Solingen begeht zweiten Jahrestag des tödlichen Messerangriffs auf Stadtfest mit schweigendem Gedenken
Am Sonntagabend versammelten sich Bürgervertreter, Überlebende und Anwohner auf dem Fronhof in Solingen, um der drei Toten und acht Verletzten des Angriffs auf das Stadtfest 2024 zu gedenken.
Gedenkveranstaltung auf dem Fronhof
Am Sonntagabend versammelten sich etwa 150 Menschen vor der Evangelischen Stadtkirche auf dem Fronhof-Platz in Solingen, um den zweiten Jahrestag des tödlichen Messerangriffs zu begehen, der sich während der 650-Jahr-Feierlichkeiten der Stadt ereignete. Die halbstündige Gedenkfeier brachte überlebende Opfer, trauernde Familien, Augenzeugen, Einsatzkräfte und Anwohner zusammen. Punkt 21:37 Uhr, genau in der Minute, in der vor zwei Jahren der erste Notruf einging, hielt die Menge eine Schweigeminute, während drei Kirchenglocken vom Turm läuteten. Die evangelische Superintendentin Ilka Werner und die Vorsitzende des Solinger Katholikenrates, Ulrike Spengler-Reffgen, eröffneten die Zeremonie offiziell neben dem Gedenkstein neben der Kirche.
- Messerangriff tötet drei und verletzt acht auf dem Fronhof-Fest in Solingen
- Täter Issa al H. wird am nächsten Tag von der Polizei festgenommen
- Oberlandesgericht Düsseldorf verurteilt den Angreifer zu lebenslanger Haft mit Sicherungsverwahrung
- Gedenkfeier begeht Schweigeminute und drei Glockenschläge zur genauen Zeit des Notrufs von 2024
Stellungnahmen von Landes- und Kommunalpolitikern
Solingens Bürgermeister Daniel Flemm wandte sich an die Teilnehmer und reflektierte über die Tragödie, während er die Entschlossenheit der Stadt betonte, das öffentliche Leben aufrechtzuerhalten.
Wir lassen uns nicht einschüchtern.
Flemm dankte den Einsatzkräften, die während des Vorfalls sofort Verantwortung übernahmen, und stellte fest, dass zwar drei Leben ausgelöscht und acht weitere schwer verletzt wurden, die Einheit der Gemeinschaft jedoch einen Weg zur Heilung biete. Der Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, Hendrik Wüst, wandte sich zusammen mit mehreren Mitgliedern seines Kabinetts an die Versammlung, darunter die stellvertretende Ministerpräsidentin Mona Neubaur, Justizminister Benjamin Limbach und Integrationsministerin Verena Schäffer. Wüst verurteilte das Motiv der Gewalt und wies auf einen vorsätzlichen Angriff auf ein öffentliches Fest hin.
Solingen zeigt, was eine freie Gesellschaft stark macht: Menschen, die füreinander einstehen, die sich nicht von Herkunft, Glauben und Hautfarbe spalten lassen, die zusammenhalten, wo andere zu spalten versuchen.
Angriffdetails und Gerichtsurteil
Der Angriff ereignete sich am 23. August 2024 während des „Festivals der Vielfalt“, das anlässlich des 650. Jahrestags der Stadtrechtsverleihung Solingens stattfand. Der Täter, ein abgelehnter syrischer Asylbewerber namens Issa al H., bewegte sich während eines Konzerts auf dem Fronhof durch die Menge und griff Zuschauer mit einem Messer an. Der Angriff forderte drei Todesopfer und acht Verletzte, mehrere davon lebensgefährlich. Die Polizei nahm den Verdächtigen am darauffolgenden Tag nach einer Durchsuchung der Stadt fest. Der Islamische Staat reklamierte die Messerstecherei für sich – es war der erste Anschlag in Deutschland, den die Organisation seit dem Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt 2016 für sich beanspruchte.
- Todesopfer
- 3 Personen
- Verletzte
- 8 Personen
Das Gerichtsverfahren endete am Oberlandesgericht Düsseldorf, das Issa al H. etwa ein Jahr zuvor zu lebenslanger Haft mit anschließender Sicherungsverwahrung verurteilte. Nach dem Anschlag brachte die Landesregierung Nordrhein-Westfalens ein Gesetzespaket zu Sicherheitsprotokollen, Migrationspolitik und Präventionsmaßnahmen auf den Weg.
Musikalische Beiträge und Gottesdienste
Die abendliche Gedenkfeier wurde musikalisch von Kantor Fabian Bischoff begleitet, der den Gottesdienst an der Orgel eröffnete und die Zeremonie mit einer Darbietung der Bürgerrechtshymne „We Shall Overcome“ abschloss. Vor den Reden verteilten Mitarbeiter des Notfallseelsorgedienstes Kerzen an die Teilnehmer, die Lichter auf dem Blumenbeet rund um die Gedenktafel platzierten. Die abendliche Zusammenkunft folgte auf einen früheren Gedenkgottesdienst, der am Sonntagmorgen in Solingen stattfand.


