Kurz gefasst
Die Erhebung von Datafolha unter 2.520 Wählerinnen und Wählern, durchgeführt vom 20. bis 22. Oktober mit einer Fehlermarge von zwei Punkten, sieht Lula und Flávio Bolsonaro mit jeweils 50% der gültigen Stimmen gleichauf.
Flávio Bolsonaro gewann den ersten Wahlgang am 4. Oktober mit 47,03% gegen 45,16% für Lula – laut El Mundo der knappste erste Wahlgang seit 1985.
Die Kandidaten treffen in den TV-Globo-Studios in Rio de Janeiro aufeinander, nach einer ersten Debatte auf Band, die von Beleidigungen geprägt war.
Lula bot an, sein Vermögen, seine Steuererklärungen und seine Telefonaufzeichnungen sowie die seiner Frau und seiner Kinder zu veröffentlichen, wenn Flávio Bolsonaro dasselbe tue; das Wahlgericht erklärt, die Kandidaten müssten die Veröffentlichung vornehmen.

- 22.10.Datafolha veröffentlicht ein 50-zu-50-Gleichstand bei den gültigen Stimmen
- 23.10.Fernsehdebatte auf TV Globo in Rio de Janeiro
- 25.10.Stichwahl angesetzt
Die jüngste Umfrage
Die Erhebung von Datafolha, durchgeführt vom 20. bis 22. Oktober unter 2.520 Wählerinnen und Wählern, sieht Lula und Flávio Bolsonaro vor der Stichwahl am Sonntag, dem 25. Oktober, mit jeweils 50% der gültigen Stimmen gleichauf. Folha de S.Paulo veröffentlichte die Zahlen am Donnerstag, dem 22. Oktober; die Fehlermarge beträgt zwei Prozentpunkte. Rechnet man leere und ungültige Stimmen sowie Unentschiedene hinzu, kommt Flávio Bolsonaro auf 47% und Lula auf 46%, während 5% angeben, leer oder ungültig wählen zu wollen, und 2% noch unentschieden sind. Die vorige Datafolha-Umfrage, eine Woche zuvor veröffentlicht, gab Flávio Bolsonaro 51% der gültigen Stimmen gegenüber 49% für Lula; die erste Erhebung des Zweitwahlkampfs sah ihn mit 52% zu 48% vorn. Datafolha zufolge liegen alle diese Verschiebungen innerhalb der Fehlermarge, doch die jüngste Messung zeigt, dass Lulas Zustimmung (49%) erstmals seit mehreren Monaten seine Ablehnung (48%) übersteigt.
Erster Wahlgang und Wahlkampf
Flávio Bolsonaro gewann den ersten Wahlgang am 4. Oktober mit 47,03% gegen 45,16% für Lula – laut El Mundo der knappste erste Wahlgang seit Brasiliens Rückkehr zur Demokratie 1985. Lula selbst bezeichnete seinen Wahlkampf für den ersten Wahlgang als den „unorganisiertesten“ seit Jahrzehnten, und sein Lager hat seither die Straßen und die sozialen Medien gefüllt. Die Arbeiterpartei setzt darauf, dass eine Mobilisierung dieses Ausmaßes das Ergebnis umdrehen kann; ein WhatsApp-Kanal namens „Armée de Lula“ soll 8,5 Millionen Abonnenten haben. Der Amtsinhaber hat zudem kostspielige soziale Maßnahmen angekündigt, mit Ausgabenverpflichtungen von 300.000 Millionen Reais (rund 52.000 Millionen Euro), so El Mundo.
- Flávio Bolsonaro
- 47.03 %
- Lula
- 45.16 %
Daten aus dem Artikeltext
Debatte und Transparenzversprechen
Die beiden Kandidaten treffen am Freitag, dem 23. Oktober, in den TV-Globo-Studios in Rio de Janeiro zu einer Fernsehdebatte aufeinander. Die erste Debatte, die früher im Wahlkampf auf dem Sender Band ausgestrahlt wurde, war von einer Flut von Beleidigungen geprägt; El Mundo bewertete Flávio Bolsonaro darin als den stärkeren Auftritt. Vor der Debatte haben beide zugesagt, ihre Vermögen und die ihrer Familien offenzulegen. Lula bot an, sein Vermögen, seine Steuererklärungen und seine Telefongespräche sowie die seiner Frau und seiner Kinder offenzulegen, wenn Flávio Bolsonaro dasselbe tue. El País berichtet, Flávio Bolsonaro habe die Herausforderung angenommen, wobei Inhalt und Zeitpunkt der Offenlegungen unklar bleiben. Das Oberste Wahlgericht Brasiliens erklärte, die Kandidaten – nicht das Gericht – seien dafür verantwortlich, die Informationen öffentlich zu machen.
Dreizehn Mitglieder des US-Kongresses, darunter Senator Bernie Sanders, haben Meta-Chef Mark Zuckerberg in einem Schreiben um Aufklärung zu Berichten gebeten, wonach Inhalte mit Bezug zu Lula eingeschränkt wurden, während Beiträge zugunsten von Flávio Bolsonaro freier zirkulierten. Die Abgeordneten und Senatorinnen und Senatoren geben an, entsprechende Berichte erhalten zu haben. Ihr Schreiben erwähnt zudem die Aussetzung von Anzeigen, vorübergehende Einschränkungen beim bezahlten Boosten und Fragen zur Funktionsweise der künstlichen Intelligenz von Meta.
Ausgangslage und wie es weitergeht
Lula strebt eine vierte, nicht aufeinanderfolgende Amtszeit an; sein Sieg über Jair Bolsonaro 2022 mit 1,8 Punkten Vorsprung war laut El País das knappste Ergebnis der brasilianischen Geschichte. Jair Bolsonaro verbüßt wegen des Versuchs eines Staatsstreichs nach seiner Niederlage 2022 eine 27-jährige Haftstrafe und steht derzeit unter Hausarrest, so La Libre. Sein Sohn hat harte Sicherheitsmaßnahmen und eine Verbesserung der Lebenshaltungskosten versprochen und gelobt, Lula in den Ruhestand zu schicken. Die Abschlusskundgebungen sind für Samstag, den 24. Oktober, angesetzt – die Rechte in Rio de Janeiro, die Linke in São Paulo. Die Wählerinnen und Wähler gehen am Sonntag, dem 25. Oktober, an die Urnen.
- Flávio Bolsonaro
- 47 %
- Lula
- 46 %
- Leer oder ungültig
- 5 %
- Unentschieden
- 2 %
Daten aus dem Artikeltext