
Deutsche Kommission schlägt 13 als Mindestalter für soziale Medien vor, lehnt pauschales Verbot für ältere Jugendliche ab
Eine von der Regierung eingesetzte Kommission hat empfohlen, 13 als gesetzliches Mindestalter für die Nutzung von Social-Media-Plattformen wie TikTok und Instagram festzulegen, und verzichtet auf ein pauschales Verbot für ältere Jugendliche.
Nach zehn Monaten Arbeit
Die von Familienministerin Karin Prien (CDU) im September 2025 eingesetzte Kommission „Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt“ hat am Mittwoch in Berlin 56 Empfehlungen vorgelegt. Die 18 Experten unter der Leitung des Bildungsforschers Olaf Köller und der ehemaligen Bundestagsabgeordneten Nadine Schön wollten Schutz, Befähigung und Teilhabe in Einklang bringen. Ihr Bericht kommt vor dem Hintergrund wachsender Besorgnis über schädliche Inhalte und übermäßige Bildschirmzeit: Laut Kommission zeigen rund 300.000 junge Menschen in Deutschland suchtartiges Verhalten.
Pauschal hohe Mindestalter (15/16 Jahre) greifen zu kurz.
Zwei regulatorische Wege für den Zugang zu sozialen Medien
Bei der zentralen Frage eines Mindestalters waren die Experten gespalten und legten zwei Optionen vor. Die erste, von Ministerin Prien bevorzugte, würde ein gesetzliches Mindestalter von 13 für die eigenständige Nutzung von Plattformen wie TikTok, Instagram und Snapchat festschreiben. Für Kinder unter 13 Jahren wäre eine gesetzliche Erlaubnispflicht vorgesehen, die nur nachweislich kindgerechte, risikoarme Dienste erlaubt. Minderjährige im Alter von 13 bis 18 Jahren würden abgestuften Schutzmaßnahmen unterliegen, mit stärkeren Sicherungen für die Gruppe der 13- bis 16-Jährigen als für die 16- bis 18-Jährigen.
Die zweite Option verzichtet auf eine einheitliche Altersgrenze. Stattdessen wird vorgeschlagen, auf EU-Ebene das Gesetz über digitale Dienste (Digital Services Act) um verbindliche Regeln zu ergänzen, sodass Konten, Dienste oder einzelne Funktionen für bestimmte Altersgruppen eingeschränkt werden, wenn sie besondere Risiken bergen.
Für den Fall, dass auf europäischer Ebene keine ausreichenden und zeitnahen Fortschritte erzielt werden, werde ich parallel die notwendigen nationalen Regelungen vorbereiten.
Ein breites Bündel an Schutzmaßnahmen
Über die Altersfrage hinaus will die Kommission, dass die Plattformanbieter strukturelle Verantwortung übernehmen. Sie fordert algorithmusfreie Feeds, keine personalisierte Werbung und die Deaktivierung suchterzeugender Designmerkmale für Nutzer unter 18 Jahren. Smartphones sollten in Schulen bis zur siebten Klasse verboten oder stark eingeschränkt werden. Die Experten drängen das Gesundheitssystem, Präventions- und Unterstützungsangebote für suchtartiges Verhalten zu entwickeln. Sie empfehlen außerdem eine verpflichtende Elternberatung von der vorgeburtlichen Phase bis zum dritten Lebensjahr des Kindes, durchgeführt von Hebammen und Kinderärzten, um die Risiken einer frühen Bildschirmnutzung zu adressieren.
Unser Ziel ist ein lernendes Umsetzungssystem, das Schutz, Befähigung und Teilhabe dauerhaft wirksam macht.
Prien unterstützt die 13-Jahre-Linie, setzt auf EU-Maßnahmen
Ministerin Prien bezeichnete das Mindestalter von 13 Jahren als „grundsätzlich“ den richtigen Weg und erklärte, sie werde zunächst eine europäische Lösung anstreben. Sollte die EU keine rechtzeitigen Fortschritte erzielen, werde sie nationale Gesetze vorbereiten. Sie betonte, dass eine gesetzliche Erlaubnispflicht jüngeren Kindern weiterhin die Nutzung sorgfältig geprüfter Dienste ermöglichen würde, und bestand auf einer wirksamen Altersverifikation und abgestuften Schutzmaßnahmen für Jugendliche. Ein pauschales Verbot sozialer Medien für alle unter 16 Jahren, wie es im Vereinigten Königreich vorgeschlagen wurde, lehnte die Kommission als zu undifferenziert ab.
Internationaler Kontext und innenpolitische Debatte
Deutschland ist nicht allein mit der Frage der Online-Sicherheit von Jugendlichen. Länder wie Australien, Frankreich, Kanada, Spanien, Slowenien, Griechenland und das Vereinigte Königreich haben bereits Social-Media-Verbote für Minderjährige erlassen oder arbeiten daran. In Deutschland reichen die Vorschläge in der politischen Debatte von 14 bis 16 Jahren. In Niedersachsen haben SPD, Grüne und CDU im Landtag ein Mindestalter von 14 Jahren gefordert, während AfD und Landesjugendring altersbasierte Verbote ablehnen. Der Bericht der Kommission geht nun in eine breitere politische Diskussion, wobei sowohl CDU als auch SPD bereits Zugangsbeschränkungen befürworten, um Kinder vor Fake News, KI-generierten Bildern, Gewalt und Pornografie zu schützen.


