
Sturm Cherry trifft Ostdeutschland: S-Bahn prallt in Berlin gegen Baum, 129 Notrufe in Dessau-Roßlau
Schwere Gewitter mit Starkregen, Hagel und Sturmböen zogen am Freitagabend über fünf ostdeutsche Bundesländer hinweg. In Berlin prallte eine S-Bahn auf einen umgestürzten Baum, allein in Dessau-Roßlau lösten die Unwetter mehr als 120 Feuerwehreinsätze aus.
Sturmtief Cherry fegt über Ostdeutschland
Das Tiefdruckgebiet „Cherry“ zog am Freitag von Belgien über Norddeutschland, führte kühlere Luft in den Osten und löste eine Kette heftiger Gewitter aus. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) hatte vor sehr starken Schauern, Hagel, Starkregen und schweren Sturmböen gewarnt, für mehrere Landkreise galt die höchste Warnstufe. Die Gewitter trafen am Abend Berlin, Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen und hinterließen eine Spur aus überfluteten Kellern, umgestürzten Bäumen und Verkehrsbehinderungen.
Berlin: S-Bahn-Kollision und Blitzeinschlag
In Berlin prallte ein Zug der Linie S1 mit rund 100 Fahrgästen am Bahnhof Sundgauer Straße gegen einen auf die Gleise gestürzten Baum. Die Frontscheibe zerbrach, verletzt wurde jedoch niemand. Der Einsatzleiter der Bundespolizei, Thorsten Peters, bestätigte: „Nach derzeitigem Stand wurde niemand verletzt.“ Die Fahrgäste mussten im Zug ausharren, bis die Strecke geräumt werden konnte.
Also saßen wir eine ganze Weile da und warteten darauf, dass etwas passiert.
Nach etwa einer Stunde wurde der Abschnitt zwischen Zehlendorf und Botanischer Garten wieder freigegeben. Ein Blitzeinschlag in Pankow führte zudem zu Verspätungen, Ausfällen und Einschränkungen auf den Linien S1, S2, S8 und S85. Die S2 verkehrte nur im 10-Minuten-Takt zwischen Lichtenrade und Potsdamer Platz, die S85 nur zwischen BER Flughafen und Treptower Park; Fahrgäste wurden für den Rest der Strecke auf die S8 verwiesen. Die Berliner Feuerwehr meldete nur eine Handvoll wetterbedingter Einsätze, darunter einen durch Blitzschlag ausgelösten Gebäudebrand in Westend.
Sachsen-Anhalt: 129 Einsätze allein in Dessau-Roßlau
Die heftigsten Auswirkungen waren in Sachsen-Anhalt zu spüren. Die Leitstellen registrierten mindestens 70 Alarme wegen überfluteter Keller, überschwemmter Straßen und umgestürzter Bäume. In Dessau-Roßlau dauerte das Unwetter nur 20 Minuten, überforderte aber die Rettungskräfte. Bis 20 Uhr verzeichnete die Stadt 121 Hilfeleistungseinsätze und acht Brandeinsätze, fast 170 Einsatzkräfte von Berufs- und Freiwilliger Feuerwehr waren im Einsatz.
So viele Einsätze in so kurzer Zeit hatten wir seit Ewigkeiten nicht.
In Derenburg standen Straßen nach einem wolkenbruchartigen Regen mit Hagel unter Wasser, in Ermsleben wurde die Bundesstraße B185 überflutet. Verletzte gab es landesweit keine.
Brandenburg kommt glimpflich davon
Brandenburg erlebte vergleichsweise milde Auswirkungen. Die Feuerwehrleitstelle in Cottbus meldete bis zum Abend 13 Einsätze, meist wegen abgebrochener Baumkronen und eines umgestürzten Baumes, der eine Straße blockierte. In Brandenburg an der Havel sowie in den Landkreisen Potsdam-Mittelmark und Teltow-Fläming rückten die Einsatzkräfte zu mindestens zwei überfluteten Kellern und zwei umgestürzten Bäumen aus. Die Städte Frankfurt (Oder) sowie die Landkreise Oder-Spree und Märkisch-Oderland verzeichneten keine nennenswerten Vorfälle. Die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg warnte Besucher vor herabfallenden Ästen in den Parks. Trotz mehrerer Unwetterwarnungen wurden keine Verletzten oder größere Einsätze gemeldet.
- Höchste Warnstufe für mehrere Landkreise in Ostdeutschland.
- S1-Zug prallt am Bahnhof Sundgauer Straße gegen umgestürzten Baum; Blitzeinschlag in Pankow.
- Linien S1, S2, S8, S85 betroffen; S2 nur im 10-Minuten-Takt, S85 umgeleitet.
- 121 Hilfeleistungseinsätze und 8 Brandeinsätze bis 20 Uhr; 170 Einsatzkräfte im Einsatz.
- Abschnitt zwischen Zehlendorf und Botanischer Garten nach etwa einer Stunde geräumt.
- 13 Einsätze im Raum Cottbus; andernorts 2 überflutete Keller und 2 umgestürzte Bäume.
Wochenendvorhersage: kühler und wechselhaft
Der DWD erwartet, dass sich das Wetter am Wochenende etwas beruhigt. Der Samstag wird ein Übergangstag mit böigem Wind und Höchstwerten von 23 bis 26 Grad Celsius. Am Sonntag ist der Wandel deutlicher spürbar, die Höchsttemperaturen fallen auf 20 bis 22 Grad. Die kommende Woche soll wechselhaft und deutlich kühler bleiben, weitere Schauer und Gewitter sind möglich.


