
Südkorea ruft Botschafter aus Ukraine wegen Streit über nordkoreanische Gefangene zurück
Seoul hat Botschafter Park Ki-chang zurückgerufen, nachdem Wolodymyr Selenskyj die Überstellung zweier nach Südkorea gebrachter nordkoreanischer Gefangener öffentlich bekannt gemacht hatte; eine zunächst von Kiew angebotene Entschuldigung wies Südkorea zurück.
Rückruf von Botschafter Park Ki-chang
Am Donnerstag, dem 8. Oktober 2026, gab Südkorea den Rückruf seines Botschafters in der Ukraine, Park Ki-chang, bekannt. Das südkoreanische Außenministerium erklärte, die Regierung hoffe, dass die offenen bilateralen Fragen im Rahmen laufender Konsultationen mit Kiew einer gütlichen Lösung zugeführt werden könnten. Ein genaues Datum für die Rückkehr von Botschafter Park nach Südkorea nannte das Ministerium nicht. Dem Rückruf waren zwei Wochen diplomatischer Spannungen zwischen beiden Regierungen im Umgang mit nordkoreanischen Kriegsgefangenen vorausgegangen. Diplomatische Beobachter wiesen darauf hin, dass der Abzug eines Botschafters zu den schärfsten Protestmitteln der internationalen Beziehungen zählt.
Streit über die Rede vor den Vereinten Nationen
Der Streit begann am 23. September 2026, als der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj vor der Generalversammlung der Vereinten Nationen sprach. In seiner Rede enthüllte Selenskyj, dass die Ukraine zwei gefangene nordkoreanische Soldaten an Südkorea überstellt habe. Ukrainische Einheiten hatten die beiden Soldaten im Januar 2025 in der russischen Region Kursk gefangen genommen, wohin Pjöngjang Truppen zur Unterstützung russischer Militäroperationen entsandt hatte. Westliche und südkoreanische Schätzungen gehen davon aus, dass Nordkorea seit Ende 2024 zwischen 12.000 und 15.000 Soldaten nach Russland geschickt hat. Südkoreas Präsident Lee Jae-myung wandte sich gegen Selenskyjs Ankündigung und erklärte, Seoul und Kiew hätten vereinbart, die Überstellung vertraulich zu behandeln, um die Sicherheit der Soldaten und ihrer in Nordkorea verbliebenen Angehörigen zu schützen.
Gescheiterte Entschuldigungen und diplomatische Eskalation
Die ukrainische Regierung bestritt, dass es eine Vertraulichkeitsvereinbarung zur Überstellung der Gefangenen gegeben habe. Präsident Lee wies die Darstellung der Ukraine zurück und erklärte, Kiew versuche, ihn als Lügner darzustellen, und verlangte eine förmliche öffentliche Entschuldigung.
Als der südkoreanische Präsident mit größter Höflichkeit sein Bedauern ausdrückte, behaupteten sie, es habe keine Vereinbarung gegeben, und stellten das Staatsoberhaupt eines anderen Landes als Lügner hin.
In der Folge bestellte Südkoreas stellvertretender Außenminister Park Yoon-joo Ende September den ukrainischen Geschäftsträger Andrii Beshkin ein. Der ukrainische Außenminister Andrii Sybiha versuchte die Spannungen zu entschärfen und bezeichnete den Vorfall als diplomatisches Missverständnis, doch die Erklärung stellte die Verantwortlichen in Seoul nicht zufrieden. Am 6. Oktober 2026 erhielt Südkorea eine förmliche Mitteilung mit einer Entschuldigung der Ukraine. Südkoreas Außenminister Cho Hyun teilte der Nationalversammlung mit, die ukrainische Mitteilung bleibe hinter den Erwartungen der Regierung zurück, weshalb Südkorea entschlossene Maßnahmen vorbereite.
Kraftstoffvorwürfe und weitere Spannungen
Die Spannungen zwischen beiden Ländern verschärften sich weiter, nachdem Vorwürfe laut wurden, Südkorea habe im Juli und August 2026 mehr als 176.000 Tonnen Kraftstoff, überwiegend Diesel, an Russland geliefert. Ukrainische Kritiker erklärten, die Lieferungen hätten geholfen, russische Engpässe im laufenden Krieg gegen die Ukraine zu lindern. Am 7. Oktober 2026 wies der südkoreanische Präsidialsprecher Kang Yu-jung die Vorwürfe zurück und erklärte, Seoul setze die Sanktionen und Ausfuhrkontrollen gegen Moskau in Abstimmung mit internationalen Partnern konsequent durch.
- Ukrainische Einheiten nehmen zwei nordkoreanische Soldaten in der russischen Region Kursk gefangen
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- Südkorea gibt den Rückruf von Botschafter Park Ki-chang bekannt
Sprecher Kang bat die Ukraine, öffentliche Äußerungen zu unterlassen, die die südkoreanische Politik ohne ausreichende Überprüfung der Fakten verzerrten. Südkoreanische Vertreter stellten zudem klar, dass Südkorea Nordkorea rechtlich als Teil seines Staatsgebiets betrachtet und offiziell eine Politik der Aufnahme und Unterstützung von Überläufern verfolgt.


