
Explosion in von Rebellen gehaltenem Sprengstofflager im Nordosten Myanmars tötet Dutzende, verletzt über 70
Eine gewaltige Explosion in einem Lager für Minensprengstoff in einem von Rebellen kontrollierten Dorf im Shan-Staat Myanmars tötete mindestens 46 bis 59 Menschen und verletzte über 70, während die Rettungsarbeiten inmitten von Verwüstung andauern.
Eine heftige Explosion erschütterte am Sonntag das Dorf Kaung Tat im Nordosten Myanmars, tötete Dutzende Menschen und verletzte viele weitere. Die Detonation ereignete sich gegen Mittag Ortszeit und ging von einem Gebäude aus, in dem gewerbliche Sprengstoffe für den Bergbau gelagert wurden. Das Gebiet wird von der Ta'ang National Liberation Army (TNLA) kontrolliert, einer ethnischen bewaffneten Gruppe, die sich im Konflikt mit der Militärjunta Myanmars befindet.
Opfer und Schäden
Die Angaben zur genauen Zahl der Todesopfer variieren. Das lokale Medienunternehmen The Irrawaddy berichtete von mindestens 46 Toten, darunter sechs Kinder, während die BBC und die Shwe Phee Myay News Agency von mindestens 55 Toten ausgingen, darunter 25 Frauen und 30 Männer. Andere Quellen, darunter ein von AFP zitierter Rettungshelfer, beziffern die Zahl auf bis zu 59. Über 70 Menschen wurden verletzt, und rund 100 Häuser wurden schwer beschädigt oder zerstört. Rettungskräfte suchten noch Stunden nach dem Vorfall unter den Trümmern nach Überlebenden. Das örtliche Krankenhaus in Namhkam meldete einen akuten Mangel an Blutkonserven für die Behandlung der Verletzten.
Augenzeugenberichte
Anwohner schilderten Szenen des Chaos und der Verwüstung. Viele glaubten zunächst, die Explosion sei ein Luftangriff gewesen. Eine Überlebende erzählte der BBC, dass ihr Handy ihr das Leben gerettet habe, da sie in ihrem Schlafzimmer Nudeln aß und auf das Gerät schaute, als die Detonation erfolgte. Sie erlitt eine leichte Beinverletzung, aber ihr Haus wurde zerstört.
Die Menschen weinten, riefen nach ihren Eltern. Es fühlte sich an, als wäre die Welt untergegangen.
Ein anderer Anwohner sagte dem lokalen Sender DVB, dass Sprengstoffpakete in die Umgebung geschleudert worden seien und Häuser in einer Entfernung von bis zu zwei Meilen beschädigt hätten.
Reaktion der Rebellengruppe
Die TNLA bestätigte, dass sich das Lager unter ihrer Kontrolle befand und gewerbliche Sprengstoffe, insbesondere Gelignit, enthielt, die für Sprengungen in Bergwerken und Steinbrüchen verwendet werden. Die Gruppe sprach den Familien der Opfer ihr tiefstes Beileid aus und kündigte eine umfassende Untersuchung der Explosionsursache an. Sie gelobte, Verantwortliche zur Rechenschaft zu ziehen. Die TNLA erklärte, dass Hilfs-, Gesundheits- und Rehabilitationsmaßnahmen für die betroffenen Familien so bald wie möglich bereitgestellt würden.
Die Palaung State Liberation Front/TNLA spricht den Familien derjenigen, die durch die Explosion ihr Leben verloren, verletzt wurden oder Schäden erlitten haben, ihr tiefstes Beileid aus.
Konflikthintergrund
Die Explosion ereignete sich in einer an Rubinen und anderen Mineralien reichen Region nahe der chinesischen Grenze. Die TNLA ist eine der mächtigsten ethnischen bewaffneten Gruppen in Myanmar, die für mehr Autonomie kämpft. Sie unterzeichnete im Oktober nach von China vermittelten Gesprächen einen Waffenstillstand mit der Militärjunta, doch die Beziehungen bleiben angespannt. Myanmar befindet sich seit der Machtübernahme des Militärs im Jahr 2021 in einem Bürgerkrieg, wobei die Armee gegen eine Reihe von prodemokratischen und ethnischen bewaffneten Gruppen kämpft. Die Stadt Namhkam wurde während der sogenannten Operation 1027 von der TNLA und ihren Verbündeten eingenommen.


