Syrien und Russland vereinbaren Umwandlung der Stützpunkte Hmeimim und Tartus in gemeinsame Ausbildungszentren
Syrien hat eine Absichtserklärung mit Moskau angekündigt, die den Luftwaffenstützpunkt Hmeimim und den Marinestützpunkt Tartus in gemeinsame Ausbildungszentren umwandelt, wobei Damaskus nach 18-monatigen Verhandlungen die zivilen Einrichtungen zurückerhält.
Vereinbarung angekündigt
Das syrische Außenministerium gab am 9. August eine Absichtserklärung mit Russland bekannt, die die Zukunft der beiden verbliebenen russischen Militäreinrichtungen im Land regelt: den Luftwaffenstützpunkt Hmeimim und den Marinestützpunkt Tartus, beide an der syrischen Mittelmeerküste. Die nach eineinhalbjährigen Verhandlungen erzielte Einigung sieht vor, dass die militärischen Einrichtungen in gemeinsame russisch-syrische Ausbildungs- und Qualifizierungszentren umgewandelt werden. Damaskus erhält die Kontrolle über die zivilen Einrichtungen in Hmeimim und den kommerziellen Teil des Hafens von Tartus zurück. Der Übergang soll innerhalb von drei Monaten abgeschlossen sein, wie die syrische Nachrichtenagentur Sana meldet. Moskau hat sich zu der Vereinbarung bisher nicht öffentlich geäußert.
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Strategische Bedeutung
Hmeimim und Tartus waren die einzigen offiziellen russischen Militärstützpunkte außerhalb des ehemaligen sowjetischen Raums. Beide blieben während der gesamten Verhandlungen in Betrieb. Auf dem Höhepunkt seiner Stationierung im Jahr 2024 unterhielt Russland laut dem syrischen Medium Enab Baladi bis zu 114 Stützpunkte und Militärpositionen in ganz Syrien. Bis 2025 war diese Zahl auf drei gesunken, und Anfang dieses Jahres zog Russland seine Streitkräfte vom Flughafen Qamischli im kurdischen Nordosten ab, sodass nur noch die beiden Küstenstützpunkte übrig blieben.
- 2024 (Höchststand)
- 114
- 2025
- 3
- Anfang 2026
- 2
Zivile Übergabe
Der syrische Außenminister Asaad al-Chaibani inspizierte die von der Vereinbarung betroffenen Einrichtungen am Sonntag. Die syrische Zivilluftfahrtbehörde gab durch ihren Direktor Omar al-Hasri bekannt, dass sie die Kontrolle über den Internationalen Flughafen Latakia übernommen habe, eine zivile Einrichtung neben Hmeimim, deren Betrieb eng mit der russischen Militärpräsenz verbunden war. Al-Hasri sagte, die Behörde werde an der Sanierung des Flughafens arbeiten und nannte dies einen wichtigen Schritt zur Wiedereingliederung der syrischen Flughäfen in das nationale Zivilluftfahrtsystem.
Politischer Hintergrund
Russland war ein wichtiger Verbündeter des ehemaligen Präsidenten Baschar al-Assad während des syrischen Bürgerkriegs, der 2011 mit Protesten des Arabischen Frühlings begann. Die militärische Intervention Moskaus im Jahr 2015 half, das Blatt zugunsten Assads durch Luftangriffe auf von Rebellen gehaltene Gebiete zu wenden. Assad wurde im Dezember 2024 von einer Koalition von Rebellenkräften unter der Führung des derzeitigen Präsidenten Ahmed al-Sharaa gestürzt und floh mit seiner Familie nach Russland. Trotz der engen Beziehungen Russlands zum früheren Regime haben die neuen Behörden in Damaskus die Beziehungen zu Moskau nie abgebrochen. Al-Sharaa wurde seit seiner Machtübernahme zweimal von Wladimir Putin in Moskau empfangen. Bei seinem letzten Besuch im Januar lobte Putin al-Sharaas Bemühungen zur Wiederherstellung der territorialen Integrität Syriens. Damaskus hat wiederholt die Auslieferung Assads von Russland gefordert.
Einschätzung von Analysten
Alexey Muraviev, Senior Research Fellow für Verteidigungs- und Strategiestudien an der Edith Cowan University in Westaustralien, sagte gegenüber Al Jazeera, dass das Abkommen gegenseitige Abhängigkeit widerspiegele.
Das Abkommen zwischen Russland und der syrischen Regierung zeigt, dass beide Länder einander brauchen.
Er fügte hinzu, dass Damaskus wahrscheinlich nicht daran interessiert sei, seine langjährige Beziehung zu Russland zu beenden. Für Damaskus diene die Aufrechterhaltung einer russischen Militärpräsenz auch als Gegengewicht zur Türkei, deren Streitkräfte in Nordsyrien stationiert sind. Für Moskau bewahrt die Regelung einen Stützpunkt an der Mittelmeerküste und den Zugang zu eisfreien Häfen, wodurch ein vollständiger Rückzug aus einem Land vermieden wird, in das es jahrzehntelang stark investiert hat. Alexander Baunov vom Carnegie Center stellte fest, dass Russlands Intervention in Syrien 2015 Moskau geholfen habe, die diplomatische Isolation zu durchbrechen, die auf die Annexion der Krim folgte, und die internationale Gemeinschaft gezwungen habe, sich mit Russland als globalem Akteur zu befassen, anstatt nur in Ukraine-bezogenen Angelegenheiten.

