- Oktober 2025Gericht ordnet eine gesonderte Verhandlung zur zeitlichen Frage mit 20 Beispielklägern an
- Juni 2026Anhörung zur zeitlichen Frage findet Ende Juni mit den 20 Beispielklägern statt
- 19.10.High Court weist die Klagen als verjährt ab
Das Urteil
Richter Simon Birt vom High Court in London wies am Montag, 19. Oktober 2026, eine Klage von mehr als 13.000 Black-Cab-Fahrern gegen Uber ab. Der Richter befand, die Fälle seien verjährt, also erst nach Ablauf der Sechsjahresfrist für derartige Ansprüche erhoben worden. In einem schriftlichen Urteil prüfte er nicht, ob die Vorwürfe zutreffen; das Gericht traf daher keine Feststellung dazu, ob Uber Transport for London getäuscht hat. Die Financial Times nannte 13.300 Fahrer, andere Berichte sprachen von mehr als 13.000. Da die Entscheidung auf der zeitlichen Frage beruht, werden die Vorwürfe nur dann geprüft, wenn die Kläger in einer Berufung obsiegen.
Was die Fahrer vorwarfen
Die Kläger machten geltend, Uber habe Transport for London irreführende Informationen gegeben, als das Unternehmen 2012 eine Lizenz als privater Mietwagenbetreiber erhielt, und diese Lizenz anschließend genutzt, um den traditionellen Black Cabs Geschäft zu entziehen. Die Ansprüche umfassten den Zeitraum von Mitte 2012 bis März 2018. Die Fahrer wurden von der Anwaltskanzlei Mishcon de Reya vertreten und verlangten laut Financial Times Schadensersatz von bis zu 25.000 Pfund pro Person. Derselbe Bericht nannte als weitere der behaupteten Taktiken eine Software namens „Greyball“, die Regulierungsbehörden gefälschte App-Ansichten mit Phantomfahrzeugen zeigte, sowie einen sogenannten „Kill Switch“ namens „Ripley“. Uber bestritt sämtliche Vorwürfe.
Der Wert der Ansprüche wurde unterschiedlich angegeben. Die BBC bezifferte die beiden Klagen auf etwa 340 Mio. Pfund, wobei die Fahrer knapp 200 Mio. Pfund und die Klage der früheren Mietwagenfirmen Kabbie und Iride etwa 140 Mio. Pfund verlangten. The Next Web nannte 199 Mio. Pfund und 141 Mio. Pfund für die beiden Klagen, Bloomberg führte 250 Millionen Pfund (333 Millionen Dollar) für die Klage der Fahrer an. Uber hat die alten Ansprüche als völlig unbegründet bezeichnet.
- Black-Cab-Fahrer (etwa 13.000)
- 199 Mio. £
- Kabbie und Iride
- 141 Mio. £
Daten aus dem Artikeltext
Warum der Richter die Klagen für zu spät hielt
Nach englischem Recht müssen die meisten derartigen Ansprüche innerhalb von sechs Jahren erhoben werden, nachdem die Kläger erfahren haben, dass sie einen aussichtsreichen Anspruch haben; Uber argumentierte, jeder einzelne Anspruch falle aus diesem Zeitfenster. Die Fahrer hielten dagegen, die Frist müsse später beginnen, da sie die behauptete Täuschung vor einer Gerichtsanhörung im Juni 2018 über Ubers Lizenz – im Anschluss an die Entscheidung von TfL aus dem Jahr 2017, die Verlängerung zu verweigern – vernünftigerweise nicht hätten aufdecken können. Der Richter verwarf dieses Argument. Er verwies auf ein Schreiben von TfL vom September 2017, in dem die Verlängerung von Ubers Lizenz abgelehnt und die App als irreführend beschrieben wurde – ein Schreiben, das die London Taxi Drivers Association im Dezember 2017 veröffentlichte. Er erklärte, die Kläger hätten innerhalb von Wochen nach dieser Veröffentlichung Schritte einleiten können, und es habe 2017 allgemein genügend bekannte Informationen gegeben, um sich an Anwälte zu wenden.
Der Richter erklärte zudem, Black-Cab-Fahrer seien generell gut informiert gewesen:
„Black-Cab-Fahrer waren im Allgemeinen gut informiert, über eine Reihe von Quellen, darunter ihre Branchenverbände“
Er fügte hinzu, es habe bereits Jahre vor 2018 die vorherrschende Auffassung gegeben, dass Uber rechtswidrig operiere und TfL getäuscht haben müsse. Ob Uber TfL tatsächlich getäuscht hat, entschied der Richter nicht. Im Oktober 2025 hatte das Gericht eine gesonderte Verhandlung allein zur zeitlichen Frage angeordnet, mit 20 Beispielklägern, zehn von jeder Seite benannt; diese Anhörung fand Ende Juni 2026 statt.
Reaktionen und nächste Schritte
Uber erklärte, man sei erfreut, dass das Gericht jede Klage bei der erstmöglichen Gelegenheit abgewiesen habe, und dass das Urteil die alten Angelegenheiten abschließe. RGL Management, das die Klagen für die Kläger verwaltete, zeigte sich enttäuscht und prüfte mit seinem Rechtsteam die weiteren Möglichkeiten. Die Financial Times berichtete zudem, die Prozessfinanzierung habe zu der Verzögerung beigetragen, nachdem sich der ursprüngliche Geldgeber der Fahrer, Harbour, 2019 zurückgezogen hatte. Auf Uber kommt in der Woche des 26. Oktober 2026 ein separates Verfahren zu, in dem das Unternehmen einen Steuerstreit mit HM Revenue and Customs im Wert von mehr als 1 Mrd. Pfund bestreitet. Sollten die Kläger in der Berufung nicht obsiegen, endet das Londoner Verfahren hier.