Kurz gefasst
Die am 21. Oktober 2026 veröffentlichte sechsteilige Serie teilt 30 Teilnehmende acht Wärterrollen zu, drei davon mit Frauen besetzt, sowie 22 Gefangenenrollen, die laut Guardian alle männlich sind.
Die Sendung wurde in einem stillgelegten Trakt des Adult Detention Center im Cherokee County in Georgia gedreht, während die Einrichtung weiterläuft – mit ferngesteuerten Kameras statt eines Teams in den Wohnbereichen.
Die New York Times nannte die Serie nicht erhellendes Reality-TV, und der Guardian erklärte, sie gebe sich als Wissenschaft aus, sei aber bevormundendes Reality-Fernsehen.
Die Stanford-Studie begann am 14. August 1971 und endete nach sechs Tagen; sie wurde wegen ethischer und wissenschaftlicher Mängel kritisiert, Philip Zimbardo starb 2024 mit 91 Jahren.
- 14.08.Die Stanford-Simulation beginnt mit ausgewählten männlichen Studenten
- Sechs Tage späterDas Experiment wird nach sechs Tagen abgebrochen
- 2024Philip Zimbardo stirbt im Alter von 91 Jahren
- 21.10.Netflix startet The New Stanford Prison Experiment
Eine sechsteilige Reality-Serie
Netflix hat am 21. Oktober 2026 „The New Stanford Prison Experiment“ veröffentlicht, eine sechsteilige ungeskriptete Serie, die Philip Zimbardos Studie von 1971 in Stanford neu aufgreift. Dreißig Teilnehmende wurden nach dem Zufallsprinzip zwei Gruppen zugeteilt: acht Wärter und 22 Gefangene. Die Produzenten brachten sie in einer echten Gefängnisumgebung unter, um zu beobachten, wie Menschen reagieren, wenn sie plötzlich Autorität ausüben oder unter ihr leben. Fanpage berichtet, dass drei der Wärter Frauen sind – ein Unterschied zur ausschließlich männlichen Besetzung von 1971 –, während der Guardian alle 22 Gefangenen als männlich beschreibt. Netflix selbst fragt in der Beschreibung der Sendung, ob Macht korrumpiert.
- Wärter
- 8 Personen
- Gefangene
- 22 Personen
Daten aus dem Artikeltext
Dreharbeiten in einem in Betrieb befindlichen Gefängnis
Gedreht wurde in einem stillgelegten Trakt des Adult Detention Center im Cherokee County in Georgia, also innerhalb eines Gefängnisses, das weiterhin in Betrieb ist. Laut Fanpage hielt sich während der Produktion kein Kamerateam in den Wohnbereichen auf; stattdessen wurde mit ferngesteuerten Kameras gearbeitet, um direkte Eingriffe zu begrenzen. Anschließend sprechen die Teilnehmenden in Einzelinterviews zur Kamera über ihre Herkunft, ihre Persönlichkeit und ihre Erwartungen an das Experiment. Ein Gremium aus drei Fachleuten verfolgt das Material auf einer Reihe von Bildschirmen und kommentiert es. Dem Gremium gehören Alison Wood Brooks an, eine Verhaltenswissenschaftlerin, die an der Harvard Business School lehrt, Trymaine Lee, ein mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichneter Journalist, und Michael Cantrell, ein ehemaliger Bundesvollzugsbeamter. Als Produzenten werden Dan Cutforth und Jane Lipsitz genannt, wobei Lipsitz als ausführende Produzentin geführt wird.
Kritik am Format
Die Rezension der New York Times nannte die Serie ein nicht erhellendes Reality-TV und verglich den Aufbau des Gremiums mit der Jurytischrunde einer Kochshow. Der Guardian argumentierte, die Sendung behaupte fortwährend, zu untersuchen, ob Macht korrumpiert, sei aber im Kern Reality-TV. Die Rezensentin verwies auf die Interviews in die Kamera, die erst nach den Ereignissen aufgezeichnet wurden und prägen, wie das Publikum das gerade Gesehene deutet. Der Guardian beschrieb zudem die Lebensbedingungen als sichtbare Kluft: Wärter in schicken grauen Uniformen, die sich zwischen den Schichten in ein Hotel zurückziehen, und Gefangene in leuchtend gelben Overalls auf kratzigen Stockbetten. Beide Besprechungen behandeln die Serie als Unterhaltung und nicht als Forschung.
Die Studie von 1971 und ihr Vermächtnis
Das ursprüngliche Experiment begann am 14. August 1971 und wurde nach sechs Tagen abgebrochen. The Independent berichtet, es habe männliche Studenten über eine Zeitungsanzeige rekrutiert, die 15 Dollar pro Tag versprach, mehr als 70 Bewerber angezogen und nach dem Auswahlverfahren 24 behalten. Zimbardo, der die Studie leitete, starb demselben Bericht zufolge 2024 im Alter von 91 Jahren. Fanpage merkt an, die Studie von 1971 sei wegen ihrer ethischen und wissenschaftlichen Grenzen kritisiert worden – dieselben Bedenken, die nun die neue Serie umgeben. Der Guardian erinnert außerdem daran, dass die BBC 2002 „The Experiment“ ausstrahlte, angekündigt als strengere Version des Spektakels.