
Jens Spahn tritt nach Leihmutterkontroverse als Fraktionschef der CDU/CSU zurück; Kanzler Merz forderte seinen Rücktritt
Der Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion trat am Samstag zurück, nachdem Kanzler Friedrich Merz seinen Rücktritt gefordert hatte, nachdem bekannt geworden war, dass Spahn und sein Ehemann in den USA eine Leihmutter in Anspruch genommen hatten, um Eltern zu werden.
Rücktritt nach Merz-Ultimatum
Jens Spahn, der 46-jährige Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, trat am Samstag, den 18. Juli 2026, zurück. Der Schritt erfolgte Stunden, nachdem Kanzler Friedrich Merz, der auch CDU-Vorsitzender ist, seinen Rücktritt gefordert hatte. In einem Brief an die Mitglieder des konservativen Blocks schrieb Spahn, dass sein persönliches Glück, mit seinem Ehemann Daniel Funke eine Familie zu gründen und Vater zu werden, nicht mit seinem politischen Amt vereinbar sei. Er kritisierte auch die "wachsende Rücksichtslosigkeit in der öffentlichen Debatte" und erklärte, dass seine Familie nun oberste Priorität habe.
In den letzten Tagen wurde mir klar, dass mein persönliches Glück, mit meinem Ehemann eine Familie zu gründen und Vater zu werden, nicht mit meinem politischen Amt vereinbar ist.
Alexander Hoffmann von der CSU wird bis zur Wahl eines Nachfolgers als kommissarischer Fraktionsvorsitzender fungieren. Hoffmann bezeichnete Spahns Entscheidung als "höchsten Respekt verdient" und sagte, die Fraktion bleibe handlungsfähig.
Die Leihmutterschaft, die die Krise auslöste
Die Kontroverse brach am Mittwoch, den 15. Juli, aus, als die Boulevardzeitung Bild Fotos von Spahn mit einem Kinderwagen veröffentlichte, die enthüllten, dass er und Funke über eine Leihmutter in den USA Eltern eines Sohnes namens Georg geworden waren. Leihmutterschaft ist in Deutschland illegal, und die CDU lehnt deren Legalisierung seit langem aus ethischen Gründen ab. Spahn selbst hatte zuvor eine klare Haltung gegen die Praxis eingenommen. 2015 sagte er, dass es ihm als schwulem Christen schwerfalle, die Idee einer gemieteten Gebärmutter zu akzeptieren, und als Gesundheitsminister blockierte er 2020 einen Vorschlag der liberalen FDP zur Lockerung der Beschränkungen.
Die Enthüllung zog sofort Kritik aus den eigenen Reihen auf sich. Hubert Hueppe, Vorsitzender der CDU-Senioren-Union, sagte dem Magazin Focus, dass Leihmutterschaft zu Recht in Deutschland verboten sei und dass es nicht akzeptabel sei, dass Politiker mit Macht und Geld sich über dieses Verbot stellten. Marion Rosin, eine CDU-Vertreterin in Thüringen, sagte der BBC, dass öffentliche Persönlichkeiten, die Normen für die Gesellschaft setzen, sich selbst daran halten müssten, und dass ein Glaubwürdigkeitsverlust den Rücktritt erfordere.
Merz greift ein und der Parteidruck wächst
Am Freitagabend führten führende CDU-Politiker, darunter Ministerpräsidenten und regionale Parteichefs, eine Reihe von Telefonaten. Laut dem Spiegel waren die Teilnehmer einhellig der Meinung: Spahn solle nicht im Amt bleiben. Der CDU-Landesverband Mecklenburg-Vorpommern hatte bereits öffentlich seinen Rücktritt gefordert, und mindestens ein weiterer Landesverband hatte eine ähnliche Erklärung bereit, die nur auf einen freiwilligen Schritt des Politikers wartete.
Am Samstagmorgen rief Merz Spahn an und forderte seinen Rücktritt, wie die Nachrichtenagentur DPA unter Berufung auf Parteiführungskreise berichtete. Das Eingreifen des Kanzlers machte Spahns Position unhaltbar. Merz sagte später, die Haltung der CDU zur Leihmutterschaft bleibe unverändert; auf einem Parteitag im Februar hatte die CDU ihre Unterstützung für ein totales Verbot erneuert mit der Begründung, sie wolle die Kommerzialisierung des Verfahrens verhindern.
Vorwürfe der Doppelmoral
Die Kommentare in den deutschen Medien konzentrierten sich stark auf die Kluft zwischen Spahns früheren politischen Positionen und seinem privaten Handeln. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung fragte, warum Spahn seinen Kinderwunsch in Amerika erfüllen musste, wenn, wie er behauptete, Leihmutterschaft nach deutschem Recht nicht vollständig verboten sei. Die Zeitung kam zu dem Schluss, dass seine Entscheidung gegen die Linie seiner Partei und nicht im Sinne des deutschen Rechts sei, und machte aus einer Privatangelegenheit eine politische.
Steht Spahn, der höchste Vertreter der Regierungskoalition im Bundestag, über dem Gesetz?
Die Süddeutsche Zeitung stellte fest, dass Spahn nach dem Abgeordneten und Virologen Hendrik Streeck der zweite CDU-Politiker war, der durch Leihmutterschaft in den USA Vater wurde. Streeck hatte im April seine eigene Leihmutterschaftsvereinbarung bekannt gegeben. Die Zeitung argumentierte, dass die Kritik an der Diskrepanz zwischen öffentlicher Haltung und privatem Handeln völlig berechtigt sei, und forderte Spahn auf, die Umstände der von ihm genutzten Leihmutterschaft offenzulegen.
Wie es weitergeht
Die CDU/CSU-Bundestagsfraktion steht nun vor der Aufgabe, einen neuen Vorsitzenden zu wählen. Die Affäre hat auch die breitere deutsche Debatte über Leihmutterschaft neu entfacht. Die Stuttgarter Zeitung kommentierte, dass der Kinderwunsch gleichgeschlechtlicher Paare verständlich sei, aber eine ehrliche Debatte über Gesetzesänderungen notwendig sei, sei es durch einfachere Adoption oder nicht-kommerzielle Leihmutterschaft. Sie stellte fest, dass Spahn, der echten Einfluss auf die Gesetzgebung hatte, nicht versucht hatte, das Gesetz zu ändern, sondern stattdessen dazu beigetragen hatte, Politiken zu gestalten, die solche Lösungen blockierten.
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