
Rheinland-Pfälzischer Ministerpräsident entschuldigt sich für Staatsversagen am 5. Jahrestag der Flutkatastrophe im Ahrtal
Fünf Jahre nach der Ahrtal-Katastrophe mit 135 Toten hat Gordon Schnieder als erster rheinland-pfälzischer Regierungschef ein explizites Versagen des Staates in jener Nacht eingeräumt.
Das Vermächtnis der Flut von 2021
Im Juli 2021 lösten schwere Regenfälle katastrophale Sturzfluten entlang der Ahr in Westdeutschland aus. Mindestens 135 Menschen starben, Hunderte wurden verletzt. Die Katastrophe offenbarte schwerwiegende Mängel in Warnsystemen und der Koordinierung von Notfällen und hinterließ bei den Überlebenden tiefe Traumata. Fünf Jahre später wurde der Jahrestag zum Brennpunkt für Forderungen nach staatlicher Rechenschaft.
Schnieders Entschuldigung
Bei einer Gedenkveranstaltung auf dem Marktplatz in Bad Neuenahr-Ahrweiler am Dienstagabend sprach der kürzlich vereidigte CDU-Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz, Gordon Schnieder, eine ausdrückliche Entschuldigung aus. "Der Staat hat in dieser Sache und in jener Nacht versagt", sagte er zu der Menge. "Dafür bitte ich als Ministerpräsident um Vergebung." Das Publikum applaudierte. Eine Schweigeminute für die Opfer wurde eingelegt.
Schnieder, 51, war CDU-Landtagsabgeordneter, als die Flut kam. Als Oppositionsführer und Landesparteivorsitzender hatte er vor etwa einem Jahr versprochen, sich im Falle eines Wahlsiegs beim Ahrtal zu entschuldigen. Vor etwa zwei Monaten vereidigt, löste er dieses Versprechen ein. Er sagte, Menschen, Organisationen und Institutionen seien fehlbar, und diese Fehlbarkeit habe dazu geführt, dass das Tal unvorbereitet war, zu den vielen Todesfällen beigetragen habe und das Leid in jener Nacht nicht gelindert werden konnte. "Auch nach fünf Jahren bleibt die Flutnacht einfach schrecklich", sagte er und versprach, der Region weiterhin Priorität einzuräumen, einschließlich psychologischer Unterstützung und sichtbarem Wiederaufbau.
Menschen sind fehlbar. Organisationen und Institutionen sind fehlbar. Es war Fehlbarkeit, die dazu führte, dass das Ahrtal auf diese Katastrophe nicht vorbereitet war.
Bruch mit den SPD-Vorgängern
Schnieders Worte stellen eine deutliche Abkehr von den von der SPD geführten Vorgängerregierungen dar. Malu Dreyer, die zum Zeitpunkt der Flut amtierende Ministerpräsidentin, lehnte während ihrer gesamten Amtszeit eine Entschuldigung ab mit der Begründung, dass eine Naturkatastrophe keine persönliche Schuld begründe. Nachdem sie Mitte 2024 ihren krankheitsbedingten Rücktritt angekündigt hatte, wiederholte sie diese Überzeugung. Ihr Nachfolger Alexander Schweitzer räumte ebenfalls Fehler ein, vermied jedoch eine formelle Entschuldigung. Für viele Überlebende brachte das Eingeständnis des CDU-Chefs eine lang ersehnte Anerkennung.
Nationale Gedenkfeier und Solidarität
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier nahm gemeinsam mit Schnieder an der Zeremonie teil, legte einen Kranz für die Opfer nieder und eröffnete zuvor eine Flut-Fotoausstellung in Altenahr. Er würdigte den anhaltenden Schmerz und sagte, der Tag sei auch eine Erinnerung an den "beeindruckenden Zusammenhalt", den die Region erfahren habe. Er betonte die Pflicht, dafür zu sorgen, dass sich solche Flutereignisse nicht wiederholen. Einem Bericht zufolge war auch Bundeskanzler Friedrich Merz anwesend.
Schmerz und Trauer sind auch nach fünf Jahren nicht vergessen. Aber wenn wir heute hier sind, dann gedenken wir nicht nur des Ortes einer Katastrophe, sondern auch eines Ortes, der einen beeindruckenden Zusammenhalt erlebt hat.
Die Landrätin des Kreises Ahrweiler, Cornelia Weigand, sagte vor dem Jahrestag, viele im Tal hätten sich eine Entschuldigung gewünscht, und nannte sie ein wichtiges Signal.

