
Jens Spahns Leihmutter-Baby entfacht deutsche Debatte – CDU hält an Verbot fest
Der CDU-Fraktionsvorsitzende Jens Spahn und sein Ehemann Daniel Funke gaben die Geburt ihres Sohnes Georg durch eine Leihmutter in den USA bekannt – ein Widerspruch zum strengen deutschen Verbot und zur Haltung der eigenen Partei.
Persönliches Glück, politischer Sturm
Der CDU-Fraktionsvorsitzende Jens Spahn und sein Ehemann Daniel Funke gaben am 15. Juli bekannt, dass sie Eltern eines Sohnes namens Georg geworden sind, der von einer Leihmutter in den Vereinigten Staaten geboren wurde. „Mein Mann ist Vater geworden, und ich mit ihm. Georg ist unser ganzes Glück. Dieses Gefühl ist kaum in Worte zu fassen“, sagte Spahn der Bild. Das seit 2017 verheiratete Paar hatte offen über seinen Kinderwunsch gesprochen. Funke postete auf Instagram ein Foto mit der Bildunterschrift „We Are Family“. Die Leihmutter, so das Paar in einer Nachricht an Freunde, „gehört jetzt zur Familie und wird Georgs Lebensweg begleiten“.
Mein Mann ist Vater geworden, und ich mit ihm. Georg ist unser ganzes Glück. Dieses Gefühl ist kaum in Worte zu fassen.
Das deutsche Rechtsverbot
Leihmutterschaft ist in Deutschland illegal. Das Embryonenschutzgesetz von 1991 verbietet Ärzten, eine künstliche Befruchtung an einer Frau durchzuführen, die das Kind nach der Geburt weggeben will. Auch die Eizellspende ist verboten, und Leihmutterschaftsverträge sind sittenwidrig und nichtig. Die Geburtsmutter ist nach deutschem Recht stets die rechtliche Mutter. Es ist jedoch nicht strafbar, wenn Wunscheltern ein im Ausland durch Leihmutterschaft geborenes Kind nach Deutschland zurückbringen. Viele Deutsche reisen für Leihmutterschaft in die USA, nach Kanada, in die Ukraine, nach Russland oder Georgien, wobei die Gesamtkosten pro Kind laut tagesschau.de zwischen 100.000 und 250.000 US-Dollar liegen.
Menschen sind keine Ware. Weder eine Frau als Gebärmaschine noch ein für Geld produziertes Kind sollten käuflich sein.
Ethische Bedenken und Kritik
Die Feministin Alice Schwarzer kritisierte Spahn scharf. „Jens Spahn hat nun seine persönlichen Interessen über das Gesetz gestellt. Damit trägt er zur Akzeptanz einer Praxis bei, bei der Frauen für Geld fremde Kinder austragen und dabei den Forderungen der Käufer vollkommen ausgeliefert sind“, sagte sie der Katholischen Nachrichten-Agentur KNA. Sie nannte Leihmutterschaft „unmenschlich und unchristlich“ und sagte, die UN betrachte sie als „Menschenhandel“ und „Sklaverei“. Der Medizinethiker Giovanni Maio von der Universität Freiburg warnte, dass Leihmutterschaft dazu neige, die Mutter „auf ihre Trägerfunktion zu reduzieren, sie zum Objekt zu machen“. Er stellte auch das Kindeswohl in Frage: „Kann es im Interesse des Kindes sein, unter solchen Bedingungen zu entstehen und aufzuwachsen?“ Der programmierte Bruch der Bindung zwischen Leihmutter und Kind, so sagte er, „erscheint als etwas Traumatisierendes“.
Die Tendenz, die Mutter auf ihre Trägerfunktion zu reduzieren, sie zum Objekt zu machen.
Parteilinie und frühere Positionen
Die CDU lehnt Leihmutterschaft seit langem ab. Auf ihrem Parteitag in Stuttgart im Februar 2026 bekräftigten die Delegierten das Verbot, auch für altruistische Modelle, um „Missbrauch, Ausbeutung und Gesundheitsrisiken zu verhindern“. Kanzleramtsminister Thorsten Frei sagte im April, Leihmutterschaft „widerspricht dem Schutz des ungeborenen Lebens und der Wahrung der Menschenwürde“ und lehne jede Liberalisierung ab. Spahns eigenes Gesundheitsministerium hatte 2020 argumentiert, Leihmutterschaft könne „besondere Schwierigkeiten bei der Selbstfindung des Kindes“ und negative Entwicklungseffekte verursachen. Ein Parteisprecher sagte der dpa nach der Geburtsankündigung: „Die CDU Deutschlands hat einen klaren Parteitagsbeschluss. Die derzeitige Rechtslage in Deutschland sollte aus Sicht der Partei so bleiben, wie sie ist.“
Leihmutterschaft widerspricht diesen Prinzipien, da sie den Embryo und die Schwangerschaft instrumentalisiert. Ich lehne daher eine Liberalisierung in Deutschland ab.
Wie es weitergeht
Eine Regierungskommission kam im März 2023 zu dem Schluss, dass eine Legalisierung der Eizellspende verfassungsrechtlich möglich wäre, empfahl aber, die kommerzielle Leihmutterschaft verboten zu lassen. Altruistische Leihmutterschaft könnte in Ausnahmefällen erlaubt werden, etwa bei engen Beziehungen zwischen Wunscheltern und Leihmutter. Es folgte keine Gesetzesänderung, und das Bundesfamilienministerium teilte am 16. Juli mit, dass der Koalitionsvertrag keine Änderung vorsehe. Die Debatte wurde jedoch durch einen der prominentesten konservativen Politiker des Landes neu entfacht, der durch eine von seiner Partei verurteilte Praxis Vater wurde.
- Das Embryonenschutzgesetz verbietet die künstliche Befruchtung zur Leihmutterschaft und die Eizellspende in Deutschland.
- Spahns Gesundheitsministerium warnt, Leihmutterschaft könne 'negative Auswirkungen auf die Entwicklung des Kindes' haben.
- CDU-Parteitag in Stuttgart bekräftigt Ablehnung der Leihmutterschaft, einschließlich altruistischer Modelle.
- Spahn und Funke geben die Geburt ihres Sohnes Georg durch eine Leihmutter in den Vereinigten Staaten bekannt.


