
Lancet-Studie zeigt: Europäische Städte hinken bei Klimagesundheitsrisiken hinterher – Hitzetote steigen um 161 %
Eine Bewertung von 850 europäischen Städten im Lancet zeigt stark steigende Risiken durch extreme Hitze, Dengue-Fieber und Waldbrände und kommt zu dem Schluss, dass die lokalen Anpassungsbemühungen trotz über 1.500 erfasster Initiativen unzureichend bleiben.
Umfassende Bewertung der städtischen Klimaverwundbarkeiten
Eine umfassende Untersuchung, die am 10. September 2026 im Lancet veröffentlicht wurde, analysierte 28 Indikatoren, die Klimawandel und öffentliche Gesundheit in 850 der größten europäischen Städte verbinden. Die Ergebnisse zeigen, dass städtische Zentren wachsenden Bedrohungen durch extreme Hitze, Infektionserreger, Waldbrände und erhöhte Pollenkonzentrationen ausgesetzt sind. Die hohe Bevölkerungsdichte verstärkt diese Umweltgesundheitsbelastungen für die städtische Bevölkerung. In Frankreich beispielsweise lebten 2023 etwa 40 % der nationalen Bevölkerung konzentriert in 72 Städten. Die Studie identifizierte die Verbrennung fossiler Brennstoffe, insbesondere Kohle, Öl und Gas, als Haupttreiber der steigenden Temperaturen und sich ändernden Wetterbedingungen, die die Stadtbewohner betreffen.
Regionale Anstiege bei Sterblichkeit und Krankheitsrisiken
Die gesundheitlichen Auswirkungen unterscheiden sich erheblich zwischen den europäischen Regionen, wobei südliche und östliche Städte in den letzten Jahrzehnten starke Anstiege der Exposition verzeichneten. Die hitzebedingte Sterblichkeit in südeuropäischen Städten stieg zwischen dem Zeitraum 1991–2000 und dem Zeitraum 2015–2024 um fast 161 %. Zwischen 1982–2010 und 2015–2024 weiteten sich die Umweltbedingungen, die für die Übertragung von Dengue-Fieber geeignet sind, in osteuropäischen Städten um 369 % aus. Die Pollenkonzentrationen haben sich im gleichen Zeitraum sowohl in südlichen als auch in östlichen städtischen Gebieten mehr als verdoppelt, während das Risiko von Waldbränden in südlichen Ballungsräumen zwischen 2003 und 2023 um 7 % anstieg. In Frankreich vervielfachten sich die hitzebedingten Todesfälle in Perpignan im Vergleich zu den 1990er Jahren um das Dreizehnfache, was den stärksten Anstieg des Landes darstellt, gefolgt von Martigues, Toulouse, Valence, Grenoble, Mulhouse und Clermont-Ferrand.
- Hitzesterblichkeit Südeuropa (1991–2000 bis 2015–2024)
- 161 %
- Dengue-Eignung Osteuropa (1982–2010 bis 2015–2024)
- 369 %
- Waldbrandrisiko Südeuropa (2003 bis 2023)
- 7 %
Kommunale Anpassung und Trends bei der Oberflächenkühlung
Als Reaktion auf diese Umweltveränderungen haben die Kommunalbehörden mehr als 1.500 verschiedene Klimaanpassungsinitiativen in den untersuchten Städten umgesetzt. Zu diesen Maßnahmen gehören Frühwarnsysteme, erweiterte Baumkronen, ausgewiesene Parkflächen, verbesserte Hochwasserschutzmaßnahmen und Infrastruktur zur Unterstützung des aktiven Verkehrs. In 88 % der 533 größten europäischen Städte mit über 100.000 Einwohnern sank die städtische Oberflächenhitze zwischen 2014 und 2019 um 0,7 Grad Celsius. Gemeinden, die die umfangreichsten städtischen Begrünungsprojekte durchführten, erzielten die größten Rückgänge der lokalen Oberflächentemperaturen. Die Forscher wiesen darauf hin, dass die Entwicklung grünerer Nachbarschaften, die Verbesserung der Luftqualität und die Förderung des öffentlichen Nahverkehrs die Emissionen reduzieren und gleichzeitig messbare Vorteile für die körperliche und geistige Gesundheit bringen.
Strukturelle Hindernisse und Umsetzungsdefizite
Trotz dieser dokumentierten Kühlungserfolge kam die Studie zu dem Schluss, dass sich europäische Städte im Verhältnis zum Tempo der Klimarisiken zu langsam anpassen. Die Autoren stellten fest, dass wirksame Lösungen zwar gut verstanden, aber aufgrund erheblicher finanzieller Engpässe und technischer Engpässe in unzureichendem Umfang angewendet werden. Uneinheitliches politisches Engagement in den Gemeinden verlangsamt die Umsetzung von Resilienzprogrammen zusätzlich. Darüber hinaus verdeckt die Abhängigkeit von Daten auf Gemeindeebene Unterschiede innerhalb einzelner Nachbarschaften, und fehlende Aufzeichnungen hinderten die Forscher daran, die direkten finanziellen Kosten für die Gesundheitssysteme zu beziffern.
Cathryn Tonne beschrieb die geografischen Unterschiede, die auf dem gesamten Kontinent sichtbar wurden.
Die Studie zeigt regionale Unterschiede auf, wie diese Städte von klimabedingten Gesundheitsrisiken betroffen sind und wie sie darauf reagieren.


