet und das aggressive Vorgehen gegen eines der führenden deutschen Kreditinstitute kritisiert.
Ablehnung durch die Regierung
Die deutsche Finanzagentur gab am Dienstag bekannt, dass sie ihren 12-Prozent-Anteil an der Commerzbank nicht in das UniCredit-Angebot einbringen werde – eine formelle Ablehnung des Angebots am letzten Tag der ursprünglichen Annahmefrist. Der interministerielle Lenkungsausschuss, der für die Staatsbeteiligung zuständig ist, stellte fest, dass eine Annahme aus wirtschaftlichen Gründen nicht in Frage komme, da das Angebot keine angemessene Prämie gegenüber dem aktuellen Marktpreis der Commerzbank vorsehe.
Die Annahme des Angebots war bereits aus finanzieller Sicht keine Option, da es keine angemessene Prämie auf den aktuellen Aktienkurs der Commerzbank enthält.
Die Agentur sprach sich zudem für die Unabhängigkeit der zweitgrößten deutschen Privatbank aus und lehnte den „aggressiven Ansatz“ des italienischen Erwerbers ab. Sie fügte hinzu, dass die Commerzbank eine entscheidende Rolle bei der Finanzierung der deutschen Wirtschaft und des Mittelstands spiele und ein integraler Bestandteil des Finanzplatzes Frankfurt sei.
Angebotsmechanik und Marktreaktion
Das freiwillige Umtauschangebot von UniCredit, das am 5. Mai gestartet wurde, sieht 0,485 eigene Aktien für jede Commerzbank-Aktie vor. Bis Dienstagmorgen, als UniCredit-Aktien bei rund 76,80 Euro gehandelt wurden, entsprach dies etwa 37,25 bis 37,33 Euro pro Commerzbank-Aktie. Die Aktie der Commerzbank fiel jedoch erstmals seit Beginn des Angebots auf 36,60 Euro, unterschritt damit den impliziten Angebotswert und machte die Übernahme plötzlich auch für private Aktionäre wirtschaftlich attraktiv. Die ursprüngliche Annahmefrist endet heute, doch Anleger haben ein zusätzliches zweiwöchiges Fenster bis zum 3. Juli, um ihre Aktien einzureichen – was angesichts wachsender Liquiditätssorgen die Gefahr eines Schneeballeffekts birgt.
Eskalierende Worte und Kontrollbedrohung
UniCredit hält bereits direkt 26,77 Prozent an der Commerzbank und hat nach eigenen Angaben weitere 11 Prozent über das Angebot erworben – was einen Anteil von 38 Prozent und die Möglichkeit bedeuten würde, eine Hauptversammlung zu dominieren. Bereits am Montag hatte die italienische Bank gedroht, diese Mehrheit zu nutzen, um Aufsichtsratsmitglieder und letztlich auch den Vorstand auszuwechseln.
Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp widersprach und erinnerte daran, dass der Staat, solange er seine Beteiligung halte, das Recht habe, zwei Aufsichtsratsmitglieder in die Bank zu entsenden. Die Bundesregierung ging in ihrer Stellungnahme vom Dienstag nicht auf diesen Punkt ein.
Die tatsächliche Zahl der eingereichten Aktien ist geringer, da einige von befreundeten Banken geliehen und nicht von unabhängigen Aktionären angeboten wurden.
Vorstand und Aufsichtsrat der Commerzbank haben den Aktionären empfohlen, das Angebot rundweg abzulehnen. In Frankfurt beobachten Marktteilnehmer nun gespannt, ob der Kursrutsch unter den Angebotspreis eine Welle verspäteter Einreichungen auslöst.
Zeitleiste des Übernahmeversuchs
- Die Bundesregierung verkauft einen Teil ihrer Commerzbank-Beteiligung an UniCredit und behält einen Anteil von 12 Prozent
- UniCredit legt ein freiwilliges Aktientauschangebot für alle ausstehenden Commerzbank-Aktien vor
- Die ursprüngliche Angebotsfrist endet; die Bundesregierung lehnt das Angebot offiziell ab
- Vorläufige Annahmeergebnisse sollen veröffentlicht werden
- Verlängerte Frist für Aktionäre zur Einreichung weiterer Aktien


