UBS prüft Verlegung des Hauptsitzes oder Fusion bei verschärften Schweizer Kapitalregeln
Insider haben Reuters gesagt, dass eine UBS-Arbeitsgruppe einen Wegzug ins Ausland, eine Fusion oder einen Verkauf prüft, falls die Schweizer Kapitalregeln zu streng werden. Konkrete Gespräche laufen den Quellen zufolge nicht.
Notfallpläne werden geprüft
Drei mit der Sache vertraute Personen haben Reuters gesagt, dass eine UBS-Arbeitsgruppe mehrere Szenarien durchspielt, falls die Schweizer Kapitalregeln zu streng werden. Zu den Optionen gehören der Kauf eines US-Finanzinstituts mit Verlegung des Hauptsitzes in die Vereinigten Staaten, eine Fusion mit einem europäischen Konkurrenten oder der Verkauf der Bank an einen US-Kreditgeber. Die Insider nannten zudem eine Liste kleinerer US-Banken als mögliche Übernahmeziele sowie die Option, dass die UBS selbst übernommen wird. Konkrete Gespräche laufen ihnen zufolge nicht. Die UBS lehnte eine Stellungnahme ab, und das Wall Street Journal hatte zuvor über die Notfallplanung berichtet.
Warum die Bank sich wehrt
Die Debatte geht auf den Zusammenbruch der Credit Suisse im Jahr 2023 zurück, der die Regierung zu strengeren Regeln für systemrelevante Banken veranlasste. Die Regierung will, dass die UBS ihre ausländischen Tochtergesellschaften vollständig mit hartem Kernkapital der Kategorie 1 unterlegt. Nach Angaben des Handelsblatts könnte diese Anforderung mehr als 20 Milliarden Dollar kosten. Der Ständerat senkte die Schwelle im September laut Handelsblatt und Blick auf 90 Prozent, während 20 Minuten berichtet, dass die Kammer 100 Prozent statt der derzeitigen 60 Prozent will. Blick berichtet, dass bankenfreundlichere Mitglieder ohne Erfolg für eine 50-Prozent-Variante geworben hatten. Die UBS nennt die Regeln übertrieben und erklärt, sie würden ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit schwächen. Blick zitiert die Schätzung der Bank von einer Kapitalerhöhung von bis zu 16 Milliarden Franken, und der US-Investor Artisan Partners beziffert den zusätzlichen Bedarf auf rund 16 Milliarden Dollar.
Parlamentskalender und politischer Widerstand
Ein Ausschuss des Nationalrats befasst sich im Oktober 2026 mit dem Gesetzentwurf, und Blick berichtet, dass die entscheidenden Beschlüsse im Dezember 2026 fallen sollen. Die UBS muss den Nationalrat davon überzeugen, den Entscheid des Ständerats umzukehren, was Blick als schwierige Aufgabe bezeichnet, da diese Kammer weniger bankenfreundlich sei. Finanzministerin Karin Keller-Sutter, die die Credit Suisse im Frühjahr 2023 abwickeln musste, hat auf strenge Regeln gedrängt, um einen weiteren Bankenkollaps zu verhindern. Sie sagte im September, ein Wegzug aus der Schweiz wäre rechtlich kompliziert und teuer, und das Handelsblatt berichtet, sie halte einen Weggang für unwahrscheinlich. Verwaltungsratspräsident Colm Kelleher, ein ehemaliger Spitzenmanager von Morgan Stanley, sagte im September, die Bank müsse über ihre Zukunft in der Schweiz nachdenken, falls die Regeln zu streng seien.
- Die Credit Suisse wird unter Karin Keller-Sutter abgewickelt
- Der Ständerat stimmt für eine strengere Unterlegung ausländischer Tochtergesellschaften
- Ein Ausschuss des Nationalrats befasst sich mit dem Gesetzentwurf
- Das Parlament legt laut Blick die entscheidenden Regeln fest
Economiesuisse-Chefökonom Rudolf Minsch, 59, warnte im September in Blick vor dem Verlust der Credit Suisse.
Wir spüren bereits, dass die Credit Suisse fehlt. Wir brauchen eine starke Schweizer Grossbank, denn sonst würde es noch schwieriger, besonders bei grossen Krediten.
Ökonomen und der Standort Schweiz
Simon Amrein, Professor an der Hochschule Luzern, nannte einen Wegzug in Kommentaren für die Nachrichtenagentur AWP «rechtlich und operativ sehr anspruchsvoll». Er hält es für sehr wahrscheinlich, dass der UBS-Verwaltungsrat solche Szenarien ernsthaft prüft, da die Überprüfung strategischer Optionen zur Führungsaufgabe gehöre. Er wies darauf hin, dass die Steuerzahler neben den Aktionären ein zweiter wichtiger Stakeholder einer systemrelevanten Schweizer Bank seien. Amrein nannte politische und wirtschaftliche Stabilität, Rechtssicherheit und qualifizierte Mitarbeitende als Schweizer Stärken und sagte, er bezweifle, dass regulatorische Gewinne den Verlust von Kunden aufwiegen würden. Der Ökonom Aymo Brunetti, 63, zeigte sich gelassen und sagte zu Blick, wenn die UBS wegen dieser moderaten neuen Regel gehe, sei sie «ohnehin schon halb weg» gewesen. Konzernchef Sergio Ermotti sagte zu CNBC, ein Verbleib in der Schweiz sei für die Wirtschaft und die Aktionäre sinnvoll, während Artisan Partners die geplanten Regeln als «strafend» bezeichnete und Anfang Oktober einen Wegzug forderte.
Gerüchte und wie es weitergeht
Blick berichtete Ende September unter Berufung auf Insider, dass mehrere ausländische Banken Interesse an einer Fusion mit der UBS signalisiert hätten. Eine gut informierte Quelle sagte der Zeitung, mindestens acht globale Finanzinstitute seien für Gespräche mit der UBS-Führung offen. Finanzportale nennen die Deutsche Bank und Standard Chartered als mögliche Interessenten, doch welche Banken beteiligt sind, bleibt offen. Blick merkt zudem an, dass seit dem Frühjahr 2025 Gerüchte über einen Wechsel in die USA kursieren. Die nächsten konkreten Schritte sind die Ausschussarbeit im Oktober 2026 und die für Dezember 2026 erwarteten Parlamentsentscheide.