Pariser Gericht verpflichtet TotalEnergies, Kundenemissionen im Sorgfaltspflicht-Urteil zu berücksichtigen
Ein Pariser Gericht hat TotalEnergies angewiesen, die Emissionen aus der Nutzung seiner Öl- und Gasprodukte durch Kunden in seinen Risikoplan aufzunehmen. Dies ist die erste Anwendung des französischen Gesetzes zur unternehmerischen Sorgfaltspflicht auf den Klimawandel.
Das Urteil
Das Pariser Gericht entschied am Donnerstag, dass TotalEnergies die Emissionen aus der Nutzung seiner Öl- und Gasprodukte durch Kunden in seinen gesetzlich vorgeschriebenen Sorgfaltsplan aufnehmen muss. Das Unternehmen hatte sich zuvor auf seine direkten Betriebsemissionen konzentriert und die deutlich größeren sogenannten Scope-3-Emissionen außen vor gelassen, die entstehen, wenn Kunden seine Brennstoffe verbrennen. Das Gericht gab dem Unternehmen sechs Monate Zeit, seine Risikobewertung zu aktualisieren, und setzte für Januar 2027 eine Anhörung zur Überprüfung des neuen Dokuments an.
Das Gesetz soll Unternehmen nicht für die mit dem Klimawandel verbundenen Risiken verantwortlich machen, die sich aus allen menschlichen Aktivitäten auf dem Planeten seit der industriellen Revolution ergeben, sondern fordert sie vielmehr auf, entsprechend ihrer eigenen Situation zu handeln.
Was das Gericht nicht auferlegte
Die Klimagruppen Notre Affaire à Tous, Sherpa, ZEA und France Nature Environnement sowie die Stadt Paris hatten konkrete Maßnahmen gefordert, darunter eine Reduzierung der Ölförderung um 37 % und der Gasförderung um 25 % bis 2030 sowie einen Stopp aller neuen Projekte für fossile Brennstoffe. Das Gericht ordnete jedoch keine solchen Produktionsgrenzen an. Beide Seiten beanspruchten einen Teilsieg für sich: Die NGOs begrüßten die Anerkennung, dass das Sorgfaltspflichtgesetz Klimarisiken abdeckt, während TotalEnergies betrieblichen Beschränkungen bei Exploration und Produktion entging.
Hitzewelle als Hintergrund
Das Urteil erging, während Europa unter einer brutalen Hitzewelle leidet. Frankreich, Großbritannien und Spanien gaben rote Warnungen heraus, die den Eiffelturm und den Louvre zwangen, ihre Besuchszeiten einzuschränken, und den Verkehrsplan durcheinanderbrachten. In den letzten vier Jahren starben laut Weltgesundheitsorganisation mehr als 200.000 Europäer an hitzebedingten Ursachen, von denen die meisten vermeidbar gewesen wären. Europa ist der sich am schnellsten erwärmende Kontinent, mit Temperaturen, die seit den 1980er Jahren doppelt so schnell steigen wie der globale Durchschnitt, wie Copernicus-Daten zeigen.
Nächste Schritte
TotalEnergies muss nun seinen Sorgfaltsplan überarbeiten, um darzulegen, wie die Verbrennung seiner Brennstoffe durch Endverbraucher zum Klimarisiko beiträgt, und Maßnahmen zur Minderung dieser Auswirkungen skizzieren. Eine Folgeanhörung vor Gericht Anfang 2027 wird prüfen, ob das Unternehmen nachgekommen ist. Das Urteil wird voraussichtlich Klimaklagen in ganz Europa Auftrieb geben und baut auf einer wachsenden Zahl von Fällen auf, die versuchen, Ölkonzerne für Scope-3-Emissionen zur Verantwortung zu ziehen.
- NGOs reichen Klage nach dem Sorgfaltspflichtgesetz von 2017 ein
- Gericht ordnet an, dass TotalEnergies innerhalb von sechs Monaten Kundenemissionen berücksichtigen muss
- Geplante Anhörung zur Überprüfung des aktualisierten Sorgfaltsplans des Unternehmens

