
Taty Almeida, Ikone der argentinischen Mütter der Plaza de Mayo, stirbt mit 95 Jahren
Die Präsidentin der Madres de Plaza de Mayo Línea Fundadora suchte ein halbes Jahrhundert lang nach ihrem verschwundenen Sohn und wurde zum Symbol des Kampfes gegen die Straflosigkeit der Diktatur.
Das Versprechen einer Mutter
Am 17. Juni 1975 sagte Alejandro Almeida, ein 20-jähriger Medizinstudent und linker Aktivist: „Mamma, torno subito“ und verließ das Haus. Er kehrte nie zurück. Er wurde von der rechtsextremen paramilitärischen Gruppe Triple A entführt, Monate bevor die argentinische Militärdiktatur von 1976–1983 begann. Taty Almeida suchte nach Antworten, sprach sogar mit Diktator Jorge Rafael Videla, fand aber keine. Sie barg die sterblichen Überreste ihres Sohnes nie.
Beitritt zu den Müttern
Geboren als Lidia Stella Mercedes Miy Uranga am 28. Juni 1930 in eine Militärfamilie, war Almeida Lehrerin. Sie schloss sich 1979 den Madres de Plaza de Mayo an, Jahre nachdem sich die ersten 14 Frauen am 30. April 1977 vor dem Präsidentenpalast versammelt hatten. Zunächst zögerte sie:
Von da an war ihr weißes Kopftuch bei Demonstrationen, Prozessen und in politischen Debatten stets präsent.Ich hatte Angst hinzugehen. Mit meinem Lebenslauf hätte ich für eine Spionin gehalten werden können. Einmal in der Organisation, war es eine Offenbarung.
Eine Stimme für Wahrheit und Gerechtigkeit
Almeida wurde Präsidentin der Fraktion Línea Fundadora und führte die Gruppe ab 2024. Sie betonte, dass die Zeit die Abwesenheit der Verschwundenen nicht heile und dass ihr Sohn sie politisch „geboren“ habe, indem er sie aus der Blase holte, in der sie gelebt hatte. Die Organisation schätzt, dass unter der Diktatur 30.000 Menschen verschwunden sind.
- Sohn Alejandro verschwindet, entführt von der Triple A.
- Schließt sich den Madres de Plaza de Mayo an.
- Wird Präsidentin der Línea Fundadora.
- Spricht beim 50. Jahrestag des Putsches von 1976.
- Stirbt im Hospital Italiano in Buenos Aires im Alter von 95 Jahren.
Opposition und letzte Jahre
In den letzten Jahren stellte sich Almeida offen gegen die Regierung von Präsident Javier Milei wegen dessen Politik in den Bereichen Erinnerung, Wahrheit und Gerechtigkeit. Sie war eine zentrale Stimme bei den Gedenkfeierlichkeiten zum 50. Jahrestag des zivil-militärischen Putsches im März 2026. Ihre letzten drei Wochen verbrachte sie im Krankenhaus.
Tod und Vermächtnis
Almeida starb am 14. Juni 2026 um 19:20 Uhr Ortszeit im Hospital Italiano in Buenos Aires. Ihre Familie sagte: „Um 19:20 Uhr am 14. Juni ist unsere liebe Taty Almeida im Hospital Italiano verstorben. 30.000 inhaftiert-verschwunden, jetzt und für immer präsent!“
Unermüdliche Kämpferin, die das Leben ehrte. Leb wohl, liebe Taty.


