Thailändische Polizei verhaftet buddhistischen Abt wegen Veruntreuung von 100 Millionen Baht und Bruch des Zölibats
Die Behörden in Thailand nahmen den 66-jährigen ehemaligen Abt Phra Wachirayan Wi und eine 47-jährige Frau fest, nachdem in Wat Phutthaisawan in Ayutthaya veruntreute Spenden, Goldbarren und Videoaufnahmen aus dem Speisesaal entdeckt worden waren.
Festnahme und Anklage wegen Veruntreuung
Die thailändischen Strafverfolgungsbehörden nahmen am Freitag, dem 11. September 2026, den 66-jährigen buddhistischen Mönch Phra Wachirayan Wi fest, der verdächtigt wird, 100 Millionen Baht (etwa 3 Millionen Dollar) aus seinem Kloster veruntreut zu haben. Die Ermittler erklären, dass der ehemalige Abt von Wat Phutthaisawan, einem Tempelkomplex aus dem 14. Jahrhundert in der alten Hauptstadt Ayutthaya, über einen Zeitraum von zwei Jahren bei mehr als 20 verschiedenen Gelegenheiten Spenden vorenthalten habe. Die gegen ihn erhobenen Anklagen umfassen Veruntreuung und Geldwäsche. Nach der Festnahme enthob die Klosterbehörde Phra Wachirayan Wi seines Amtes und schloss ihn aus dem Orden aus. In Thailand legen buddhistische Mönche strenge Zölibatsgelübde ab und entsagen persönlichem materiellem Besitz. Bis Samstag haben weder der ehemalige Abt noch seine mutmaßliche Komplizin öffentliche Stellungnahmen zu den Vorwürfen abgegeben.
Ermittlungen zu umgeleiteten Tempelspenden
Die strafrechtlichen Ermittlungen wurden Mitte Juli 2026 eingeleitet, nachdem die Strafverfolgungsbehörden einen anonymen Hinweis auf mutmaßliche Misswirtschaft mit Klostergeldern erhalten hatten. Die Ermittler identifizierten zwei separate Finanzierungsströme, die mit offiziellen Spendenquittungen verbunden waren, die Phra Wachirayan Wi im Namen des Tempels ausgestellt hatte. Der erste Strom bestand aus Geldern, die von Gönnern für umfangreiche strukturelle Renovierungen an der historischen Stätte bereitgestellt wurden, der zweite aus Zahlungen für geweihte Amulette und andere heilige Artefakte. Laut Polizeiberichten gelangte keines der über beide Kanäle gesammelten Gelder jemals auf die offiziellen Bankkonten von Wat Phutthaisawan.
Aber das Geld aus beiden Strömen gelangte nicht auf das Konto des Tempels. Kein einziger Baht.
Durchsuchungen der Wohnräume und beschlagnahmte Beweise
Am Donnerstag, dem 10. September 2026, vollstreckten Polizeieinheiten einen Durchsuchungsbefehl in der Wohnung von Phra Wachirayan Wi, wo sie große Mengen Bargeld und Goldbarren im Wert von über 100 Millionen Baht entdeckten. Das Volumen an physischem Bargeld und Barren war so beträchtlich, dass die Zählarbeiten bis spät in die Nacht andauerten. Bei der Durchsicht von in der Wohnung gespeicherten Videoaufnahmen der Überwachungskameras fanden die Beamten Aufnahmen, die den Mönch beim Geschlechtsverkehr mit einer Frau auf seinem Esstisch zeigen. Im Rahmen der größeren Aktion beschlagnahmten die Behörden Vermögenswerte im Wert von rund 5,6 Millionen Euro, darunter 16 Kilogramm Goldbarren, verschiedenen Schmuck und 28 Grundstückstitel, während sie gleichzeitig versuchten zu ermitteln, welche Gegenstände dem Tempel gehören.
- Polizei leitet nach einem anonymen Hinweis Ermittlungen zu den Finanzen von Wat Phutthaisawan ein
- Beamte durchsuchen die Wohnung von Phra Wachirayan Wi und beschlagnahmen Bargeld, Gold und Überwachungsaufnahmen
- Polizei nimmt Phra Wachirayan Wi und Punyavee Rungrueang fest und gibt die Beschlagnahmung von Vermögenswerten bekannt
Festnahme der Komplizin und weitere Untersuchungen
Die Beamten identifizierten die Frau auf dem Video als die 47-jährige Punyavee Rungrueang und nahmen sie wegen Beihilfe zu unerlaubten Handlungen eines Staatsbeamten fest, eine rechtliche Kategorie, die angewendet wird, weil thailändische Mönche staatliche Zuwendungen erhalten. Eine anschließende Durchsuchung ihres Privathauses förderte 35 goldene Amulette sowie rund 1,5 Kilogramm Goldbarren und Schmuck zutage, mit einem geschätzten Gesamtwert von 6,04 Millionen Baht (etwa 185.000 Dollar). Die Polizeiermittler stellten fest, dass jährlich zig Millionen Baht durch ihre Bankkonten flossen. Phra Wachirayan Wi war weithin bekannt für die Herstellung von Münzamuletten, von denen Stücke auch prominenten Persönlichkeiten wie dem thailändischen Premierminister Anutin Charnvirakul gehören. Sein Tempel zog Anhänger aus den Reihen von Regierungsbeamten, Polizeikommandeuren, Militärangehörigen und Wirtschaftsführern an, und die Polizei gab an, dass zwei oder drei weitere Verdächtige noch untersucht werden.


