
Tschechien rechnet mit Rekordhitze von 41 °C – Notrufe steigen um 30 Prozent
Am Sonntag könnten die Temperaturen auf 41 °C klettern und damit den nationalen Rekord von 40,4 °C aus dem Jahr 2012 gefährden. In den Krankenhäusern des Landes steigen die hitzebedingten Aufnahmen um bis zu 30 Prozent.
Rekordhitze in Sicht
Meteorologen warnen, dass am Sonntag die höchste jemals in Tschechien gemessene Temperatur erreicht werden könnte. Der bisherige absolute Rekord von 40,4 °C wurde am 20. August 2012 in Dobřichovice aufgestellt. Die Prognosen für den 28. Juni deuten auf eine sehr warme Luftmasse in rund 1500 Metern Höhe hin, ähnlich oder wärmer als 2012. Hinzu kommen die längeren Junitage, die einen neuen Rekord begünstigen. Die höchsten Werte werden in Mittelböhmen, im Elbtiefland, im Egerbecken und in Südmähren erwartet.
- Frankreich verzeichnet den heißesten Tag des Jahres; drei Viertel des Landes unter roter Alarmstufe.
- Erster tschechischer Temperaturrekord um 11 Uhr in Rýmařov (30,3 °C); viele weitere Stationen folgen.
- Temperaturen in Tschechien zwischen 35 und 40 °C erwartet; zahlreiche Outdoor-Veranstaltungen abgesagt.
- Höhepunkt der Hitzewelle: bis zu 41 °C möglich; der absolute Rekord von 40,4 °C ist ernsthaft gefährdet.
- Abkühlung von Westen her; in Osttschechien noch sehr hohe Temperaturen möglich.
Belastung für Rettungsdienste
Rettungsdienste und Krankenhäuser verzeichnen bereits einen deutlichen Anstieg hitzebedingter Einsätze. In Südböhmen stieg die Zahl der Notrufe von üblichen 238 auf 306 pro Tag. Monika Nováková, Sprecherin des Rettungsdienstes Mittelböhmen, berichtete von 44 Kreislaufkollapsen innerhalb von 24 Stunden.
Die Zahl der Einsätze steigt immer, wenn es sehr heiß oder sehr kalt wird. In den letzten 24 Stunden hatten wir 44 Fälle von Kreislaufkollaps.
In den Prager Krankenhäusern stiegen die Aufnahmen um 10 bis 30 Prozent. Das Gesundheitsministerium nennt Dehydrierung, Hitzschlag und die Verschlimmerung chronischer Erkrankungen (wie Asthma oder Bluthochdruck) als häufigste Beschwerden. Besonders gefährdet sind ältere Menschen und Kleinkinder, deren Temperaturregulation weniger effizient ist.
Städte reagieren mit Wasser und Absagen
Viele Gemeinden stellen Nebelduschen, Wassersprenkler und schattige Sitzgelegenheiten bereit. In Brünn fährt dreimal täglich ein Sprengelfahrzeug durch die Innenstadt; nur rund 57 Prozent der Busse und Bahnen haben funktionierende Klimaanlagen. Fahrer erhalten Elektrolytgetränke und können sich bei Unwohlsein sofort ablösen lassen.
Einige Veranstaltungen wurden abgesagt. Olmütz sagte sein traditionelles Sonntagskonzert im Freien und eine Feier zum Schuljahresende ab; das Museum Mähren öffnet seinen Dachgarten nicht. In Mährisch-Neustadt findet das Street-Food-Festival am Samstag statt, allerdings mit zusätzlichen Schattenbereichen, Wasserspendern und Unterstützung der Feuerwehr, um den sonnengeheizten Marktplatz zu kühlen.
Heißere Zukunft
Klimatologen zufolge fügt sich die Hitzewelle in einen langfristigen Trend ein. Radim Tolasz vom Tschechischen Hydrometeorologischen Institut betont, dass extreme Hitzeperioden länger und häufiger werden.
Vor 50 Jahren oder mehr traten solche Perioden nur selten auf, meist im August, und dauerten höchstens fünf oder sechs Tage. Heute dauern sie zehn bis fünfzehn Tage, können mehr als einmal im Sommer auftreten und beginnen oft schon im Juni oder reichen bis in den September.
- 1961–1990
- 5 Tage/Jahr
- 1991–2020
- 11 Tage/Jahr
- Letzte 15 Jahre
- 13 Tage/Jahr
In ganz Europa steigen die Temperaturen. Frankreich verzeichnete am Donnerstag den heißesten Tag des Jahres und stellte drei Viertel des Landes unter die höchste Alarmstufe Rot. In Spanien geht das MoMo-Monitoring-System von mehr als 200 hitzebedingten Todesfällen aus. Tropennächte mit Temperaturen über 20 °C belasten die Gesundheitssysteme Südeuropas zusätzlich.
Der Höhepunkt der aktuellen tschechischen Hitzewelle wird am Sonntag erwartet. Ab Montag zieht kühlere Luft aus Westen heran, und die Temperaturen sollen wieder auf ein normales Niveau sinken.


