
Spahn schlägt vor, Thüringens AfD-Chef Höcke das Wahlrecht zu entziehen statt Parteiverbot
Der CDU-Fraktionsvorsitzende Jens Spahn schlug ein gezieltes rechtliches Verfahren vor, um dem Thüringer AfD-Chef Björn Höcke das aktive und passive Wahlrecht zu entziehen, und bezeichnete dies als praktikableren Schritt als ein vollständiges Parteiverbot.
Der Vorschlag
Der CDU-Fraktionsvorsitzende Jens Spahn hat vorgeschlagen, dem Thüringer AfD-Vorsitzenden Björn Höcke das aktive und passive Wahlrecht zu entziehen, und stellt dies als gezieltere Alternative zum lange diskutierten Parteiverbotsverfahren gegen die AfD dar. Im Focus-Podcast „Machtmenschen“ sagte Spahn: „Alle reden immer von Verbotsverfahren. Wie wäre es, wenn wir einfach ein Verfahren anstrengen und prüfen, ob jemandem, der so rechtsextrem ist wie er, das aktive und passive Wahlrecht entzogen werden kann.“ Er argumentierte, dass jeder, der glaube, die AfD verbieten zu können, erst recht in der Lage sein müsse, Beweise gegen Höcke persönlich vorzulegen.
Alle reden immer von Verbotsverfahren. Wie wäre es, wenn wir einfach ein Verfahren anstrengen und prüfen, ob jemandem, der so rechtsextrem ist wie er, das aktive und passive Wahlrecht entzogen werden kann.
Spahn bekräftigte auch seine politische Distanz zur AfD und erklärte: „Wer für Putin arbeitet, für China spioniert und extreme und radikale Sprache verwendet – von solchen Leuten distanzieren wir uns, ich distanziere mich klar: politisch, inhaltlich, persönlich.“
Wer für Putin arbeitet, für China spioniert und extreme und radikale Sprache verwendet – von solchen Leuten distanzieren wir uns, ich distanziere mich klar: politisch, inhaltlich, persönlich.
Höckes rechtliche und politische Stellung
Björn Höcke gilt als rechtsextreme Galionsfigur seiner Partei. Der Thüringer Landesverband der AfD wurde 2021 vom Landesverfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch eingestuft. Höcke selbst wurde vom Landgericht Halle zweimal wegen Verwendens einer verbotenen Parole der NS-SA-Einheit verurteilt. Ein Gerichtsurteil stellte zudem fest, dass Höcke rechtlich als Faschist bezeichnet werden darf.
Umfragestärke in Thüringen
Anfang Juli baute die AfD in Thüringen unter Höcke als Partei- und Fraktionsvorsitzendem ihren Vorsprung vor anderen Parteien in einer Umfrage aus. Die Partei erreichte 40 Prozent, den höchsten jemals für sie im Freistaat gemessenen Wert, wie Zeitungen der Funke Medien Thüringen berichteten. Die Regierungskoalition aus CDU, BSW und SPD unter Ministerpräsident Mario Voigt (CDU) kam zusammen auf 35 Prozent. Die nächste Landtagswahl in Thüringen ist erst für 2029 vorgesehen.
Breiterer politischer Kontext
Spahns Äußerungen folgen einem ähnlichen Aufruf Mitte Juni des früheren Bundesfinanzministers und SPD-Politikers Peer Steinbrück, der sich dafür aussprach, einzelnen AfD-Vertretern das passive Wahlrecht zu entziehen, und dabei Höcke als Beispiel nannte. Unterdessen signalisierten CSU-Vertreter in Bayern kürzlich Offenheit für ein teilweises Verbotsverfahren gegen die AfD. Der CSU-Fraktionsvorsitzende Klaus Holetschek sagte, dass die Lösung von Problemen und die damit verbundene Rückgewinnung des Vertrauens der Bevölkerung wirksamer sei als ein vollständiges Parteiverbot, fügte jedoch hinzu, dass ein teilweises Verbotsverfahren geprüft werden sollte.
Spahn zur Regierungszusammenarbeit
Im selben Podcast lobte Spahn die Zusammenarbeit zwischen CDU und SPD beim Reformpaket der Regierung und sagte, er habe in 20 Jahren keine Entscheidungen dieser Größenordnung in so konzentrierter Form erlebt. Er räumte Kritik ein, dass Reformen schneller oder umfassender sein könnten, betonte aber die Notwendigkeit, parlamentarische Mehrheiten zu bilden. „Wenn jetzt manche sagen, mehr und schneller wäre besser, dann sage ich, da stimme ich dem Grundbefund sogar zu“, so Spahn. „Gleichzeitig muss ich es so machen, dass Mehrheiten zustande kommen.“


