
Ungarn weist 10 russische Diplomaten aus – erste diplomatische Ausweisung seit 2018
Außenministerin Anita Orbán ordnete die Ausweisung von 10 Mitarbeitern der russischen Botschaft aus Budapest an, wegen Aktivitäten, die mit dem Wiener Übereinkommen unvereinbar sind. Moskau droht mit Vergeltung.
Ausweisungsbefehl in Budapest
Die ungarischen Behörden ordneten am Dienstag an, dass 10 Mitglieder der russischen diplomatischen Mission das Land verlassen müssen, mit Verweis auf Aktivitäten, die mit dem Wiener Übereinkommen über diplomatische Beziehungen von 1961 unvereinbar sind. Außenministerin und Vize-Ministerpräsidentin Anita Orbán gab bekannt, dass das Ministerium seine Vertreter angewiesen habe, den russischen Botschafter in Budapest über die Entscheidung zu informieren. Laut der Website des ungarischen Außenministeriums waren vor der Anordnung 47 diplomatische Mitarbeiter in der russischen Botschaft akkreditiert.
Die Regierung machte weder die genauen Vorwürfe noch die Funktionen der zehn ausgewiesenen Beamten öffentlich und nannte auch keine öffentliche Frist für ihre Ausreise. Gemäß Artikel 9 des Wiener Übereinkommens haben Empfangsstaaten das Recht, jedes Mitglied einer diplomatischen Mission zur persona non grata zu erklären, ohne detaillierte öffentliche Begründungen liefern zu müssen. Ungarische Beamte stellten die Maßnahme als Akt zum Schutz der nationalen Souveränität und Staatssicherheit dar.
Außenpolitischer Kurswechsel unter Magyar
Die Ausweisung ist die erste öffentliche Entfernung russischer Diplomaten durch Ungarn seit 2018. Nach der Invasion der Ukraine im Februar 2022 wiesen zahlreiche europäische Regierungen russische Gesandte aus, während die Regierung des früheren Ministerpräsidenten Viktor Orbán keinen auswies. Viktor Orbán war 16 Jahre lang an der Macht, bis er im April 2026 die Wahlen verlor. Während seiner Amtszeit kaufte sein Kabinett weiterhin russische Energie, verzögerte EU-Sanktionspakete und blockierte ein EU-Finanzpaket in Höhe von 90 Milliarden Euro (97 Milliarden US-Dollar) für die Ukraine.
Die Mitte-Rechts-Regierung von Ministerpräsident Péter Magyar, die im Mai 2026 ihr Amt antrat, hat die ungarischen Außenbeziehungen neu auf die Europäische Union und die NATO-Allianzen ausgerichtet. Magyar erklärte in sozialen Medien, dass das Land mit dieser Entscheidung seine Souveränität verteidige. Ende August 2026 stufte die ungarische Regierung Russland als Sicherheitsbedrohung ein. Der Schritt folgt auf erste diplomatische Veränderungen im Mai 2026, als Anita Orbán kurz nach Amtsantritt den russischen Botschafter einbestellte – eine Aktion, die zuletzt ihr Vorgänger Péter Szijjártó im Februar 2022 durchgeführt hatte.
- Ungarn führt die letzte öffentliche Ausweisung russischer Diplomaten vor 2026 durch.
- Russland fällt in die Ukraine ein; der ungarische Außenminister Péter Szijjártó bestellt zum letzten Mal unter Viktor Orbán den russischen Gesandten ein.
- Viktor Orbán wird nach 16 Jahren als Ministerpräsident abgewählt.
- Péter Magyar tritt sein Amt an, und Anita Orbán bestellt den russischen Botschafter ein.
- Ungarn stuft Russland offiziell als Sicherheitsbedrohung ein.
- Ungarn ordnet die Ausreise von 10 russischen Diplomaten gemäß dem Wiener Übereinkommen an.
Moskaus Reaktion und bilaterale Kanäle
Das russische Außenministerium kündigte Vergeltungsmaßnahmen gegen Budapest an, wobei Ministeriumssprecherin Maria Sacharowa erklärte, die russische Antwort werde hart und schmerzhaft sein. Trotz der Ausweisung erklärte die ungarische Regierung, dass sie nicht beabsichtige, die formellen Beziehungen zu Moskau abzubrechen. Anita Orbán deutete an, dass Budapest die notwendigen Kommunikationskanäle aufrechterhalten wolle, die auf gegenseitigem Respekt und Einhaltung diplomatischer Regeln beruhen.
Diese Entscheidung bedeutet keinen Abbruch der diplomatischen Beziehungen zu Russland. Ungarn beabsichtigt, den notwendigen Dialog fortzusetzen.
In einer parlamentarischen Anhörung im Mai 2026 erklärte Anita Orbán, dass Russland ein Partner bleiben werde, argumentierte jedoch, dass die bilateralen Beziehungen nicht auf einseitiger Abhängigkeit beruhen könnten. Sie sagte den Abgeordneten, dass die russische Außenpolitik eine Sicherheitsherausforderung sowohl für Ungarn als auch für den gesamten europäischen Kontinent darstelle.


