
EU empfängt erste Taliban-Delegation in Brüssel zu Gesprächen über Rückkehr von Migranten – heftige Menschenrechtskritik
Erstmals traf die Europäische Union am Dienstag in Brüssel eine Taliban-Delegation und erörterte die Rückkehr afghanischer Asylsuchender – während Belgien auf die Abschiebung verurteilter Straftäter drängt.
Beispiellose technische Gespräche
Am 23. Juni führten die Europäische Kommission und 15 Mitgliedstaaten unter dem gemeinsamen Vorsitz Schwedens ein technisches Treffen mit fünf Vertretern der afghanischen De-facto-Behörden, angeführt von Außenamtssprecher Abdul Qahar Balkhi. Das Treffen, eine Fortsetzung erster Kontakte in Kabul im Januar 2026, konzentrierte sich auf die Identifizierung von Rückkehrern, die Ausstellung von Reisedokumenten und die Organisation von Abschiebungen. Ein EU-Sprecher, Markus Lammert, erklärte, die Gespräche seien eine Gelegenheit gewesen, Kontakte in Migrationsfragen zu knüpfen, insbesondere zur Rückkehr von Personen, die als Sicherheitsrisiko oder schwere Straftäter eingestuft werden.
Wir werden das Taliban-Regime nicht anerkennen, ganz sicher nicht, aber ich denke, es ist dennoch wichtig, mit ihnen über Migration zu sprechen.
Belgien drängt auf Rückführungen
Belgiens Asyl- und Migrationsministerin Anneleen Van Bossuyt bestätigte ein separates bilaterales Treffen mit der afghanischen Delegation. Sie bezeichnete die Gespräche als positiv und konstruktiv und kündigte an, dass nun alle Dokumente zusammengestellt seien, um dem Ministerrat eine Akte für effektive Rückführungen vorzulegen. Van Bossuyt gab bekannt, dass 157 Afghanen in Belgien inhaftiert sind, davon 72 ohne Aufenthaltsrecht, und dass eine weitere, in den letzten Jahren entlassene Gruppe untergetaucht sei.
Wir können nicht dulden, dass Afghanen, die hier schwere Verbrechen begangen haben, nach ihrer Haftstrafe frei auf belgischen Straßen herumlaufen. Menschenrechte sind essenziell, aber auch Opfer haben Rechte. Unsere Bürger verdienen Sicherheit.
Empörung von Menschenrechtsorganisationen
Der Besuch stieß auf scharfe Verurteilung. Ludovic Laus von Amnesty International Belgien nannte ihn jenseits jeder Skandalisierung und warf der EU vor, mit einem völlig freiheitsfeindlichen Regime zu paktieren. Die Friedensnobelpreisträgerin Malala Yousafzai zeigte sich erschüttert und zutiefst beunruhigt und warnte davor, dass die Taliban Frauen verhaften, verprügeln und hinrichten, die es wagen, ihre Meinung zu sagen oder sich ihren Regeln zu widersetzen. Vor dem Kommissionsgebäude fand eine Protestkundgebung statt. Jeff Crisp, ehemaliger UNHCR-Beamter und heute in Oxford, warnte, dass zurückgeführte Afghanen Verfolgung erleiden würden.
Europa darf ein Regime nicht legitimieren, das für eine der schlimmsten Menschenrechtskrisen der Welt verantwortlich ist.
Eine heikle Balance
Die EU hat sich seit der Rückkehr der Taliban an die Macht im Jahr 2021 nach einem von den USA geführten NATO-Abzug konsequent geweigert, die Taliban-Regierung anzuerkennen. Gegen den Taliban-Oberführer liegt ein Haftbefehl des Internationalen Strafgerichtshofs wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit und geschlechtsspezifischer Verfolgung vor. Doch die Kommission argumentiert, dass Engagement der einzige Weg sei, um Abschiebungen zu ermöglichen. Das belgische Außenministerium stellte ein eintägiges Visum aus, das die Anwesenheit der Delegation einschränkte, und Beamte betonten, die Gespräche seien rein technischer Natur und keine politische Anerkennung.


