
Trump droht NATO-Verbündeten auf dem Ankara-Gipfel, lobt sie dann und verspricht Raketen für die Ukraine
Am letzten Tag des NATO-Gipfels in Ankara setzte Präsident Trump die Verbündeten einer Flut von Kritik aus, bevor er die Versammlung plötzlich als ‚voller Einheit‘ lobte und Patriot-Raketen für die Ukraine versprach.
Trumps stürmischer Morgen
Präsident Donald Trump eröffnete den letzten Tag des NATO-Gipfels in Ankara am 8. Juli mit einer scharf kritischen Tirade gegen die europäischen Verbündeten, denen er unzureichende Verteidigungsausgaben vorwarf. Die Morgensitzung, die von Teilnehmern als ‚Barrage der Kritik‘ beschrieben wurde, gab einen angespannten Ton vor, als die Führungskräfte sich auf weitere Konfrontationen gefasst machten. Doch am Nachmittag hatte sich die Stimmung dramatisch gewandelt, und der amerikanische Präsident schlug einen Ton an, den France 24 als ‚außergewöhnlich versöhnlich‘ bezeichnete. Die Wende des Tages gipfelte darin, dass Trump am Abend das Podium betrat und die Versammlung zu einem durchschlagenden Erfolg erklärte.
- Trump übt scharfe Kritik an europäischen Verbündeten wegen der Verteidigungsausgaben.
- Alle 32 NATO-Mitglieder verabschieden Abschlusserklärung, die ‚unerschütterliches‘ Bekenntnis zu Artikel 5 bekräftigt.
- Trump verspricht, der Ukraine während der Gespräche mit Präsident Selenskyj Patriot-Raketensysteme zu liefern.
- Trump lobt den Gipfel als ‚voller Einheit‘ und Erfolg.
Bündnis bekräftigt Solidarität
Trotz der anfänglichen Turbulenzen verabschiedeten alle 32 Mitgliedstaaten einstimmig eine Abschlusserklärung, die ihr ‚unerschütterliches‘ Bekenntnis zu Artikel 5 des Nordatlantikvertrags, der grundlegenden gegenseitigen Verteidigungsklausel des Bündnisses, unterstrich.
Die französische Zeitung Le Monde berichtete, dass die gemeinsame Erklärung unter starkem Druck ausgehandelt worden sei, wobei Diplomaten die ganze Nacht gearbeitet hätten, um die Forderungen des US-Präsidenten mit den europäischen Positionen in Einklang zu bringen.Ein Angriff auf einen Verbündeten ist ein Angriff auf alle.
Patriot-Raketen für die Ukraine
In einer überraschenden Wende, die Les Echos als ‚Wendepunkt für die Ukraine‘ bezeichnete, hielt Trump ein bilaterales Treffen mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj ab und versprach die Lieferung von Patriot-Luftabwehrsystemen. Die Zusage, die auf dem Gipfel nicht erwartet worden war, wurde von Kiew als großer Schub für die Luftverteidigungsfähigkeiten im anhaltenden Konflikt mit Russland begrüßt. Selenskyj, der gekommen war, um konkrete Sicherheitsgarantien zu erhalten, verließ Ankara mit der Raketenzusage in der Hand.
Einheit, zumindest in Worten
Le Figaro stellte fest, dass Trump am Ende des Gipfels von einer ‚voller Einheit‘ („plein d'unité") erfüllten Versammlung prahlte, ein scharfer Kontrast zu den Angriffen am Morgen. Europäische Führungskräfte, privat zwar verärgert, begrüßten öffentlich die erneute Bestätigung von Artikel 5 und die Raketenzusage als Beleg dafür, dass das transatlantische Band intakt geblieben sei. Der Gipfel endete, ohne dass ein Mitglied offen dem US-Präsidenten widersprach, was Analysten darüber diskutieren ließ, ob das Drama eine Verhandlungstaktik oder eine echte Kluft war.


