
Schweizer Piloten frieren GAV-Gespräche ein und werfen Airline vor, den ‚Lufthansa-Weg‘ zu gehen und Schweizer Werte zu vernachlässigen
Die Piloten der Swiss International Air Lines haben die Gespräche über den Gesamtarbeitsvertrag bis Ende August ausgesetzt und werfen dem Management vor, die konfrontative Kultur der Lufthansa zu übernehmen und Schweizer Werte zu missachten, während das Bodenpersonal bereits eine Einigung erzielt hat.
Stockende Verhandlungen
Die Pilotenvereinigung Aeropers gab am Freitag, den 25. Juli 2026, bekannt, dass sie die Verhandlungen über den Gesamtarbeitsvertrag (GAV) mit der Swiss International Air Lines bis Ende August pausiert und geplante Verhandlungstage abgesagt hat. Der aktuelle GAV23 läuft Ende 2026 aus, und das Bodenpersonal hat bereits einem neuen Vertrag zugestimmt. Die Piloten berichten jedoch, dass die Gespräche schleppend verlaufen, wobei sechs Verhandlungsblöcke mit insgesamt 17 Tagen viele Themen abgedeckt, aber die Kluft bei den Kernfragen nicht geschlossen haben.
Der Schatten der Lufthansa
Aeropers zufolge geht es bei der Blockade um mehr als nur Dienstpläne. In einer Erklärung behauptete die Gewerkschaft, die Swiss gehe „im Moment den Lufthansa-Weg und vernachlässigt Schweizer Werte“. Sprecher Thomas Steffen sagte dem Tages-Anzeiger, dass Zustände wie bei der Lufthansa, wo Mitarbeiter regelmäßig streiken, nicht wünschenswert seien. Auch die Kabinenbesatzung der Airline hat Widerstand gezeigt: Seit Februar 2026 müssen sie bei der üblichen Passagierbegrüßung die Lufthansa Group erwähnen, doch Berichten zufolge wird dies häufig und bewusst unterlassen.
Zustände wie bei der Lufthansa sind nicht wünschenswert.
Reaktion des Managements
Die Swiss bedauert die Pause und erklärt, sie sei jederzeit bereit, die Gespräche wieder aufzunehmen. Dominik Jäggi, Leiter Flugbetrieb, räumte ein, dass die beiden Seiten bei den Kernpunkten noch weit auseinanderlägen. Er betonte, dass nachhaltige Lösungen von beiden Parteien verlangten, Prioritäten zu setzen und Kompromisse einzugehen, anstatt auf Maximalforderungen zu beharren. Jäggi widersprach dem Lufthansa-Vergleich mit der Feststellung, dass die Swiss in der Schweiz zu Hause sei und dass direkter Austausch, Verlässlichkeit und Kompromissbereitschaft zum Schweizer Weg der Lösungsfindung gehörten.
Die Swiss ist in der Schweiz zu Hause. Direkter Austausch, Verlässlichkeit und die Bereitschaft zum Kompromiss gehören zu unserem Schweizer Weg, gemeinsam Lösungen zu finden.
Beschwerden der Piloten
Aeropers zufolge hat sich die Situation bei der Arbeitszeitplanung und der Arbeitsbelastung nicht verbessert. Es gebe immer noch zu wenige Piloten, was die Swiss zwinge, Flüge an Wet-Lease-Partner wie Helvetic Airways zu vergeben. Der Gewerkschaftspräsident Janos Fazekas schrieb, Aeropers wolle einen dauerhaft eskalierenden Konflikt, wie er bei der Lufthansa zu beobachten sei, vermeiden, da dieser weder produktiv noch nachhaltig wäre und nicht den Schweizer Werten entspreche.
Ein dauerhaft eskalierender Konflikt, wie er bei der Lufthansa zu beobachten ist, entspricht nicht den Schweizer Werten und ist weder produktiv noch nachhaltig.
Direkte Maßnahmen mit der Belegschaft
Da Aeropers derzeit nicht gesprächsbereit ist, verfolgt das Swiss-Management direkte Lösungen mit der Belegschaft. Es hat den Piloten angeboten, freiwillig bis zum Alter von 62 Jahren zu arbeiten, und innerhalb eines Tages meldeten sich zahlreiche interessierte Piloten für das Programm an. Die Airline erklärt, sie bleibe dem Dialog verpflichtet, aber die Zeit dränge: Der aktuelle GAV läuft bis Ende 2026, und die Pause der Gewerkschaft erstreckt sich mindestens bis August.
- Die Pilotenvereinigung kündigt den bestehenden GAV und löst damit Verhandlungen über einen neuen Vertrag aus.
- Kabinenpersonal muss bei der Passagierbegrüßung die Lufthansa Group erwähnen; viele lassen dies bewusst aus.
- Aeropers wirft der Swiss vor, Schweizer Werte zu vernachlässigen, und setzt die GAV-Gespräche bis Ende August aus.
- Geplantes Ende der Verhandlungspause; Gespräche könnten wieder aufgenommen werden.
- Der aktuelle GAV23 läuft aus; bis zu diesem Datum muss ein neuer Vertrag in Kraft sein.


