
Polnische Regierung und Präsidialamt streiten über öffentliche Finanzierung von Pferden im Anwesen Promnik
Die polnische Kanzlei gab zwischen Juli und Oktober 2026 54.000 Złoty für die Haltung von Pferden im Anwesen Promnik aus, was scharfe Kritik von Ministerpräsident Donald Tusk auslöste.
Pferde im Anwesen Promnik
Im Oktober 2026 veröffentlichte Berichte zeigten, dass das Präsidentenanwesen in Promnik, gelegen in Ruda Tarnowska rund 100 Kilometer östlich von Warschau, mehrere Pferde zur Nutzung durch Präsident Karol Nawrocki und seine Familie beherbergt. Das Präsidialpresseamt bestätigte, dass das Servicezentrum der Kanzlei des Präsidenten der Republik Polen drei Pferde betreut: ein Pony namens Edzio, ein Friesenpferd namens Ramzes und ein Huzulenpferd namens Aramis. Nach Berichten der Gazeta Wyborcza dienen die Tiere dem Präsidenten, seiner Frau Marta und ihrer Tochter Kasia, daneben gibt es ein viertes Pferd, das einem Personenschützer des Präsidenten zugewiesen ist. Präsidialsprecher Rafał Leśkiewicz erklärte, eines der Pferde stamme aus der Amtszeit von Andrzej Duda, zwei weitere seien erst kürzlich in Dienst gestellt worden. Aufzeichnungen zufolge kam Edzio 2024 als Spende eines Krakauer Vereins, Ramzes wurde im Dezember 2025 gekauft und Aramis stieß im März 2026 hinzu.
- Das Pony Edzio wird der Präsidialkanzlei von einem Verein in Krakau gespendet
- Das Servicezentrum kauft das Huzulenpferd Ramzes
- Das Servicezentrum erwirbt das Friesenpferd Aramis
- Das Servicezentrum beginnt, bis zum Herbst 54.000 Złoty an Tierhaltungskosten zu verbuchen
- Ministerpräsident Donald Tusk veröffentlicht online Kritik an staatlich finanzierten Reithobbys
- Präsidialsprecher Rafał Leśkiewicz verteidigt die Ställe in einer Sendung bei Radio ZET
Haushaltsmittel und Unterhaltskosten
Von der Kanzlei veröffentlichte Finanzangaben zeigen, dass die Tierhaltung im Präsidentenanwesen zwischen Juli und Oktober 2026 insgesamt 54.000 Złoty kostete. Diese Summe entspricht einer durchschnittlichen monatlichen Ausgabe von 18.000 Złoty für die Pferde- und Tierpflege des Anwesens. Zu den konkret vom Servicezentrum verbuchten Kosten zählen 44.200 Złoty für die unmittelbare Tierpflege und rund 10.000 Złoty für Futter und Futtermittel. Die öffentlichen Mittel decken Stallhaltung, eigens abgestelltes Stallpersonal, einen professionellen Reitlehrer sowie Pferdetransportanhänger. Neben den drei dort lebenden Pferden sind drei ausgediente Pferde der Kavallerieschwadron der polnischen Armee mit den Namen Wigo, Kamerun und Faworyt leihweise in Promnik untergebracht.
- Tierpflege
- 44.2 Tsd. Złoty
- Futter und Futtermittel
- 10 Tsd. Złoty
Politischer Streit zwischen Regierung und Präsidialamt
Die Enthüllung löste bei Mitgliedern der Regierungskoalition sofort Kritik an der Verwendung von Steuergeldern für die Freizeitgestaltung des Präsidenten aus. Ministerpräsident Donald Tusk veröffentlichte am 3. Oktober 2026 auf der Social-Media-Plattform X ein Archivfoto von sich zu Pferde, versehen mit einem spitzen Kommentar.
Ich ritt schlecht, aber mit meinem eigenen Geld.
Sprecher Rafał Leśkiewicz wies die Kritik in einem Auftritt bei Radio ZET zurück und argumentierte, die Regierung konstruiere eine politische Ablenkung von den wirtschaftlichen Schwierigkeiten des Landes, darunter ein Staatshaushaltsdefizit von mehr als 150 Milliarden Złoty.
Ich schlage dem Ministerpräsidenten vor, von Służewiec nach Ujazdowskie zurückzugaloppieren und sich einfach an ernsthafte Arbeit zu machen.
Parlamentarische Reaktionen und historischer Hintergrund
Der Streit rief gegensätzliche Reaktionen im polnischen Parteienspektrum hervor. Der Europaabgeordnete Dariusz Joński von der Bürgerkoalition äußerte Sorge über mögliche künftige, vom Staat finanzierte Hobbys, während Sejmmarschall Włodzimierz Czarzasty die Nutzung staatlichen Vermögens als Anspruchsdenken bezeichnete. Der PiS-Abgeordnete Zbigniew Kuźmiuk verteidigte die Regelung dagegen mit dem Hinweis, dass seit 1990 unter Lech Wałęsa und Aleksander Kwaśniewski, der den Bau der Ställe in Promnik veranlasste, Tiere auf Präsidentenanwesen gehalten würden. Der frühere Präsident Bronisław Komorowski merkte an, er sei in seiner Jugend beim Klub Legia geritten, doch der Transport von Pferden zwischen den Anwesen stelle einen erheblichen Betriebsaufwand dar.


