
Deutsche Konservative wählen Spahn-Nachfolger am 29. Juli nach Rücktritt wegen Leihmutterschaft
Die CDU/CSU-Bundestagsfraktion wird am 29. Juli um 14:00 Uhr in Berlin zu einer Sondersitzung zusammenkommen, um einen neuen Vorsitzenden zu wählen, nachdem Jens Spahn am Samstag auf Druck von Kanzler Friedrich Merz und seiner eigenen Partei wegen der Inanspruchnahme einer Leihmutter in den Vereinigten Staaten zurückgetreten ist.
Der Rücktritt
Jens Spahn trat am Samstag, den 18. Juli, nach einer Woche interner Parteiwut als Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion zurück. Spahn und sein Ehemann Daniel Funke hatten am Mittwoch bekannt gegeben, dass sie Eltern eines Sohnes, Georg, geworden seien, der in den Vereinigten Staaten von einer Leihmutter geboren wurde. Leihmutterschaft ist in Deutschland verboten, ein Verbot, das Spahn als CDU-Politiker öffentlich unterstützt hatte. Die Enthüllung, dass er das Verbot privat umgangen hatte, löste das aus, was mehrere Medien als Sturm der Entrüstung innerhalb des konservativen Lagers beschrieben.
Kanzler Friedrich Merz, der auch die CDU führt, gratulierte Spahn zunächst zur Geburt, forderte aber am folgenden Tag seinen Rücktritt. Die Frankfurter Allgemeine merkte an, dass Merz "hätte seine Partei besser kennen müssen" und dass seine schnelle Kehrtwende darauf hindeutete, dass auch er nicht im Voraus informiert worden war. Spahn informierte seine Abgeordnetenkollegen am Samstag in einem Brief über seine Entscheidung.
Der Zeitplan für die Nachfolge
Merz gab am Montagmorgen in einer Sitzung des CDU-Vorstands in Abstimmung mit CSU-Chef Markus Söder bekannt, dass die Fraktion eine außerordentliche Präsenzsitzung zur Wahl eines neuen Vorsitzenden abhalten werde. Der kommissarische Fraktionschef Alexander Hoffmann und der Parlamentarische Geschäftsführer Steffen Bilger schickten daraufhin eine Nachricht an die Mitglieder, in der sie das Datum bestätigten: Mittwoch, 29. Juli, um 14:00 Uhr.
- CDU-Parteitag in Stuttgart bekräftigt Ablehnung der Leihmutterschaft; Spahns Leihmutter in den USA ist bereits schwanger.
- Spahn und Ehemann Daniel Funke geben Geburt von Sohn Georg durch Leihmutter in den USA bekannt.
- Kanzler Merz gratuliert Spahn zur Geburt, fordert am folgenden Tag seinen Rücktritt.
- Spahn tritt unter Druck von Merz und der Partei als CDU/CSU-Fraktionsvorsitzender zurück.
- CDU-Vorstand tagt; Merz und Söder kündigen Sondersitzung für den 29. Juli an.
- Außerordentliche Präsenzsitzung der CDU/CSU-Bundestagsfraktion zur Wahl von Spahns Nachfolger.
Merz und Söder haben das Vorschlagsrecht für den Posten. Merz sagte im ZDF-„Sommerinterview“, dass er die Nachfolge schnell klären wolle und bereits am Wochenende Gespräche mit Söder geführt habe. Er erwähnte auch die Möglichkeit einer umfassenderen Kabinettsumbildung und sagte, es „könnte eine Gelegenheit sein, die Aufstellung der Regierung noch einmal zu überdenken“, während er betonte, dass er im Konjunktiv spreche.
Die politische Fehleinschätzung
Laut der Frankfurter Allgemeinen ging es bei Spahns Sturz nicht um die Ethik der Leihmutterschaft an sich. Eine aktuelle Kommission war zu dem Ergebnis gekommen, dass eine verfassungsrechtliche Legalisierung der Leihmutterschaft in Deutschland möglich sei. Die CDU hatte jedoch auf ihrem Stuttgarter Parteitag im Februar ihre Ablehnung bekräftigt. Zu diesem Zeitpunkt war die Leihmutter in den USA bereits schwanger. Spahn offenbarte seine private Situation nicht seinen Parteikollegen, blieb öffentlich ein Gegner der Praxis, während er sie privat verfolgte. Die Zeitung nannte dies einen „Vertrauensbruch“.
Spahn verschlimmerte den Fehler, indem er zunächst vorschlug, dass die Fraktion über sein Schicksal im September entscheiden solle, wenn die CDU in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin wichtige Landtagswahlen bestreitet und um ihre politische Zukunft gegen die AfD kämpft. Die Frankfurter Allgemeine urteilte, dass man sich keinen schlechteren Zeitpunkt hätte wünschen können, um die Partei mit Fragen zur Glaubwürdigkeit ihres Spitzenmanns zu belasten.
Was als Nächstes kommt
Nachdem die Wahl am 29. Juli nun feststeht, richtet sich die Aufmerksamkeit auf mögliche Kandidaten. In den Quellen wurden noch keine Namen offiziell genannt, aber Merz' Hinweis auf eine mögliche Kabinettsumbildung deutet darauf hin, dass die Nachfolge umfassendere personelle Veränderungen auslösen könnte. Die Sondersitzung wird als Präsenzveranstaltung in Berlin stattfinden, und die Entscheidung liegt bei den 196 Mitgliedern der CDU/CSU-Bundestagsfraktion.


