
Mindestens drei Frauen sterben bei Massenpanik während einer Geldausgabe im nigerianischen Bundesstaat Niger
Tausende versammelten sich vor der Residenz von Gouverneur Mohammed Umaru Bago in Minna für eine Ausgabe von 10.000 Naira, bevor ein Gedränge mindestens drei Tote und sechs Verletzte forderte.
Tödliches Gedränge vor der Residenz des Gouverneurs
Am Dienstagabend versammelten sich Tausende Einwohner vor der offiziellen Residenz des Gouverneurs des Bundesstaates Niger, Mohammed Umaru Bago, in Minna, der Hauptstadt des Bundesstaates im Zentrum Nigerias. Die Menge hatte sich für eine direkte Verteilung von Bargeld in Höhe von 10.000 Naira – rund 6,65 Euro – pro Person eingefunden. Als die Versammlung wuchs, ging die starke Überfüllung des Ortes in eine tödliche Massenpanik über. Eine Rettungskraft des Allgemeinkrankenhauses Minna berichtete, dass nach dem Vorfall drei Leichen und sechs Verletzte direkt in die medizinische Einrichtung gebracht wurden. Die Rettungskraft bat um Anonymität, weil sie berufliche Sanktionen seitens der Staatsbehörden befürchtete. Während das lokale medizinische Personal drei Todesfälle bestätigte, verzeichnete ein separater, für die Vereinten Nationen erstellter Sicherheitsbericht eine höhere Zahl von fünf Todesopfern. Ein Polizeisprecher erklärte, die Strafverfolgungsbehörden seien noch dabei, detaillierte Informationen zu dem Vorfall zu sammeln.
Sechs Verletzte wurden gleichzeitig mit drei Leichen eingeliefert.
Verteilung sollte Protesten vorbeugen
Die Geldausgabe war von den Behörden teilweise organisiert worden, um eine geplante öffentliche Demonstration in der Region zu verhindern. Der erwartete Protest richtete sich gegen den Tod von 37 illegalen Goldschürfern, die sich zwei Wochen zuvor in staatlichem Gewahrsam befunden hatten. Laut einem Sicherheitsbericht der Vereinten Nationen starben diese Bergleute an Erstickung, während sie in einer überfüllten und schlecht belüfteten Zelle eingesperrt waren. Der Tod der 37 Häftlinge unter elenden Bedingungen hatte im gesamten Bundesstaat Niger große öffentliche Empörung ausgelöst. Beamte versuchten, die lokale Unruhe zu entschärfen, indem sie den Einwohnern Bargeld direkt anboten, bevor sich die Demonstrationen in der Hauptstadt des Bundesstaates entfalten konnten. Das Fehlen von Maßnahmen zur Besucherlenkung vor dem Anwesen des Gouverneurs verwandelte die präventive Hilfsaktion in eine sekundäre Katastrophe.
- 37 in staatlichem Gewahrsam festgehaltene illegale Goldschürfer sterben an Erstickung
- Tödliche Massenpanik bei einer Ausgabe von 10.000 Naira vor der Residenz des Gouverneurs des Bundesstaates Niger fordert mindestens 3 Tote
- Angesetzter Termin für die Präsidentschafts-, Parlaments- und Senatswahlen in Nigeria
Wirtschaftliche Not und wiederkehrende Massenpaniken
Nigeria erlebt einen starken Anstieg der Lebenshaltungskosten einhergehend mit einer mehrjährigen Wirtschaftskrise, die Millionen Bürger in akute Armut gestürzt hat. Tödliche Gedränge bei Geld- und Lebensmittelverteilungen ereignen sich in dem westafrikanischen Land häufig, weil gefährdete Haushalte grundlegende finanzielle Unterstützung suchen. In Minna lockte das Versprechen von 10.000 Naira Tausende Einwohner zur Residenz des Gouverneurs, ohne ausreichende Absperrungen oder Warteschlangenmanagement. Die im örtlichen Krankenhaus identifizierten Todesopfer waren alle Frauen, die sich für die Geldhilfe angestellt hatten.
Alle Todesopfer waren Frauen.
Politische Patronage und bevorstehende nationale Wahlen
Direkte Verteilungen von Bargeld und Lebensmitteln in ganz Nigeria dienen regelmäßig einem doppelten Zweck: als Nothilfe und als politischer Stimmenkauf. Das tödliche Gedränge in Minna ereignete sich vor den angesetzten nationalen Wahlen; Nigeria soll am 16. Januar Präsidentschafts-, Parlaments- und Senatswahlen abhalten. Politische Kandidaten und Amtsträger der Bundesstaaten organisieren routinemäßig Geldausgaben in städtischen Zentren, wenn die Wahlkämpfe an Fahrt aufnehmen. Die lokale Polizei und die Rettungsdienste haben noch keine abschließende Bilanz der Gesamtopfer vorgelegt, während die Untersuchungen zu der Verteilung vom Dienstag andauern.

